Aktuelle Veranstaltungsreihe der mdw

POPULISMUS KRITISIEREN

 

 

VORSCHAU
 

02.12.2021

Simon Strick

Nach dem Populismus: Memetische Agitation und Faschismus von unten

02.12.2021, 18-20 Uhr, online

 

11.01.2022

Ondřej Daniel 

Music of “Normalized Far Right”: Czech Band Ortel and its Audience

11.01.2022, 18 Uhr, Online

 

TERMIN FOLGT

Gabriele Dietze (Workshop)
Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien der Humboldt-Universität zu Berlin

"Rechtspopulismus und Geschlecht"

Hinweis: Aufgrund der anhaltenden Covid-19 Regelungen wird der Workshop verschoben. Termin folgt! 

 

 

 

ABSTRACTS

 

 

Simon Strick

Nach dem Populismus: Memetische Agitation und Faschismus von unten

Seit geraumer Zeit haben populistische Diskursstrategien Konjunktur und sind inzwischen vielerorts Teil der Regierungspolitik geworden. Zugleich haben sich die medialen Bedingungen von Öffentlichkeit grundlegend gewandelt und ermöglichen es auf neue Weise, rassistische oder sexistische Ressentiments zu schüren und die Grenzen des Sag- und Denkbaren nach rechts zu verlagern. Unsere Veranstaltungsreihe POPULISMUS KRITISIEREN fragt danach, wie sich gegenwärtigen Diskursverschiebungen nachhaltig begegnen lässt.

Das Margherita-von-Brentano-Zentrum für Geschlechterforschung (MvBZ) der Freien Universität Berlin realisiert dieses Projekt in Kooperation mit dem Institut für Kulturmanagement und Gender Studies der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien (mdw) und dem Centre for Dance Research (C-DaRE), Institute for Creative Enterprise (ICE), Universität Coventry.

Seit Herbst 2020 finden im Rahmen der Vortragsreihe regelmäßig Lectures, Workshops und Podiumsdiskussionen mit renommierten Expert*innen aus Wissenschaft und Kunst statt.

Input: Dr. Simon Strick (ZeM - Brandenburgisches Zentrum für Medienwissenschaften)

Das Konzept des »Rechtspopulismus« ist unzureichend, um gegenwärtige rechte Akteure und Gruppierungen und ihre Agitationstechniken im Netz zu beschreiben. Amorphe Gruppierungen, neofaschistische Schwärme, algorithmische und memetische Dynamiken kennzeichnen die gegenwärtige Lage, und weniger jene populistischen Parteien, die generell unter dem Label des Populismus gefasst werden. Der Vortrag bespricht die »memetische Kriegsführung« der alternativen Rechten von der späten Trump-Ära bis heute, mit einem Fokus auf ihre digitalen und affektiven Strategien, die über Genderperformance und racial belonging lanciert werden. Diese erfordern, wie argumentiert werden wird, neue Beschreibungs- und Kritikformen, denn sie erschöpfen sich nicht in den groben Antagonismen des Autoritarismus, sondern buchstabieren neofaschistische und ethnonationalistische Ideologien für das Alltagserleben aus: rechte Agitation tritt, insbesondere im digitalen Raum, als alltagsnahe und populärkulturelle Widerstandserzählung von unten auf. Der Vortrag schlägt daher vor, die Populismus- und Extremismusforschung verstärkt mit gender- und medienwissenschaftlichen Methoden zu kombinieren.
 

Die Zugangsdaten lauten
Meeting-Link: https://fu-berlin.webex.com/fu-berlin/j.php?MTID=mbafd7d0fada03fecdeed83120d4e95a5 
Meeting-Kennnummer: 2732 096 6684
Passwort: yYdpABvM275

Kontakt
susanne.lettow@fu-berlin.de
franziska.lisa-marie.wohlfarth@fu-berlin.de 

 

 

Ondřej Daniel 

Music of “Normalized Far Right”: Czech Band Ortel and its Audience

Czech “nationalist rock” band Ortel (“Ordeal”) is a far-right band that remains active today though its output peaked in the mid-2010s. From a long-term perspective, Ortel emerged directly from the scene of far-right skinheads during the first decade of post-socialism. The band’s lead singer, the self-styled Tomáš Ortel (born Tomáš Hnídek) was the former drummer of the neo-Nazi skinhead band Conflict 88. Even in the 2010s, he had close ties with many far-right activists and his performance style retained all the features of militant aesthetics. 
Arguably Ortel’s popularity arose from its careful normalization of far-right views that were now scrubbed clean of the racist excesses that had been most visible during the post-2008 economic crisis. Over the last decade, the band, or rather its political classification, has shifted from “Far Right with some neo-Nazi alliances” to “normalized Far Right” and its language has been diligently edited to avoid accusations of hate speech. Thus, Ortel has located itself on the boundaries of the law: it is protected by free speech principles but provides fans with a fantasy of rebellion against the liberal democratic status quo represented by social elites.

Ondřej Daniel (PhD) is working as a historian in the Seminar on General and Comparative History within the Department of Global History at Charles University’s Faculty of Arts. He is a founding member of the Centre for the Study of Popular Culture. His current work examines intersections of class and culture in contemporary Czech society. In 2021, Ondřej Daniel is a visiting scholar at the Department of Music Sociology at the mdw – University of Music and Performing Arts Vienna.

 

Organisation and moderation
Sarah Chaker, Department of Music Sociology at the mdw

Registration is mandatory!
Mona Torinek: torinek@mdw.ac.at 

 

 

Gabriele Dietze

"Rechtspopulismus und Geschlecht"

Der Workshop wird sich mit europäischem und angloamerikanischem Rechtspopulismus und Geschlecht/Gender beschäftigen. Der Bezug zu Geschlecht ist von mehreren Paradoxien geprägt. Im Selbstverständnis und in der Programmatik populistischer Parteien spielt die heteronormative Kleinfamilie mit biologisch definierten binären Geschlechterpositionen eine große Rolle, was durch eine Welle von Anti-Genderismus-Kampagnen verstärkt wird. Kontrastierend dazu ist eine Art von okzidentalistisch ‚sexuellem Exzeptionalismus‘ auszumachen. Diese Haltung pflegt ein anti-muslimisches Ressentiment, das auf einer angenommenen sexuellen Rückständigkeit muslimischer Eingewanderter und Geflüchteter basiert, und dieser wiederum eine angeblich vollendete sexuelle Emanzipation der ‚einheimischen‘ Bevölkerung entgegensetzt. Auf der anderen Seite werden Sexualerziehung, mancherorts Abtreibung und LGBTIQ-Rechte bekämpft. Das Ziel des Workshops ist, diese Paradoxien und die generelle rechtspopulistische ‚Obsession mit Geschlecht‘ an exemplarischen Schnittpunkten zu untersuchen, etwa am Trumpismus, an der Ibiza Affaire, an den polnischen Konflikten um Abtreibung und anhand der Reaktionen auf die Kölner Silvesternacht. Es soll überprüft werden, für welche übergeordneten Fragestellungen ökonomischer, sozialer und kultureller Art Geschlecht als Platzhalter und Metasprache eingesetzt wird. Neben theoretischen Texten wird mit Filmen, Visual Art und Internetquellen gearbeitet.

 

Gabriele Dietze forscht und lehrt zu Gender-, Media-, Cultural- und Migration-Studies und war an verschiedenen deutschen und amerikanischen Universitäten, zuletzt im Dartmouth College, NH als Gatsprofessorin und Privatdozentin tätig. Zu ihren Themenschwerpunkten zählen Sexismus, Rassismus, Rechtspopulismus und Cultural Wars in den USA. Sie ist assoziiertes Mitglied des Zentrums für transdisziplinäre Geschlechterstudien, ZtG, der Humboldt Universität zu Berlin. Zuletzt erschienen: Zusammen mit Julia Roth (Hg.): Right-Wing Populism and Gender in Europe and Beyond, 2020