Aktuelle Veranstaltungsreihe der mdw

POPULISMUS KRITISIEREN

ARCHIV             
 

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24.06.2021, 18 Uhr

Leonida Kovač 
Incidental Evil. Art and the Undoing of Hate in Zagreb’s Urban Space

Onlinevortrag
am Margherita-von-Brentano-Zentrum für Geschlechterforschung der Freien Universität Berlin, in Kooperation mit den mdw-Gender Studies

For a discussion on effects of the growing right-wing populism in Europe with a focus on the country where I live, I chose to appropriate a title of one art project. Incidental Evil is a title of recent research project of artist Tanja Dabo who documented, analysed and contextualized hundreds of graffiti written or drawn on building walls in Croatian capital Zagreb. It is a matter of graffiti that contain explicit Ustashi or cryptographed Nazi symbols, as well as different expressions of hate speech. The issue of my presentation is structural patriarchal violence inseparable from nationalism, that in Croatia has been normalized since 1990, from the moment when the first free elections took place. I will talk on the examples of misogynist, racist and homophobic discourse that culminated in so called »conservative revolution« that overtly happened immediately after Croatia became a member of EU in 2013. Accordingly, most of cases of hate crimes remain legally not sanctioned. I will contextualize art projects of Tanja Dabo titled Corrected Constitution of Republic of Croatia, Collection for Remembrance and Incidental Evil with such state of affairs.

Moderation: Susanne Lettow, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Margherita-von-Brentano-Zentrum für Geschlechterforschung und Privatdozentin am Institut für Philosophie der Freien Universität Berlin.

 

Leonida Kovač is an art historian and theorist, curator and professor at the University of Zagreb, Academy of Fine Arts. Her work focuses on contemporary art, feminist and critical theories.

 

 

 

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20.05.2021, 18 Uhr

Arne Vogelgesang
Gamification von rechts. Spiel und Unterhaltung als politische Werkzeuge rechten Kulturkampfs"

Onlinevortrag

Wir sprechen von "Spielifizierung", wenn typische Elemente von Spielmechaniken genutzt werden, um in spielfremden Kontexten motivationssteigernd zu wirken. Während diese Strategie ökonomisch genutzt wird, um Kundenbindung und Mitarbeiterproduktivität zu erhöhen, ist sie auch zu einem zunehmend wichtigen Teil politischer Kultur geworden. Insbesondere internetaffine Communities verwenden Spielelemente und spielnahe Unterhaltungsformate, um ihre Beziehung zur Realität zu gestalten und zu strukturieren – und damit auch ihre politische Praxis.

Der Vortrag beleuchtet die Spielmetapher als legitimierenden und verbindenden Rahmen jüngerer reaktionärer und rechtsextremistischer Szenen im englisch- und deutschsprachigen Internet und stellt beispielhaft Bestrebungen vor, Teile des politischen Diskurses zu “gamen”, als Unterhaltung umzudeuten und auch die eigene Mobilisierung zu spielifizieren.

Moderation: Evelyn Annuß, Gender Studies am IKM, mdw

 

Arne Vogelgesang ist Autor und Medienkünstler. Mit dem Theaterlabel internil und unter eigenem Namen realisiert er seit 2005 freie Theaterprojekte, die mit verschiedenen Zusammensetzungen von dokumentarischem Material, neuen Medien, Fiktion und Performance experimentieren. Außerdem hält er Vorträge und gibt Workshops zur Ästhetik radikaler Internet-Propaganda & schreibt gelegentlich einen Text.

 

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14.04.2021, 9–17h Uhr

Martin Reisigl
Argumentieren gegen rechts
Personalentwicklung – Zentrum für Weiterbildung der mdw

Online-Workshop

Argumentationsweisen von rechts kennen und kontern zu lernen, ist Gegenstand dieses Workshops.
Wir diskutieren anhand von Text- und Diskursbeispielen aus medialen und politischen Kontexten, wie diskriminierende, rechtspopulistische und fundamentalistische Argumentationsmuster sowie rhetorische Strategien formal, inhaltlich und funktional strukturiert sind und was diesen Mustern und rhetorischen Techniken entgegengesetzt werden kann.
Die Teilnehmenden werden zu schlüssigem Argumentieren angeleitet und mit guten Praktiken vertraut gemacht. Neben Verfahren der gewaltfreien Kommunikation und widerständigen Diskursintervention werden ihnen argumentative Regeln vermittelt.

 

Kursleitung
Martin Reisigl ist Assistenz-Professor für angewandte Sprachwissenschaft am Institut für Sprachwissenschaft der Universität Wien. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören unter anderem die Argumentationsanalyse, die Analyse von politischer Kommunikation (insbesondere von nationalistischer und rechtspopulistischer Rhetorik) und der Zusammenhang von Sprache und Diskriminierung.

 

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25.03.2021, 18 Uhr

Online-Vortrag 

Foliendokumentation

Gabriele Dietze
Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien der Humboldt-Universität zu Berlin

Rechtspopulistische Weiblichkeitsmodelle zwischen Re-Traditionalisierung und alternativer Geschlechter-Moderne

Im fortschrittlichen Lager ist man sich einig: Rechtspopulismus hat Frauen wenig zu bieten, er will sie in antiquierte Rollenbilder zurückversetzen, deshalb wählen weniger Frauen die entsprechenden Parteien. Diese Vorstellung geht davon aus, dass ein bestimmtes Emanzipationsmodell – weibliche Berufstätigkeit, Chancen- und Lohngleichheit, aushäusige Kinderbetreuung und familiäre Arbeitsteilung – gesellschaftlich akzeptiert und allgemein gewünscht ist. Nun zeigen Konzepte wie ‚Neue Mütterlichkeit‘ (Momism im angloamerikanischen Raum) und die Tradwive-Bewegung (ein positiv besetztes Hausfrauen-Muttermodell, das ausdrücklich die Vormacht und das Versorgungsprivileg des Ehemanns anerkennt) eine gewisse ‚Emanzipationsverdrossenheit‘. Dennoch machen ihre Propagandistinnen deutlich, dass sie sich nicht als rückgewandt, sondern als neue Geschlechtsrollen-Alternative verstehen. Ergänzt werden Modelle einer akzeptierten geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung durch selbstbewusste aushäusige Führungsfiguren, wie Alice Weidel und Marie LePen, oder in rechtskonservativen Superkarrieren wie jene der siebenfachen Mutter und soeben gewählten Verfassungsrichterin Amy Coney Barrett. Das Ziel des Vortrags ist es, eine Landkarte dieser rechten geschlechterpolitischen Alternativ-Moderne zu entwerfen und über Möglichkeiten von Gegenstrategien nachzudenken. 

 

 

 

 

 

 




 


 

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21.01.2021, 18–20 Uhr

Online-Vortrag am Margherita-von-Brentano-Zentrum für Geschlechterforschung (MvBZ) an der
Freien Universität Berlin

Foliendokumentation

Julia Roth
American Studies, Universität Bielefeld 

Gender als Affektbrücke und Arena. 
Rechtspopulistische Muster der Vergeschlechtlichung und intersektionale feministische Reaktionen

Studien zu Rechtspopulismus sind inzwischen etabliert und vielfältig.
Eine systematische Betrachtung der Verflechtungen von Rechtspopulismus und Geschlecht steht jedoch noch aus, obwohl Gender-Aspekte in rechten Diskursen allgegenwärtig sind: etwa in Form der Auslagerung/Projektion von Sexismus und Homophobie auf migrantische (oft: muslimische) Andere (sog. “Ethnosexismus”), maskulinistische “Affektgemeinschaften” im Internet, oder den verstärkten Allianzen zwischen religiösen und politischen Akteur*innen gegen eine vermeintliche “Gender-Ideologie” (aka als “Anti-Genderismus”), die Papst Franziskus jüngst als “ideologische Kolonisierung” bezeichnet hat.

Der Vortrag geht deshalb von der Annahme aus, dass die Intersektionalität von Gender, Race, und Klasse für radikale rechte Diskurse konstitutiv ist. Immer häufiger kombinieren rechte Diskurse ein vordergründiges “Emanzipationsparadigma” – etwa die Verteidigung von Frauen- oder LGBTQ-Rechten – mit einem Retraditionalisierungsparadigma. Deshalb reicht die Verengung auf einen bloßen konservativen “Backlash” nicht länger aus, um diese komplex gewordenen Dynamiken zu beschreiben, zu analysieren und erfolgreich widerlegen zu können.
Vor diesem Hintergrund diskutiert der Vortrag paradigmatische “Muster der Vergeschlechtlichung” in rechtspopulistischen Diskursen, in denen Geschlecht als Arena, als Meta-Sprache und “Affektbrücke” (Dietze) fungiert. Der Vortrag zeichnet nach, wie über solche Muster politische Ziele geordnet und in den öffentlichen Diskurs katapultiert werden, um “legitime politische Gefühle” und “affektive Communities” (Sauer) zu bilden.

Gleichzeitig zu diesen weltweiten Anfechtungen von Frauen- und Geschlechterrechten sind gegenwärtig vielerorts erstarkenden intersektional-feministische Proteste zu beobachten, beispielsweise in Brasilien, Polen und den USA. Der Vortrag beleuchtet daher in einem zweiten Schritt intersektional-feministische Bewegungen als sichtbarste Gegenbewegungen in Hinblick auf ihr hegemoniekritisches Potenzial..

Moderation:
Susanne Lettow, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Margherita-von-Brentano-Zentrum für Geschlechterforschung und Privatdozentin am Institut für Philosophie der Freien Universität Berlin.

 

 

 

 

 

 

 

Julia Roth
ist Professorin für American Studies mit einem Fokus auf Gender Studies und InterAmerican Studies an der Universität Bielefeld. Zuvor arbeitete sie dort mit ihrem Postdoc-Projekt „The Americas as Space of Entanglements“, sowie im interdisziplinären Netzwerk „desiguALdades.net – Interdependent Inequalities in Latin America“ an der Freien Universität Berlin. Als Dozentin unterrichtete sie zudem an der Humboldt-Universität zu Berlin, der Universität Potsdam und der Universidad de Guadalajara, Mexiko. Ihre Forschungsschwerpunkte adressieren Themen der postkolonialen, dekolonialen und Gender Perspektiven, mit einem Fokus auf Intersektionalität und Globale Ungleichheiten, Rechtspopulismus und Gender, Gender und Staatsbürger*innenschaft sowie anti-rassistisch feministisches Wissen der Karibik und der Amerikas. Neben ihrer akademischen Forschung organisiert und kuratiert sie Kulturpolitische Veranstaltungen, wie zuletzt das Theater-Festival „Women/Images of the Americas in Movement“ in Berlin (2010), sowie am Gorki Theater Berlin die Reihen „BE.BOP – Black Europe Body Politics“ mit Alanna Lockward (2014) und „De-Heimatize Belonging“ (2016).
 

Aktuelle Veröffentlichungen: 
Roth, Julia: ¿Puede el feminismo vencer al populismo? Avances populistas de derecha y contestaciones interseccionales en las Américas. Ensayos InterAmericanos. Vol 4. Bielefeld: kipu-Verlag; 2020.

Roth, Julia: "Intersectionality Strikes Back: Right-WIng Patterns of En-Gendering and Feminist Contestations in the Americas". In: Dietze G, Roth J, eds.: Right-Wing Populism and Gender: European Perspectives and Beyond . Gender Studies. Bielefeld: Transcript; 2020: 251-271.

 

 


 

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12.11.2020, 19 Uhr
Online-Vortrag

Foliendokumentation


Birgit Sauer
Politikwissenschaft, Universität Wien

Rechtspopulismus und maskulinistische Identitätspolitiken

Wahlgewinne autoritärer rechtspopulistischer Parteien in ganz Europa, nationalpopulistische Regierungen in Ungarn und Polen, der Brexit und die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten sind Ausweis sich weltweit nach rechts verschiebender politischer Kräfteverhältnisse. Radikal rechten Parteien geht es um mehr als nur eine restriktivere Migrationspolitik und das Schüren anti-Muslimischer Ressentiments, um Wähler*innenstimmen zu gewinnen: Sie zielen darauf, die Länder der EU anti-demokratisch umzubauen. Geschlechter- und Sexualitätsverhältnisse nehmen in diesem Kampf um kulturelle Hegemonie in Form eines selbsternannten 'Anti-Genderismus' seit der vergangenen Dekade eine prominente Rolle ein. Traditionelle Geschlechterrollen werden durch eine maskulinitische Identitätspolitik verstärkt und ein z.T. aggressiver Maskulinismus soll die männlich-übergeordnete Position absichern. Der Vortrag wird erklären, vor welchem transformatorischen gesellschaftlichen Hintergrund diese traditionell-maskulinistische Politik insbesondere in Österreich und Deutschland erfolgreich ist.
Begrüßung: 
Gerda Müller, Vizerektorin für Organisationsentwicklung und Gender & Diversity an der mdw

Einleitung und Moderation:
Evelyn Annuß, Gender Studies, IKM an der mdw
Vortrag mit anschließender Publikumsdiskussion.
 

Birgit Sauer
ist Professorin für Politikwissenschaft an der Universität Wien mit den Schwerpunkten Governance und Geschlecht, Politik der Geschlechterverhältnisse, Staats- und Institutionentheorien, Politik und Emotionen, Rechtspopulismus und Geschlecht. 2015 erhielt sie den Käthe Leichter-Staatspreis für Frauen- und Geschlechterforschung, 2017 wurde ihr vom Österreichischen Parlament der Wissenschaftspreis der Margaretha Lupac-Stiftung für Parlamentarismus und Demokratie verliehen. 

Aktuelle Veröffentlichung: 
"Authoritarian Right-Wing Populism as Masculinist Identity Politics. The Role of Affects". In: Dietze, Gabriele/ Roth, Julia (Hg.): Right-Wing Populism and Gender. European Perspectives and Beyond, 2020.