Aktuelle Veranstaltungsreihe der mdw

POPULISMUS KRITISIEREN

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14.04.2021, 9–17h Uhr

Martin Reisigl
Argumentieren gegen rechts
Personalentwicklung – Zentrum für Weiterbildung der mdw

Online-Workshop

Argumentationsweisen von rechts kennen und kontern zu lernen, ist Gegenstand dieses Workshops.
Wir diskutieren anhand von Text- und Diskursbeispielen aus medialen und politischen Kontexten, wie diskriminierende, rechtspopulistische und fundamentalistische Argumentationsmuster sowie rhetorische Strategien formal, inhaltlich und funktional strukturiert sind und was diesen Mustern und rhetorischen Techniken entgegengesetzt werden kann.
Die Teilnehmenden werden zu schlüssigem Argumentieren angeleitet und mit guten Praktiken vertraut gemacht. Neben Verfahren der gewaltfreien Kommunikation und widerständigen Diskursintervention werden ihnen argumentative Regeln vermittelt.

 

Kursleitung
Martin Reisigl ist Assistenz-Professor für angewandte Sprachwissenschaft am Institut für Sprachwissenschaft der Universität Wien. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören unter anderem die Argumentationsanalyse, die Analyse von politischer Kommunikation (insbesondere von nationalistischer und rechtspopulistischer Rhetorik) und der Zusammenhang von Sprache und Diskriminierung.

 



 

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25.03.2021, 18 Uhr

Online-Vortrag 

Foliendokumentation

Gabriele Dietze
Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien der Humboldt-Universität zu Berlin

Rechtspopulistische Weiblichkeitsmodelle zwischen Re-Traditionalisierung und alternativer Geschlechter-Moderne

Im fortschrittlichen Lager ist man sich einig: Rechtspopulismus hat Frauen wenig zu bieten, er will sie in antiquierte Rollenbilder zurückversetzen, deshalb wählen weniger Frauen die entsprechenden Parteien. Diese Vorstellung geht davon aus, dass ein bestimmtes Emanzipationsmodell – weibliche Berufstätigkeit, Chancen- und Lohngleichheit, aushäusige Kinderbetreuung und familiäre Arbeitsteilung – gesellschaftlich akzeptiert und allgemein gewünscht ist. Nun zeigen Konzepte wie ‚Neue Mütterlichkeit‘ (Momism im angloamerikanischen Raum) und die Tradwive-Bewegung (ein positiv besetztes Hausfrauen-Muttermodell, das ausdrücklich die Vormacht und das Versorgungsprivileg des Ehemanns anerkennt) eine gewisse ‚Emanzipationsverdrossenheit‘. Dennoch machen ihre Propagandistinnen deutlich, dass sie sich nicht als rückgewandt, sondern als neue Geschlechtsrollen-Alternative verstehen. Ergänzt werden Modelle einer akzeptierten geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung durch selbstbewusste aushäusige Führungsfiguren, wie Alice Weidel und Marie LePen, oder in rechtskonservativen Superkarrieren wie jene der siebenfachen Mutter und soeben gewählten Verfassungsrichterin Amy Coney Barrett. Das Ziel des Vortrags ist es, eine Landkarte dieser rechten geschlechterpolitischen Alternativ-Moderne zu entwerfen und über Möglichkeiten von Gegenstrategien nachzudenken. 

 

 

 

 

 

 




 


 

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21.01.2021, 18–20 Uhr

Online-Vortrag am Margherita-von-Brentano-Zentrum für Geschlechterforschung (MvBZ) an der
Freien Universität Berlin

Foliendokumentation

Julia Roth
American Studies, Universität Bielefeld 

Gender als Affektbrücke und Arena. 
Rechtspopulistische Muster der Vergeschlechtlichung und intersektionale feministische Reaktionen

Studien zu Rechtspopulismus sind inzwischen etabliert und vielfältig.
Eine systematische Betrachtung der Verflechtungen von Rechtspopulismus und Geschlecht steht jedoch noch aus, obwohl Gender-Aspekte in rechten Diskursen allgegenwärtig sind: etwa in Form der Auslagerung/Projektion von Sexismus und Homophobie auf migrantische (oft: muslimische) Andere (sog. “Ethnosexismus”), maskulinistische “Affektgemeinschaften” im Internet, oder den verstärkten Allianzen zwischen religiösen und politischen Akteur*innen gegen eine vermeintliche “Gender-Ideologie” (aka als “Anti-Genderismus”), die Papst Franziskus jüngst als “ideologische Kolonisierung” bezeichnet hat.

Der Vortrag geht deshalb von der Annahme aus, dass die Intersektionalität von Gender, Race, und Klasse für radikale rechte Diskurse konstitutiv ist. Immer häufiger kombinieren rechte Diskurse ein vordergründiges “Emanzipationsparadigma” – etwa die Verteidigung von Frauen- oder LGBTQ-Rechten – mit einem Retraditionalisierungsparadigma. Deshalb reicht die Verengung auf einen bloßen konservativen “Backlash” nicht länger aus, um diese komplex gewordenen Dynamiken zu beschreiben, zu analysieren und erfolgreich widerlegen zu können.
Vor diesem Hintergrund diskutiert der Vortrag paradigmatische “Muster der Vergeschlechtlichung” in rechtspopulistischen Diskursen, in denen Geschlecht als Arena, als Meta-Sprache und “Affektbrücke” (Dietze) fungiert. Der Vortrag zeichnet nach, wie über solche Muster politische Ziele geordnet und in den öffentlichen Diskurs katapultiert werden, um “legitime politische Gefühle” und “affektive Communities” (Sauer) zu bilden.

Gleichzeitig zu diesen weltweiten Anfechtungen von Frauen- und Geschlechterrechten sind gegenwärtig vielerorts erstarkenden intersektional-feministische Proteste zu beobachten, beispielsweise in Brasilien, Polen und den USA. Der Vortrag beleuchtet daher in einem zweiten Schritt intersektional-feministische Bewegungen als sichtbarste Gegenbewegungen in Hinblick auf ihr hegemoniekritisches Potenzial..

Moderation:
Susanne Lettow, Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Margherita-von-Brentano-Zentrum für Geschlechterforschung und Privatdozentin am Institut für Philosophie der Freien Universität Berlin.

 

 

 

 

 

 

 

Julia Roth
ist Professorin für American Studies mit einem Fokus auf Gender Studies und InterAmerican Studies an der Universität Bielefeld. Zuvor arbeitete sie dort mit ihrem Postdoc-Projekt „The Americas as Space of Entanglements“, sowie im interdisziplinären Netzwerk „desiguALdades.net – Interdependent Inequalities in Latin America“ an der Freien Universität Berlin. Als Dozentin unterrichtete sie zudem an der Humboldt-Universität zu Berlin, der Universität Potsdam und der Universidad de Guadalajara, Mexiko. Ihre Forschungsschwerpunkte adressieren Themen der postkolonialen, dekolonialen und Gender Perspektiven, mit einem Fokus auf Intersektionalität und Globale Ungleichheiten, Rechtspopulismus und Gender, Gender und Staatsbürger*innenschaft sowie anti-rassistisch feministisches Wissen der Karibik und der Amerikas. Neben ihrer akademischen Forschung organisiert und kuratiert sie Kulturpolitische Veranstaltungen, wie zuletzt das Theater-Festival „Women/Images of the Americas in Movement“ in Berlin (2010), sowie am Gorki Theater Berlin die Reihen „BE.BOP – Black Europe Body Politics“ mit Alanna Lockward (2014) und „De-Heimatize Belonging“ (2016).
 

Aktuelle Veröffentlichungen: 
Roth, Julia: ¿Puede el feminismo vencer al populismo? Avances populistas de derecha y contestaciones interseccionales en las Américas. Ensayos InterAmericanos. Vol 4. Bielefeld: kipu-Verlag; 2020.

Roth, Julia: "Intersectionality Strikes Back: Right-WIng Patterns of En-Gendering and Feminist Contestations in the Americas". In: Dietze G, Roth J, eds.: Right-Wing Populism and Gender: European Perspectives and Beyond . Gender Studies. Bielefeld: Transcript; 2020: 251-271.

 

 


 

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12.11.2020, 19 Uhr
Online-Vortrag

Foliendokumentation


Birgit Sauer
Politikwissenschaft, Universität Wien

Rechtspopulismus und maskulinistische Identitätspolitiken

Wahlgewinne autoritärer rechtspopulistischer Parteien in ganz Europa, nationalpopulistische Regierungen in Ungarn und Polen, der Brexit und die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten sind Ausweis sich weltweit nach rechts verschiebender politischer Kräfteverhältnisse. Radikal rechten Parteien geht es um mehr als nur eine restriktivere Migrationspolitik und das Schüren anti-Muslimischer Ressentiments, um Wähler*innenstimmen zu gewinnen: Sie zielen darauf, die Länder der EU anti-demokratisch umzubauen. Geschlechter- und Sexualitätsverhältnisse nehmen in diesem Kampf um kulturelle Hegemonie in Form eines selbsternannten 'Anti-Genderismus' seit der vergangenen Dekade eine prominente Rolle ein. Traditionelle Geschlechterrollen werden durch eine maskulinitische Identitätspolitik verstärkt und ein z.T. aggressiver Maskulinismus soll die männlich-übergeordnete Position absichern. Der Vortrag wird erklären, vor welchem transformatorischen gesellschaftlichen Hintergrund diese traditionell-maskulinistische Politik insbesondere in Österreich und Deutschland erfolgreich ist.
Begrüßung: 
Gerda Müller, Vizerektorin für Organisationsentwicklung und Gender & Diversity an der mdw

Einleitung und Moderation:
Evelyn Annuß, Gender Studies, IKM an der mdw
Vortrag mit anschließender Publikumsdiskussion.
 

Birgit Sauer
ist Professorin für Politikwissenschaft an der Universität Wien mit den Schwerpunkten Governance und Geschlecht, Politik der Geschlechterverhältnisse, Staats- und Institutionentheorien, Politik und Emotionen, Rechtspopulismus und Geschlecht. 2015 erhielt sie den Käthe Leichter-Staatspreis für Frauen- und Geschlechterforschung, 2017 wurde ihr vom Österreichischen Parlament der Wissenschaftspreis der Margaretha Lupac-Stiftung für Parlamentarismus und Demokratie verliehen. 

Aktuelle Veröffentlichung: 
"Authoritarian Right-Wing Populism as Masculinist Identity Politics. The Role of Affects". In: Dietze, Gabriele/ Roth, Julia (Hg.): Right-Wing Populism and Gender. European Perspectives and Beyond, 2020.