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Kirchenmusik – Ideal und Wirklichkeit

Weihrauch. Ein Gefolge von Ministranten, Diakonen und Priestern zieht durch das Kirchenschiff ins Presbyterium ein. Die Gemeinde steht und beobachtet andächtig dieses pompöse Schauspiel. Was passiert währenddessen auf der Orgelempore? Der Organist (ja, meist männlich), begleitet den Einzug mit den dröhnenden Klängen der Orgel, der Kapellmeister (ja, ebenfalls ein Mann) wartet schon darauf, bis sich die Sängerinnen und Sänger des …


Heilige Ruhe

Die Toskana Anfang Juni ist wie ein Geburtstagsfest, zu dem viel mehr Gäste gekommen sind, als man eigentlich eingeladen hat. In den großen Städten wie Florenz, Pisa oder Siena ist es gerade noch auszuhalten. Es gibt immer eine Nebenstraße oder eine kleine Gasse, in die man flüchten kann. In den kleinen Orten am Land kann es jedoch brutal werden. Die …


Ohne Kompromisse und doch für alle offen: Geht das?

Neue Musik ist etwas ironisch betrachtet eine schöne Filterblase, die seit Jahrzehnten für die Weltöffentlichkeit fast unbemerkt herangewachsen ist. Sie gedeiht fröhlich vor sich hin, wird von der öffentlichen Hand gefördert und wird nachts manchmal sogar im Rundfunk gesendet. Festivals, Preise, Förderungen etc. sorgen dafür, dass die mit Abstand wichtigste Anerkennung für viele Komponist_innen jene innerhalb der Peergroup ist. Aber …


Neue Töne

Der Unterschied zwischen Lärm und Musik ist eine Frage des Geschmacks, der Hörgewohnheiten und der Zeit, in der man lebt. Musik, die sich dem Gewohnten widersetzte,die sich konventionellen Harmonien verschloss, die die Hörer _innen herausforderte, anstatt sie einzulullen und zu beruhigen, hatte es nie leicht. Da ging es Arnold Schönberg, Paul Hindemith oder Richard Strauss nicht viel besser als Jahrzehnte …


Nachmittage am Klavier

Meine Taufpatin war keine gesprächige Frau. Eigentlich war sie nicht meine Taufpatin, sondern die Frau meines Taufpaten. Aber nach seinem plötzlichen Tod hat sie alles übernommen. Seine Verwandten, sein Arbeitszimmer, seine Verpflichtungen. Ich war Teil der Erbmasse. Sie gab nie vor, sehr am Small Talk mit ihren Mitmenschen interessiert zu sein. Sie nickte höchstens, manchmal lächelte sie sogar, das war …


Er zwitschert – wir zwitschern

Alle zwitschern. Trump, Macron und jetzt auch Herr Kurz. „Haben klares Bekenntis {sic} zum differenziertem {sic} & leistungsförderndem {sic} Schulsystem“, twitterte er – wenn schon nicht richtig, dann immerhin zu Recht. We are save! Es wird auch mit Herrn Kurz Schule für die Menschen in Österreich geben. Pardon, wenn man sich nach dieser Wortmeldung um ihre Qualität sorgt! Als MusiklehrerIn …


Kritik und Freundschaft

Das größte Missverständnis in einem kleinen Land ist die Verbindung von Kritik und Freundschaft. Ein kleines Land ist eng, und wo es eng ist, wo kaum Raum zum Atmen bleibt und noch weniger, um sich zu bewegen, da ist die Angst nicht weit. Wenn man Angst hat, sucht man Sicherheit. Nicht Freiheit, nicht Konfrontation, nicht Radikalität. Sondern Nähe. Manchmal zu …


Jo eh, owa schau ma amoi

Stellen Sie sich eine beliebige politische, betriebliche, universitäre Angelegenheit vor, die Ihres Erachtens verbessert werden könnte. Kennen Sie folgende Reaktion? Ach wirklich? Interessant, sehen Sie da wirklich ein Problem? Nein, so habe ich das noch nicht gesehen. Bis jetzt hat es doch auch so funktioniert. Aber jetzt, wo Sie es ansprechen, kann ich Ihre Bedenken zum Teil schon verstehen. Vielleicht …


Mit mehr Achtsamkeit ins neue Semester

Im Alltagsstress der heutigen Zeit passiert es schnell, dass wir das Gespür für uns selbst verlieren und die Fragen danach, was wir brauchen, was wir uns wünschen und was wir fühlen, erst gar nicht mehr aufkommen lassen. Anstatt den Blick auf uns selbst zu richten und uns der eigenen Stärken und Fähigkeiten bewusst zu werden, sie anzunehmen und schätzen zu …


Aus Liebe

„Die Liebe ist die größte Kraft. Die Liebe, die alles schafft.“ Diese Zeilen sang das Künstlerkollektiv Laibach Mitte der 1980er Jahre. Eingebettet in die für die Musiker typischen harten und düsteren Arrangements, dargebracht in einer martialischen Bühnenshow, die mit Militarismus und der Ästhetik faschistischer Inszenierungen kokettierte. Kein Liebeslied im klassischen Sinn, das war schnell klar. Vielmehr, so eine der gängigen …


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