Es ist sicher schon zehn Jahre her, da kam ich bei der Werkschau der Filmakademie-Studierenden im Kino neben einem jungen Mann zu sitzen, der ebenso selbstbewusst wie lautstark sein Popcorn während der Vorstellung verschlang.

Es war zu einer Zeit, in der vor allem Regisseurinnen den internationalen Erfolg des österreichischen Films verantworteten. Ihre Filme liefen auf renommierten Festivals, gewannen sämtliche Preise und in den Medien sprach man schon vom „Fräuleinwunder“ in der Filmindustrie.

Männerwunder gab es keines. Offenbar setzte man voraus, dass Wunder stets männlich seien. In der Abendvorstellung, die einen Querschnitt aus den letzten zwei Jahren der Arbeiten von Studierenden bot, liefen etwa gleich viele Filme von Kolleginnen wie von Kollegen. Trotzdem konnte mein Sitznachbar nicht damit aufhören, halblaut darüber zu philosophieren, dass wir beim zweiten Film des Abends erneut einen typischen „Frauenfilm“ zu sehen bekamen. Und weil ich zu höflich war, um mich wegzudrehen und das Schicksal uns nebeneinander platziert hatte, machte ich wohl irgendeine ermutigende Geste und der Vortrag begann.

Die Liebesszene, die eben über die Leinwand flackerte: typisch Frau! Kein Regisseur würde das so inszenieren. So lange auf dem Gesicht des verzweifelten Mannes bleiben, denn die Nahaufnahme war nur dazu da, um seine Figur zu demütigen. Dann folgte eine Sequenz im Auto, in der die beiden Hauptfiguren nicht miteinander sprachen. Das große Schweigen, ätzte der Mann neben mir etwas undeutlich in mein Ohr. Er kaute schon wieder an seinem Popcorn. Natürlich, nur Frauen würden immer Paare über ihre Gespräche definieren. Gefühlskitsch!

Schließlich kam die Disco-Szene. Da lachte er laut auf. Der ewige Mädchentraum der Discoqueen, quietschte er verächtlich. Dann folgten die Credits. Der Film war zu Ende. Zuerst wurden die Schauspieler genannt. Dann die Regie. Der Mann neben mir versank im Sitz. „Jörg“, sagte ich, „ist doch eher ein ungewöhnlicher Frauenname, oder?“ Da stand er wortlos auf und ging. Er ließ seine Popcorntüte zurück. Die roch zwar streng, war aber ein ungleich angenehmerer Sitznachbar für den Rest des Abends.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.