Ein Jubiläum ist ein bisschen wie ein runder Geburtstag in unserem Leben. Man weiß darüber Bescheid, man bemerkt die hektische Planung der Umgebung mit einer Mischung aus Freude und Panik, man bekommt die Bedeutung des Datums von außen übergestülpt. Aber man spürt sie nicht. Nichts ist anders als in den Jahren zuvor. Man hat ja nicht aufgeregt auf diesen einen Tag hingelebt, sondern sich dem Leben jeden Tag aufs Neue gestellt. Manchmal ahnungslos, vorsichtig, zögerlich, manchmal voller Tatendrang, Freude und Energie. Manche Tage sind schnell vergangen, geschäftig, erfolgreich. Andere sind unspektakulär dahingeplätschert und manche haben ewig gedauert, waren voller Hürden, die es zu überwinden galt, voller Herausforderungen, die kaum zu bewältigen waren.

An all das wird man an einem runden Geburtstag erinnert. Und während man daran denkt, ist man doch im Hier und Jetzt, beim Feiern, ohne die Jahre zu fühlen, die man angeblich schon hinter sich gebracht hat. Wenn eine Institution ein Jubiläum feiert, geht es ihr ähnlich. In den USA ist das Alter einer Universität oftmals Thema. Weil es Tradition, Erfahrung und Erkenntnis verspricht. In Wien, wo wir auf Schritt und Tritt von Geschichte umgeben sind, wo unsere Unis teils in altehrwürdigen Räumlichkeiten residieren, ist Tradition selbstverständlich. Erst recht im Kunstbetrieb. Wir blicken auf Jahrhunderte voller berühmter Komponisten, Musiker, Schauspieler zurück. Deren Werk an der mdw noch immer in diesen traditionsreichen Fächern gelehrt wird, während zur selben Zeit Künstler jüngerer Fächer im Nebenzimmer ausgebildet werden. Filmemacher und Kameraleute, Cutter und Tonkünstler.

Man sieht der mdw die 200 Jahre nicht an, die sie nun schon besteht. Man weiß zwar von den Kämpfen, die immer wieder rund um das Haus geführt wurden und noch immer geführt werden müssen, um die Kunstausbildung auf diesem Niveau zu erhalten. Man denkt an die Vergangenheit und gleichzeitig spürt man die Gegenwart in den jungen Studierenden und den Lehrenden, die jetzt die Universität mit ihren Geschichten und ihrem Blick auf die Welt füllen. Das ist wie ein runder Geburtstag in unserem Leben. Wir wissen zwar um die Vergangenheit, aber vor allem sind wir ganz im Jetzt und freuen uns auf das, was noch kommen wird.

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