Wissenschaftszentrum
Gustav Mahler und die Wiener Moderne

Aktuelles

Vortrag

Vienna Machler Lecture #15
Christian Utz: Mahler und das Unheimliche

10. Dezember 2026, 18:00 Uhr
Ort: Wissenschaftszentrum Gustav Mahler und die Wiener Moderne | 1030 Wien, Lothringerstraße 18

Gustav Mahlers symphonische Welt bewegt sich auf dem schmalen Grat zwischen tiefem metaphysischem Ernst und beißender Ironie. Woher speist sich der schauerliche, oft groteske Ton, der Mahlers Musik so unverwechselbar macht? Dieser Vortrag spürt, mit Bezug auf Sigmund Freuds einflussreichen Aufsatz (1919), dem Phänomen des Unheimlichen bei Mahler nach und folgt dabei einer faszinierenden ästhetischen Entwicklung in vier Schritten: 

  • Der singende Knochen: Der Ausgangspunkt liegt in Mahlers früher Märchenkantate Das klagende Lied (1878–1880). Hier verschmelzen animistische Motive, gespenstische Stimmen und psychoanalytische Doppelgänger-Effekte zu einer ersten höchst persönlichen klanglichen Inszenierung des Unheimlichen. 
  • Topoi des Opernrepertoires: Als Dirigent absorbierte Mahler das musiktheatrale Repertoire seiner Zeit. Der Vortrag benennt als Voraussetzung für Mahlers kompositorische Transformation des Unheimlichen dessen Inszenierung in Schlüsselwerken der Romantik – von Webers Freischütz über Marschner und Meyerbeer bis hin zu Rubinsteins Der Dämon. 
  • Die Stimme der Nacht: Mahler übersetzt dieses Vokabular in die Form der Symphonie. Am Beispiel des „O Mensch!“-Satzes der Dritten Symphonie (1895–96) und im Dialog mit den Erda-Szenen aus Wagners Ring wird gezeigt, mit welchen harmonischen, melodischen und orchestralen Mitteln Mahler einen klanglichen Grenzbereich zwischen Traum und Bewusstsein, Leben und Tod erschafft. 
  • Albtraum und Ironie: Den Abschluss bildet ein Blick auf die Wendungen des Unheimlichen in Ken Russells Film Mahler (1974). In der grotesken Krematoriumsszene radikalisiert Russell Mahlers Trauermärsche zu einem Albtraum des Lebendig-Begraben-Seins, in der sich historisches Trauma, erotische Symbolik und moderne Ironie kreuzen.
     

 

Masterclass zur Mahler-Interpretation mit Thomas Hampson

Auch im Studienjahr 2026/27 wird Kammersänger Thomas Hampson als Distinguished Visiting Artist in Residence an der mdw zu Gast sein. In Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftszentrum Gustav Mahler und die Wiener Moderne leitet er erneut einen Meisterkurs zur Mahler-Interpretation, der sich an Studierende der mdw richtet.
 

  • Termine werden in Kürze bekannt gegeben!

 


 

Publikation

Musiktheorie. Zeitschrift für Musikwissenschaft Jg. 40, Heft 4/25:
Lesen und Schreiben
hg. von Nikolaus Urbanek und Federico Celestini

Lilienthal: Laaber-Verlag 2025
ISSN 0177-4182