Veranstaltungen (2006)

Ausstellung
der Bibliothek, des Archivs und des Instituts für Analyse, Theorie und Geschichte der Musik der Universität für Musik und darstellende Kunst
sowie der Kommission für Musikforschung der Akademie der Wissenschaften:
„opera omnia – Musikalische Gesamtausgaben“
in der Aula der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
bis 22.12.2006

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Gesprächsreihe „Musik als Bildungsgut“
Oktober 2006 bis Juni 2007
Nähere Informationen

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Analyse und Interpretation der Musik der Renaissance – Probleme und Perspektiven
Musikwissenschaftliches Kolloquium

23.-24. Juni 2006
Veranstalter: Univ.-Prof. Dr. Michele Calella
Programm

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Wiener Theoriegespräche 5
Heidulf Gerngroß (Architekt) mit Kurt Hofstetter (Mathematiker, Künstler): „Der ARCHIQUANT“
14. Juni 2006

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In modo di scena cantante
Die Kultur der Gesangsszene in der Instrumentalmusik des 19. Jahrhunderts

Antrittsvorlesung von Univ.Prof. Dr. Michele Calella
16. Jänner 2006

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Gesprächsreihe „Musik als Bildungsgut“ (2006—2007)
Leitung: Martin Eybl
Konzept & Organisation: Constanze Wimmer & Martin Eybl
Veranstalter: Institut für Analyse, Theorie und Geschichte der Musik; Institut für Musikpädagogik; Institut für Musiksoziologie

Plakat (PDF-Datei)

Zeit und Ort:
Beginn: jeweils Montag, 18.00 Uhr
Musikuniversität Wien, 1030 Wien, Anton von Webern-Platz 1
Clara-Wieck-Schumann-Saal
 
„Die fünfzig besten Filme“, „Die besten Kinderbücher“, „Alles was man wissen muss“, „Die neue Hörbuch-Edition“, …: Verlagshäuser und Buchautoren greifen mit ihren Zusammenstellungen nicht nur einen aktuellen kommerziellen Trend auf, sie bedienen auch ein wachsendes Bedürfnis ihrer Kunden nach Überblick und approbiertem Kanon in einer unübersichtlich scheinenden Bildungs- und Kulturlandschaft.
Unsere Gesprächsreihe ist weit davon entfernt, die 50 besten Musikstücke oder die 30 wichtigsten Komponisten für eine umfassende musikalische Bildung zu benennen – vielmehr möchte sie nachfragen, welche historischen Entwicklungen Musik als Bildungsgut geprägt haben, ob ein Kanon in den Künsten von Vor- oder von Nachteil ist und ob musikalische Bildung generell ein Gut ist, dass man besitzen kann. Die Musikuniversität ist für diese Fragen ein zentraler Ort des reflexiven Diskurses: An sieben Abenden im Verlauf des Studienjahres werden Lehrende unserer Universität und ihre Gäste das Gespräch über historische, soziologische und musikpädagogische Grundlagen, Bedingungen und Bedingtheiten von musikalischen Bildungsprozessen in Österreich eröffnen und dabei hoffentlich viele interessierte MitdiskutantInnen aus dem Publikum finden.
Die Veranstaltungen richten sich an LehrerInnen an Schulen und Musikschulen, an KollegInnen der Kunstuniversitäten und an alle an Bildungsfragen interessierten Menschen.

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23. Oktober 2006
Musik im kulturellen Gedächtnis
Moderation: Barbara Boisits (Wien)
Impulsreferate: Antonio Baldassarre (Zürich), Peter Stachel (Wien)
Fragen des kulturellen Gedächtnisses stehen im Zentrum kulturwissenschaftlicher Forschungsfelder. Ausgangspunkt ist die Feststellung, dass das Gedächtnis des Individuums immer zwangsläufig sozial und kulturell überformt ist. Was und woran sich der einzelne erinnert, wird zu einem nicht geringen Teil von den Gruppen mitbestimmt, denen er angehört, vor allem auch vom Staat und seinen Erziehungsinstitutionen. Dies erlaubt es, von einem „kollektiven Gedächtnis“ zu sprechen, das generationsübergreifend sein kann, in dem rein individuelle Erinnerungen an Selbsterlebtes zweitrangig erscheinen und das in Akten des Erinnerns und Gedenkens immer wieder neu aktualisiert und auch emotional aufgeladen werden kann und muss. Die Lieder einer Glaubensgemeinschaft, die Sounds und Hits, mit denen eine Generation heranwuchs, die offiziellen und inoffiziellen Hymnen einer Nation haben sich in das Gedächtnis vieler Individuen eingeschrieben. Solche Prozesse geschehen unbewusst und unbeabsichtigt wie auch bewusst und beabsichtigt. Sind Bildungsinstitutionen also Agenten des kollektiven Gedächtnisses? Und welche Rolle spielt Musik für die Konstituierung kollektiver Identitäten? Gerade Österreich ist ja ein Beispiel dafür, wie Musik und Musikgeschichte sinn- und identitätsstiftend werden können („Musikland“ Österreich, „Musikstadt“ Wien).

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27. November 2006
Was ist der Rede wert? Nutzen und Nachteil eines Kanons in den Künsten
Moderation: Alfred Litschauer
Impulsreferate: Wendelin Schmidt-Dengler, Herwig Zens
Bildung ist die Summe der höheren Kenntnisse sowie der darauf bezogenen Fähigkeiten und Einstellungen eines Menschen, sofern diese langfristig von kulturellem Interesse sind. Bildung kann nur bestimmte Bildung sein; die zufällige wie willkürliche Summe aus unverbindlichen Einzelheiten ist keine Bildung. Für Musik und ihren Unterricht gilt, dass man Musik weder im Allgemeinen hervorbringen, noch im Allgemeinen verstehen kann. Man kann jeweils nur eine bestimmte Art von Musik hervorbringen oder verstehen. Repertoire ist eine für längere Zeit gültige Auswahl von Werken einer Kunstsparte, die nach bestimmten Vorgaben für einen bestimmten Zweck erstellt respektive erhoben wurden. Ein Repertoire, das einen ästhetisch-kulturellen Bereich repräsentiert, auf den sich Bildung bezieht, wird Kanon genannt. Jeder Unterricht ist auf eine Auswahl aus der Gesamtheit möglicher Anschauungsobjekte angewiesen. Weil die Zeit des Lernens und des Lebens kostbar ist, und weil die herausragenden kulturellen Errungenschaften an die nächste Generation weitergegeben werden sollen, soll der Unterricht an Inhalte heranführen, die auf lange Sicht der Rede wert sind. Daher sollen in den ästhetischen Fächern ausgewählte Teile des Kanons den Unterricht bestimmen, sofern die Auswahl dieser Teile auf fachwissenschaftlicher Diskussion und didaktischen Argumenten gründet.

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15. Jänner 2007
Der Stellenwert des Musischen in der österreichischen Pädagogik des 19. Jahrhunderts

Moderation: Irmgard Bontinck
Impulsreferate: Friedrich Stadler, Christine Gürtelschmied
In der Entwicklung der Erziehungspolitik prägten sich im 19. Jahrhundert zentrale Charakteristika einer spezifisch österreichischen pädagogischen Tradition aus. Die Stellung der Musik in Wissenschaft und Publizistik der josefinischen Aufklärung sowie der musikfreundliche Charakter der an Österreichs Universitäten und Gymnasien dominierenden Denkschule trugen maßgeblich dazu bei, dass Musik als Bildungsgut zunehmende Bedeutung erlangte.

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12. März 2007
Musik, Macht und Ungleichheit

Moderation: Alfred Smudits
Impulsreferate: Ursula Hemetek, Roman Horak
Welche historischen Entwicklungen, Positionen, Strategien und Gegenstrategien haben zu formellen und informellen Benachteiligungen an der Teilhabe am bildungsbürgerlichen Musikleben geführt.

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16. April 2007
Bildungshunger. Musik in der Arbeiterkultur

Moderation: Christian Glanz
Impulsreferate: Oliver Rathkolb, Georg Pehm
Im Zentrum des Gesprächs steht die historisch orientierte Diskussion der Schwerpunkte der Arbeiterbildung und die Frage, wie heute Konzepte und Inhalte einer (auch politisch ausgerichteten) musikalischen „Volksbildung“ aussehen könnten.

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21. Mai 2007
Musik – Bildung – Gut (Bildung besitzen?)

Moderation: Franz Niermann
Impulsreferate: Christine Stöger, Christian Scheib
Was bedeutet „Bildung“ in der Wortkombination „Bildungsgut“? Welche Resultate von Bildung sind „Gut“, welche sind möglicherweise nicht „Gut“? Worin besteht der Vorteil oder Nachteil, Musik als Bildungsgut zu erwerben, zu besitzen und zu nutzen? Was bedeutet es für den Begriff von Musik, wenn sie zum Schulfach wird?

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4. Juni 2007
Der gebildete Musiker

Moderation: Martin Eybl
Impulsreferate: Peter Röbke, Dieter Flury
Welche fachspezifischen theoretischen und welche allgemeinen Kompetenzen werden heute von Musikerinnen und Musikern erwartet? In welchem Ausmaß ist solche Bildung nötig und wo sollte sie erworben werden: in der Schule, im Studium, in der Freizeit?