Reihe 'Theorie der musikalischen Schrift'
Die von Federico Celestini, Simon Obert, Matteo Nanni und Nikolaus Urbanek herausgegebene Reihe erörtert grundlegende Dimensionen musikalischer Notationen und stellt hierbei die Aspekte der Ikonizität, Materialität, Performativität und Operativität in das Zentrum. Die Überlegungen kreisen um die Formulierung einer Theorie der musikalischen Schrift.
Band 6
Christoph Weyer:
Die adiastematisch neumierten Handschriften der Berlinka-Sammlung
Paderborn (Brill|Fink) 2025
ISBN 978-3-7705-6943-4
Das in dieser Studie untersuchte Konvolut adiastematisch neumierter Handschriften aus der Berlinka-Sammlung war bislang kaum erforscht. Der Autor rückt die Perspektive vom Zeichen zum Schreiber: Welche Bedeutung hat ein Neumenzeichen in unterschiedlichen oder gar innerhalb derselben Handschrift – bleibt sie konstant? Ausgangspunkt ist die These, dass Neumen nur im Kontext der konkreten Schreibsituation sinnvoll analysiert werden können. Aufbauend auf semiotischen und literaturwissenschaftlichen Konzepten entwickelt der Autor eine schreibszenenbasierte Methode zur Interpretation mittelalterlicher Notationen. Die Untersuchung deckt überraschende Zusammenhänge zwischen politischem Umfeld, liturgischem Gebrauch, Sprache und Schriftpraxis auf – und hinterfragt dabei zentrale Annahmen der bisherigen Neumenforschung. Das Werk leistet einen grundlegenden Beitrag zur methodischen Neuorientierung der musikalischen Handschriftenanalyse.
Band 5 (In Herstellung)
Elena Minetti:
Schrift als Werkzeug. Schriftbildliche Operativität in Kompositionsprozessen früher musique mixte (1949–1959)
Paderborn (Brill|Fink) voraussichtlich Dezember 2026
ISBN 978-3-7705-7095-9
Wie wird Schrift im Kompositionsprozess zu einem operativen Werkzeug musikalischer Arbeit? Das Buch geht dieser Frage anhand der frühen musique mixte nach – in einem musikhistorisch entscheidenden Moment zwischen 1949 und 1959, als sich die Aufzeichnung elektroakustischer Klänge als integraler Bestandteil des Komponierens etablierte. Ausgehend von der musikalischen Schrift- und Skizzenforschung werden Formen und Funktionen von Schrift anhand von vier Schlüsselwerken Daphne Orams, Bruno Madernas, Mauricio Kagels und Luciano Berios untersucht. Die Studie arbeitet kommunikative, explorative, experimentierende und synchronisierende Potenziale der Schrift im musikalischen Schaffensprozess heraus und zeigt, dass Schrift als Werkzeug zur Realisierung musikalischer Phänomene fungiert. Damit wirft das Buch neues Licht auf einen Gegenstand, der bislang nur vereinzelt erforscht wurde und leistet zugleich einen Beitrag zu einer Theorie der musikalischen Schrift.
Band 4
Federico Celestini und Sarah Lutz (Hg.):
Musikalische Schreibszenen
Paderborn (Brill|Fink) 2023
ISBN 978-3-7705-6714-0
Die musikalische Schrift dient nicht bloß zur Repräsentation von bereits bestehenden oder imaginierten Klängen, sondern eröffnet eine Szene des musikalischen Denkens, die durch die vier Dimensionen Operativität, Materialität, Ikonizität und Performativität abgesteckt ist. Damit wird die Szene des musikalischen Denkens wie eine musikalische Schreibszene entworfen. Der theoretische Anspruch des Bandes macht es erforderlich, eine Pluralität von Schreibszenen zu betrachten. Es finden sich neben allgemeinen schrifttheoretischen Ansätzen vor allem Texte, die sich mit Schreibszenen aus verschiedenen Epochen und Kulturkreisen befassen. Die in diesem Band versammelten Beiträge gruppieren sich um sieben Kategorien: Schrift, Performanz, Geste; Materialität, Autograph und Textdynamik; Schrifttheorie und Operativität; Schrift, Mündlichkeit und Erinnerung; Musiknotationen und andere Schriftsysteme; Schrift und Digitalität; Notation und Bildlichkeit.
Paderborn (Brill|Fink) 2022
ISBN 978-3-7705-6680-8
Was zeichnet musikalische Schrift aus? In den Notizen und Entwürfen zu seinem unabgeschlossenen Projekt einer Theorie der musikalischen Reproduktion blickt Theodor W. Adorno hinter das vermeintlich gegenständliche Erscheinungsbild einer Partitur und spannt die musikalische Schrift in ein Netz von Wechselwirkungen ein: zwischen Bild und Zeichen, Mimesis und Naturbeherrschung, Notation und Interpretation.
Darin wird eine Dialektik der musikalischen Schrift greifbar, die wichtige theoretische Einsichten für die Beschäftigung mit musikalischen Schriftphänomenen liefert. Aus unterschiedlichen Perspektiven befragen die Beiträge dieses Bandes Adornos Thesen und Gedankengänge zu musikalischer Schrift und Interpretation auf ihre theoriebildenden Potenziale, die im Lichte aktueller Forschungsdiskurse entfaltet werden.
Paderborn (Wilhelm Fink) 2020
ISBN 978-3-7705-6504-7
Dieser Band untersucht die Entwicklung der musikalischen Notenschrift als Teil der Kulturgeschichte des Visuellen. Notationspraktiken des Mittelalters werden im Dialog mit schrift- und bildtheoretischen Ansätzen diskutiert. Frühe Formen von Notation sind Träger einer Spannung zwischen Schriftbild und Klang, zwischen Erinnerung und Vergegenwärtigung, zwischen Bildhaftem und Bilderlosem und werden in den veröffentlichten Beiträgen auf diesen gemeinsamen Fokus hin reflektiert. Die Prozesse der Verschriftlichung, die sich im Kontext der musikalischen Theorie und Praxis seit dem 9. Jahrhundert entfaltet haben, sind nicht nur musikhistorisch zentral, sie sind ebenso im Hinblick auf eine kulturgeschichtliche Diskussion über Schrift und Schriftlichkeit relevant. Im Anschluss an die Schriftbildlichkeitsdebatte leistet die hier gestellte Frage nach der visuellen Logik musikalischer Notenschriften einen bisher vernachlässigten, jedoch wichtigen Beitrag.
Paderborn (Wilhelm Fink) 2020
ISBN 978-3-7705-6353-1
Musiknotationen wurden lange nur als »aufgeschriebener Klang«, in der Rolle eines Speicher- und Kommunikationsmediums, verstanden. Ausgehend von neuerer Schriftforschung wird in diesem Band ein Perspektivenwechsel auf musikalische Schrift vorgenommen. Die Beiträge eröffnen kulturwissenschaftliche, philosophische, musikhistorische, bildtheoretische und musikästhetische Perspektiven auf musikalische Notation. Daran anknüpfend werden exemplarisch musikalische Notationssysteme aus Geschichte und Gegenwart auf ihre schriftspezifische ›Eigensinnlichkeit‹ befragt.