Symposium
Cerha 2026. Wege seiner Zeit
18.–20. März 2026
Fanny Hensel-Saal, mdw-Campus (Anton-von-Webern-Platz 1, 1030 Wien)
Abstracts und Kurzbiographien
Erwin Barta
Erwin Barta studierte Musikwissenschaft, Geschichte, Philosophie und Kunstgeschichte an der Universität Wien. Daneben erhielt er eine Ausbildung zum Antiquar. 1994 war Erwin Barta als Lektor für Musik und Zeitgeschichte in einem österreichischen Verlag tätig. Für verschiedene österreichische Printmedien wie die „Wiener Zeitung“, die Tageszeitung „Der Standard“, die Wochenzeitung „Falter“ und die „Österreichische Musikzeitschrift“ verfasste er journalistische Beiträge. Seit 1995 arbeitet er als Archivar der Internationalen Musikforschungsgesellschaft im Wiener Konzerthaus, seit 1998 als Archivdirektor. Im Zuge dieser Tätigkeit führte Erwin Barta eine Reihe von kulturwissenschaftlichen Forschungsprojekten zu Aspekten des Wiener Musiklebens durch. Er verfasste zahlreiche Publikationen zu musik- und kulturgeschichtlichen Themen. Daneben nimmt er musikgeschichtliche und archivwissenschaftliche Lehraufträge an verschiedenen österreichischen Universitäten wahr.
Lukas Haselböck
Zur Klangkomposition in Cerhas Spätwerk: Nacht für Orchester (2012/13) (Abstract)
Friedrich Cerhas Spätwerk ist nicht nur vielfältig und facettenreich, sondern es gibt auch zahlreiche Bezüge auf frühere Aspekte seines Schaffens. Ein Beispiel ist das Orchesterwerk Nacht, in dem Cerha auf frühe Erfahrungen mit der Klangkomposition zurückgreift. Im Gegensatz zu den „im Material puristischen“ Spiegeln (1960/61) ist in Nacht allerdings eine deutlich entspanntere Haltung in Bezug auf Bedeutungskontexte festzustellen. Die Form des Werks gliedert sich in ‚Sternschnuppen‘- und ‚Nacht‘-Teile, die klanglich schrittweise verändert werden. Dabei führt die Verlängerung und kontinuierliche Individualisierung und Intensivierung der ‚Nacht‘-Teile zu einer veränderten Zeitwahrnehmung, die Anlass zur Diskussion gibt.
Lukas Haselböck studierte Musikwissenschaft (Dr. phil.), Komposition (Mag. art.) und Gesangspädagogik in Wien. Seit 2000 ist er am Institut für Musikwissenschaft und Interpretationsforschung an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien tätig. 2023 folgte die Habilitation an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden. Er hielt zahlreiche Vorträge, organisierte Symposien und publizierte Schriften v.a. über die Musik des 20. Jahrhunderts (z. B. über Gérard Grisey sowie – als Herausgeber – über Friedrich Cerha und zum Thema Klangfarbe). Seit 2023 gestaltet er Musiksendungen im Sender Ö1. Als Komponist schrieb er Kammermusik, Lieder, Solokonzerte sowie Opern. Als Sänger wirkt er regelmäßig im Vokalensemble Company of Music Wien mit. Siehe auch www.lukashaselboeck.com.
Marco Hoffmann
Evolutionsstufen. Zu einem werkübergreifenden Idiom bei Friedrich Cerha (Abstract)
Das Werk Friedrich Cerhas ist in sich stark verflochten – so ergeben sich musikalische Verbindungen zwischen verschiedenen Stücken teils über weitläufige Zeitstrecken. Zu den Gestaltungsideen, die Cerha immer wieder beschäftigten, gehören aneinandergereihte Tonkomplexe, die der Komponist selbst oft als Wellen bezeichnet. Assoziiert sind diese vorwiegend mit seinem Orchesterzyklus Spiegel. Werden sie dort – gemäß der dramaturgischen Anlage als Welttheater – mit der Idee eines archaischen Uranfangs assoziiert, so treten sie auch in anderen Stücken prominent in Erscheinung. Gemein ist ihnen ein Habitus des Evolutiven, der über ständige Rückbezüge und Aktualisierungen unmerklich wie unerbittlich Veränderung erzwingt. Damit werden sie nicht zuletzt zum Reflexionsgegenstand der Genese von Musik als solcher. Der Beitrag vergleicht die Ausprägungen dieses sehr individuellen, Cerha’schen Idioms miteinander und leuchtet dafür einen Zeitraum von mehreren Schaffensdekaden aus. Exemplarisch soll sich dadurch auch der Frage genähert werden, was Wiederkehr für Cerhas eigene „Evolution“ als Komponist bedeutet.
Marco Hoffmann (*1989) studierte Schulmusik und Germanistik an der Universität Siegen sowie Komposition, Saxofon und Musikwissenschaft an der University of Illinois at Urbana-Champaign (USA). 2015 bis 2019 wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Lehrstühlen Historische Musikwissenschaft und Musiktheorie der Universität Siegen. Dort u. a. Betreuung mehrerer interdisziplinärer, künstlerischer Projekte im öffentlichen Raum. 2020 Promotion über Friedrich Cerhas Orchesterwerke der 1960er Jahre und ihre kompositorische Rezeption der Kybernetik. 2019–2021 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Archiv der Zeitgenossen (Universität für Weiterbildung Krems), dort Realisierung des vom Land Niederösterreich unterstützten Forschungsprojekts „Cerha Online“ mit dem Ziel, eine digitale Plattform zu Leben und Werk des Komponisten aufzubauen. Seit 2021 Lehrbeauftragter an der Universität Siegen für das Fach Schulpraktisches Klavierspiel, außerdem Gymnasiallehrer für Musik und Pianist in verschiedenen Formationen.
Reinhard Kapp
Reinhard Kapp, geboren 1947 in Hof/Saale, studierte Musikwissenschaft, Philosophie und Religionswissenschaft in Heidelberg und Berlin. Assistent an der FU, Lehraufträge. Promotion mit einer Arbeit über das Spätwerk Robert Schumanns. 1974–78 Teilnahme an den Interpretationskursen von Rudolf Kolisch in Mödling bei Wien. 1983/84 Gastprofessur an der Gesamthochschule Kassel, 1983ff. Redakteur an der Richard-Wagner-Forschungsstelle München. Seit 1992 ordentlicher Professor für Musikgeschichte an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (Emeritierung 2015). Veröffentlichungen vor allem zur Musik des 19. und 20. Jahrhunderts und zur Geschichte der musikalischen Aufführung, Herausgeber (gemeinsam mit Markus Grassl) der Reihe Wiener Veröffentlichungen zur Musikgeschichte.
Martina Kalser-Gruber
Friedrich Cerha als Multiplikator Neuer Musik: Netzwerke, Aufführungspraxis und die Universal Edition (Abstract)
Der Vortrag widmet sich Friedrich Cerhas Rolle als Komponist, Dirigent und Multiplikator im Umfeld der Universal Edition und untersucht seine Bedeutung für die Verbreitung und Aufführung Neuer Musik in Österreich nach 1945. Im Zentrum steht nicht allein Cerhas kompositorisches Werk, sondern seine aktive Mitgestaltung des Musiklebens – als Initiator von Uraufführungen, als Interpret der Werke anderer Komponist:innen und als Vermittler zwischen Verlag, Klangkörpern und Öffentlichkeit.
Auf Grundlage von Aufführungsdokumentationen, Korrespondenzen und internen Dokumentationen des Musikverlags werden exemplarisch jene künstlerischen und organisatorischen Strategien analysiert, mit denen Cerha zur Sichtbarkeit des UE-Katalogs beitrug. Dabei werden seine Tätigkeiten als Dirigent und Interpret verschiedener Klangkörper betrachtet – exemplarisch sei hierdie Reihe genannt – sowie seine enge Zusammenarbeit mit Gertraud Cerha, die als Pianistin und Organisatorin wesentlich zur Verbreitung zeitgenössischer Musik beitrug.
Der Beitrag versteht Cerha als zentrale Figur eines kulturellen Netzwerks, in dem Komposition, Aufführung und Vermittlung untrennbar ineinandergreifen. Damit rückt er nicht nur als Künstlerpersönlichkeit, sondern auch als Gestalter institutioneller Strukturen ins Blickfeld – ein Aspekt, der seine Bedeutung für das österreichische und europäische Musikleben weit über das eigene Œuvre hinaus sichtbar macht.
Martina Kalser-Gruber ist promovierte Musikwissenschafterin und Promotion Managerin bei Universal Edition, wo sie Intendant:innen und Dirigent:innen in der Programmgestaltung berät und dem künstlerischen Ausschuss des Verlags angehört. Ein Schwerpunkt ihrer Tätigkeit liegt auf der Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Musik und Musiktheater sowie deren musikhistorischen Kontexten. Von 2003 bis 2010 studierte sie Musikwissenschaft und Theaterwissenschaft an der Universität Wien und wurde dort 2010 promoviert. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen zeitgenössische Musik, Musiktheater sowie Kommunikation, Leadership und Reputationsmanagement in den Creative Industries. Zuvor war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Department für Kunst- und Kulturwissenschaften der Donau-Universität Krems und betreute am Archiv der Zeitgenossen Musikbestände, darunter jene von Friedrich Cerha und HK Gruber. Sie lehrt regelmäßig an der Donau-Universität Krems und war zudem mit einem Lehrauftrag am Institut für Musikwissenschaft der Universität Wien tätig. Darüber hinaus gibt sie Workshops für Komponist:innen und vermittelt dort Wissen zu Repertoire, künstlerischen Kontexten und Fragen der Positionierung in den Creative Industries. Frühere berufliche Stationen führten sie u. a. zum ORF Niederösterreich, zum Grafenegg Festival sowie zum Tonkünstler-Orchester Niederösterreich.
Andreas Karl
Klangorganisation in Cerhas Musik für Chor und Vokalensemble (Abstract)
Friedrich Cerhas Vokalmusik zeichnet sich durch eine auffallend ausgeprägte Nähe zur prosodischen Binnenstruktur der jeweils vertonten Sprache aus. Musikalische Motive werden häufig unmittelbar aus dieser Struktur abgeleitet. Dieses von Cerha selbst programmatisch reflektierte Wort-Ton-Verhältnis ist in der Forschung u. a. von Gertraud Cerha, Hartmut Krones und Christian Ofenbauer eingehend untersucht worden. Der Vortrag knüpft an diese Arbeiten an und versucht, die komplexe Interdependenz zu bestimmen, die das mikro- und mesostrukturell fundierte Wort-Ton-Verhältnis mit der makrostrukturellen Klangorganisation der Werke eingeht – insbesondere auch dort, wo formbildende Prozesse nicht unmittelbar aus Sprachsyntax und Textgliederung hervorgehen. Methodisch stützt sich die Untersuchung auf Christian Utz’ Theorie der musikalischen Morphosyntax, mit der die Verschränkung prosodischer Mikrostruktur und übergreifender Klangorganisation als modular und prozesshaft gefasst werden kann. Im Fokus stehen Cerhas A-cappella-Werke für Chor und Vokalensemble, darunter auch bislang in der Forschung wenig beachtete Kompositionen.
Andreas Karl lebt als Musikwissenschaftler, Dramaturg und Librettist in Wien und ist Lehrbeauftragter für zeitgenössische Musik an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz. Von 2018 bis 2022 unterrichtete er am Zentralkonservatorium in Peking; anschließend war er Fellow am ifk Wien mit einem Forschungsprojekt zur neuesten Kunstmusik aus China. Als freier Musikpublizist verfasst er Programmhefttexte und hält Einführungsvorträge für zahlreiche Konzertveranstalter. Als Librettist arbeitet er mit den Komponistinnen Ying Wang, Rachel C. Walker und Song Yang. Er war u. a. Assistent des Komponisten Beat Furrer sowie Kurator des CD-Labels KAIROS. Gemeinsam mit Cordula Bürgi leitet er das von beiden gegründete Vokalensemble CANTANDO ADMONT.
Susanne Schedtler
I gee reglmesig ins konzeat. Cerha im Wiener »Milieu« (Abstract)
Seine ersten Engagements als Unterhaltungsmusiker hatte Friedrich Cerha bereits im Alter von 11 Jahren. Er spielte zweite Geige meist in Lanner-Besetzung (Zwei Geigen, Bratsche und Kontrabass) in Wiener Vorstadtlokalen wie etwa im Gschwandtner (heute: Reaktor) oder im Etablissement Klein (heute: Metropol) und lernte dabei ein großes Repertoire an populären Walzern, Märschen, Polkas, Wienerliedern und Operettennummern kennen. Cerhas „Gschwandtner Tänze“ nach dem Vorbild Josef Lanners für Streicherbesetzung entstanden im Jänner 1938 für die Gschwandtner Ballsaison; da war er noch nicht einmal 12 Jahre alt. Zur Aufführung kam es allerdings nicht, nach Cerhas Erinnerung fiel die Ballsaison im Etablissement aus. Die nächsten vier Jahre beschäftigte sich der junge Cerha mit Musiktheorie und Komposition an der Ottakringer Zweigestelle des Wiener Konversatoriums, ging in die Oper, hörte u.a. Richard Strauss, Carl Orff und Richard Wagner. Die Erinnerung an seine frühe musikalische Sozialisation kehrte erst wieder Anfang der 1980er Jahre zurück, als er die Dialektgedicht-Bände „Wiener Panoptikum“ (1970) und „Die Grottenbahn“ von Ernst Kein in die Hände bekam. Die Vertonungen von Gedichten aus diesen beiden Bänden nannte Cerha „Keintate“, ein Wortspiel, zusammengesetzt aus Kantate und dem Namen des Textautoren Kein. Die Uraufführung der „I. Keintate“ fand am 20. Juni 1983 im Wiener Metropol – einer der Lokale seines frühen Wirkens – mit Ernst Kovacic und Karl Heinz (Nali) Gruber als Chansonier statt. Für das Publikum war das „konkret Fassliche“ fast ein Schock, für Georg Friedrich Haas ein unvergessliches Erlebnis. Friedrich Cerha fand die Beschäftigung mit der Wiener Volksmusik „vergnüglich“ – im Gegensatz zum Komponieren seriöser Musik? –: Mein Vortrag geht ein wenig auf diesen Teil von Cerhas Schaffen ein.
Susanne Schedtler, geb. 1962 in Celle, Geschäfts- und Archivleitung im Wiener Volksliedwerk 2002-2022, ab 2022 im Vorstand. Studium der Musikwissenschaft mit Schwerpunkt Musikethnologie, Geschichte und Romanistik in Göttingen und Hamburg; Deutschlektorin an der Universitá di Venezia (1990–1992), Promotion 1998, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Deutschen Volksliedarchiv 2001/2002. Publikationen u. a.: Das Eigene in der Fremde. Einwanderer-Musikkulturen in Hamburg, 1999; Wienerlied und Weanatanz (Hg.), Wien 2004, Beiträge zu Ödön von Horváth und seinen Komponisten 2016 und 2023, Kurt Schwertsik 2022, Singen in Wien (Handbuch des Gesangs) 2021.
Nikolaus Urbanek
Von den Darmstädter Ferienkursen zu den Wiener Festwochen und den Salzburger Festspielen (Abstract)
Der Vortrag beleuchtet einige Facetten des künstlerischen Weges von Friedrich Cerha zwischen den prägenden Jahren seiner Teilnahme an den Internationalen Ferienkursen für Neue Musik in Darmstadt in den späten Fünfzigerjahren und den international beachteten Erfolgen bei den Wiener Festwochen (1981) und Salzburger Festspielen (1981). Besonderes Augenmerk liegt hierbei auf den Werken Spiegel, Netzwerk und Baal.
Nikolaus Urbanek ist seit 2015 Professor für Musikwissenschaft an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Nach Studien der Musikwissenschaft und Philosophie an der Universität Wien promovierte er ebenda im Jahre 2008 mit einer musikphilosophischen Arbeit über Adornos Beethoven-Fragmente. Von 2003 bis 2009 war er Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Kritischen Gesamtausgabe der Schriften Arnold Schönbergs (Wien), von 2009 bis 1010 Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Anton Webern-Gesamtausgabe (Basel) und von 2010 bis 2015 Universitätsassistent am Institut für Musikwissenschaft der Universität Wien. Derzeitige Forschungsbereiche umfassen: Philosophie der Musik, Musikhistoriographie, Theorie der musikalischen Schrift.
Monika Voithofer
„Etwas vom alten Geist in neuen Schläuchen“ – Friedrich Cerhas Wirken in der IGNM (Abstract)
1968 übernimmt Friedrich Cerha die Funktion des Präsidenten der österreichischen Sektion der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik von Josef Polnauer und übt dieses Amt bis 1975 aus. Seine Präsidentschaft fällt nicht nur in eine Zeit des gesellschaftlichen Um- und Aufbruchs, sondern es lässt sich damit auch innerhalb der IGNM ein Wendepunkt markieren. Cerha sah die IGNM als „Ort gemeinsamer Beratung, zu einer Gelegenheit zu sachlicher Information, zum Dialog und zur Koordination“. Primäre Funktion der IGNM solle im Bündeln von Synergien und dem Schmieden von Allianzen liegen. Im Vortrag wird den von Cerha initiierten Kooperationen und neuen programmatischen Ausrichtungen der IGNM nachgegangen. So wurden etwa – um nur ein Beispiel vorwegzunehmen – die Aktivitäten des von Cerha gemeinsam mit Kurt Schwertsik im Jahr 1958 gegründeten Ensembles „die reihe“ zunehmend in die Vereinstätigkeiten der Gesellschaft integriert und damit einhergehend eine ästhetische Öffnung in der Programmatik auch in Richtung von experimentellen Ansätzen vollzogen.
Monika Voithofer lehrt und forscht am Institut für Musikwissenschaft der Universität Wien. Studium der Musikwissenschaft und Philosophie in Graz und Wien. Promotion 2021 an der Universität Graz mit einer Arbeit zur Geschichte und Ästhetik von konzeptueller Musik aus transatlantischer Perspektive (Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2024). Längere Forschungsaufenthalte führten sie an diverse Institutionen in London, New York und Chicago. Schwerpunkte ihrer wissenschaftlichen Arbeit liegen vor allem im Bereich der Musikgeschichte und Ästhetik des 19. bis 21. Jahrhunderts. Sie ist Herausgeberin der Neuen Zeitschrift für Musik (gemeinsam mit Stefan Fricke), zudem Vorstandsmitglied u. a. in der Österreichischen Gesellschaft für Musikwissenschaft, dem Institut für Österreichische Musikdokumentation sowie der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik.
Gundula Wilscher
„Heiter, strebsam, noch schwatzhaft und wenig Ernst. Großes Musikinteresse“. Zur musikalischen Sozialisation von Friedrich Cerha (Abstract)
Friedrich Cerha hat in schriftlichen und mündlichen Selbstzeugnissen wiederholt auf prägende musikalische Einflüsse seiner Kindheit und Jugend hingewiesen. Er nennt unter anderem regionale Musiktraditionen – etwa die slowakische Volksmusik oder die spezifische Musikpraxis des Wiener Vorstadtmilieus – aber auch nachhaltig eindrucksvolle Konzert- und Opernerlebnisse. Darüber hinaus erwähnt er konkrete musikalische Werke, die er als Geiger selbst ausführte. Über mögliche direkte Rückwirkungen dieser Erfahrungen auf sein eigenes Komponieren gibt er insbesondere in seinen Werkkommentaren Auskunft. Orientiert am Modell musikalischer Sozialisation nach Winfried Pape wird im Vortrag versucht, die bislang verstreuten Hinweise Cerhas systematisch zusammenzuführen, zu kontextualisieren und kritisch mit einschlägigem Archivmaterial aus dem Vor- und Nachlass des Komponisten abzugleichen.
Gundula Wilscher studierte Musikwissenschaft, Germanistik und Musiktherapie an der Universität Wien und an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Seit 2013 ist sie am Archiv der Zeitgenossen an der Universität für Weiterbildung Krems unter anderem für den Vor- und Nachlass von Friedrich Cerha sowie für die digitale Plattform „Cerha Online“ verantwortlich. Ihr besonderes Forschungsinteresse gilt den individuellen wie strukturellen Bedingungen, unter denen Archivmaterialien gesammelt, erschlossen und präsentiert werden. Siehe zuletzt: Prandstätter, H./Rettenwander, S./Wilscher, G. u. a.: „‚Es ist Zeit, dass Bewegung in die Sache kommt.‘ Quantitative Erhebungen zum Genderverhältnis in der österreichischen (Kultur-)Archivlandschaft”, in: Inguglia-Höfle, A./Lorber, V./Schneider, U. (Hrsg.), Kulturarchive und Gender (= Mitteilungen aus dem Brenner-Archiv 2024), 2025.