Archivalie des Monats | Jänner 2026
notationen und gedanken in der musik des 20. jahrhunderts (ein Kalender aus dem Jahre 1990)
von Juri Giannini
Cover; Foto: Doris Mayer
Dieser Kalender (in dem systematisch alles in Kleinbuchstaben geschrieben ist!) war Teil einer Kooperation der Niederösterreichischen Landesmuseum und der nicht mehr existierenden niederösterreichischen Papiermanufaktur Zöchling. Seit 1988 hatten diese zwei Institutionen Kalender herausgegeben, die dem zeitgenössischen Kunstschaffen gewidmet waren, und für 1990 dienten Beispiele aus Kompositionen des 20. Jahrhunderts der Illustration der Monate des Jahres. Die Idee, Konzeption, und graphische Realisierung der Ausgabe 1990 lag in den Händen des Fotografen und Gestalters Nikolai Dobrowolskij, der übrigens auch an der mdw als Pianist ausgebildet wurde.
Die Kalenderblätter drehen sich immer um eine Komposition und eine oder mehrere Papierarten, die oben mittig benannt werden. Kurze, stichwortartige Informationen über Leben und Werk der Komponisten (es sind nur Notate männlicher Komponisten abgebildet) sind ebenfalls auf der Seite zu finden, und natürlich auch die Tage des Monats, auch wenn diese grafisch gesehen nicht wirklich eine primäre Rolle spielen.
Das Konzept ist klar: verschiedene Papierarten als begleitende Schriftträger verschiedener Kompositionen. Die Wirkung ist dabei nicht nur eine rein visuelle, denn die Papiere fühlen sich auch zwischen den Fingern andern an.
Weitere Gedanken zu dieser Quelle erscheinen in: Juri Giannini, "Notat(e) – Papier(e) – Lese(n): Notizen, Assoziationen und Gedanken beim Blättern in einem Kalender", in: Federico Celestini und Nikolaus Urbanek (Hg.): Lesen und Schreiben (Special Issue), Musiktheorie 2/2025 (40. Jg.), S. 361–371.