„Mademoiselle Mozart“ – Manga-Kultur – Biographie – Gender


Laufzeit: 2017-2021 (ab 01/2019 in IMI)
Projektleitung: Melanie Unseld
Projektmitarbeiterin: Akiko Yamada
Finanzierung: Plattform Gender_mdw, Mariann Steegmann Foundation, IMI

 

© Yoji Fukuyama. Titelbilder von Mademoiselle Mozart, Band 1 und 3. Tokyo: Yudachi-sha,1995. Kurzbeschreibung
Ausgangspunkt dieses Forschungsprojekts ist das japanische Manga „Mademoiselle Mozart“, welches Ende der 1980er Jahre von Yōji Fukuyama verfasst wurde. Grundlage dieses Mangas ist die Biografie von Wolfgang Amadeus Mozart, aber dieses Manga ist insofern besonders, als Mozart nicht als Mann, sondern als Frau, und zwar anhand des Konzeptes „Dansō no reijin“ (übersetzt: männlich verkleidete Schönheit) erzählt wird.

Nach der ersten Forschungsphase (2017) am IKM – Institut für Kulturmanagement und Gender Studies, in der zentralen Fragen nach Androgynität, cross dressing, bzw. von Spezifika japanischer Geschlechterrepräsentationen bearbeitet wurden (https://www.mdw.ac.at/ikm/mademoiselle-mozart), stehen in der zweiten Phase des Forschungsprojekts Zusammenhänge von transkultureller Musikgeschichtsschreibung und Biographik im Zentrum.

Ziel ist es, die Aushandlung von Geschlecht, Genie und Komponistenbiographie von dem jeweiligen historischen und medialen Hintergrund zu beleuchten. In gleicher Weise wie „Mozart und Salieri“, die von der Idee Alexander Puschkins entstandene Oper (Libretto und Musik: Nikolai A. Rimski-Korsakow), oder „Amadeus“, die Verfilmung des Theaterstücks von Peter Shaffer (1983/84, Regie: Miloš Forman), handelt es sich bei „Mademoiselle Mozart“ um fiktionale Metabiografien über das ‚Genie‘ Mozart. In der Geschichte der Komponistenbiographie wurden diese Art der biographischen Erzählungen wegen ihres dramatischen Erzählcharakters häufig kritisiert. Dennoch waren (und sind) sie überaus populär und das heute weitverbreitete Bild des Komponisten Mozart wurden zweifelllos stark davon beeinflusst. Damit zusammenhängend ist dem Manga eine klare Gender-Komponente eigen: Das Widerstandspotenzial gegen die Ordnung der heteronormen/patriarchalen Gesellschaft wurde laut Mae (2016, S.21) im Bereich des Manga verstärkt, d.h. im Manga steckt im hier vorliegenden Fall das Potenzial, starre Genderperspektive, die in der Musikgeschichtsschreibung bzw. Biographie immer präsent war, aufzubrechen. Um diese Erkenntnisse der ersten Forschungsphase mit der genderorientierten Biographie-Forschung zu verknüpfen, wird sich weiterhin mit dem Konzept Dansō no reijin auseinandergesetzt und analysiert, wie dieses Manga die Vorstellung früherer Zeiten aufbricht.

 

Vortrag zum Thema© Yoji Fukuyama. Titelbilder von Mademoiselle Mozart, Band 1 und 3. Tokyo: Yudachi-sha,1995.
Vortrag von Akiko Yamada auf dem Forum für literaturwissenschaftliche Japanforschung, Institut für Ostasienwissenschaften / Japanologie an der Universität Wien, Juni 2018
Programm:
https://japan.univie.ac.at/fileadmin/user_upload/p_japanologie/Events/FLJ_Programm_A4.pdf

Publikation zum Thema
„Mozart in Japan – Die Botschaft des Mangas“ In: Tagungsband des Symposiums „Mozart heute, zum aktuellen Stand der Mozart-Rezeption“, hg. von Mozarthaus Vienna, Wien: Goldegg, 2019, im Druck.

 


 

Bilder: © Yoji Fukuyama. Titelbilder von Mademoiselle Mozart, Band 1 und 3. Tokyo: Yudachi-sha, 1995.