Durch Zufall entdeckte die außergewöhnliche Violinistin Giulia Brinckmeier ihr Talent für den Beruf der Konzertmeisterin. Heute beeinflusst sie durch ihr Engagement und ihre Energie den Klang des Bilbao Orkestra Sinfonikoa maßgeblich.

Giulia Brinckmeier
©Raimund Appel

„Es ist die einfachste Geschichte der Welt“, so beschreibt Giulia Brinckmeier ihre Anfänge in der Musik. Die Mutter ist Pianistin, der Vater Geiger, sie selbst musste nur auswählen – eine Entscheidung war schnell getroffen: „Ich war kaum drei, als mir mein Vater das erste Geigen-Spielzeug in die Hand gegeben hat. Geige zu spielen war für mich selbstverständlich.“ Ebenso wie die Musik an sich, die seit ihrer Kindheit einen Großteil ihres Lebens ausmacht. An eine Stelle als Orchestermusikerin dachte sie jedoch lange nicht. „Mit neunzehn Jahren habe ich in Italien mein erstes Diplomstudium abgeschlossen. Zu diesem Zeitpunkt kannte ich das Orchesterspiel gar nicht und es war für mich auch nicht interessant.“ Das sollte sich jedoch ändern, als sie ihr Weg dank ihres Lehrenden und Mentors Anton Sorokow nach Wien führte. 2009 begann sie ihr Studium am Konservatorium Wien Privatuniversität (heute MUK), zwei Jahre später wechselte sie an die mdw. „In Wien habe ich entdeckt, was es wirklich bedeutet, in einem Orchester zu spielen.“ Bereits zu Beginn des Studiums wird den Studierenden die Wichtigkeit einer fundierten Ausbildung im Bereich Kammermusik und Orchester vermittelt. Diese Professionalität in der Lehre ist, laut Giulia Brinckmeier, einer der größten Unterschiede zu einem Studium an einer italienischen Hochschule und führt in weiterer Folge auch zu einem klaren qualitativen Unterschied der Orchester. „Das Lehrangebot der mdw, wie beispielsweise der künstlerische Einzelunterricht bei dem Konzertmeister der Wiener Symphoniker oder aber auch Orchesterliteratur bei dem Ersten Geiger der Wiener Philharmoniker, bringt natürlich zahlreiche Vorteile mit sich. In Italien und auch in Spanien, wo ich jetzt lebe, ist es den Orchestermitgliedern nicht erlaubt, eine Lehrprofessur zu übernehmen. Hier könnte Österreich ein Vorbild für andere Länder sein.“

Durch Zufall hat die gebürtige Schweizerin ihr Talent zur Konzertmeisterin entdeckt. „Damals war es nicht mein Ziel, in einem berühmten Orchester zu spielen, im Mittelpunkt stand für mich stets meine eigene künstlerische Entwicklung.“ Besonders motiviert wurde sie dabei durch das hohe Vorbereitungsniveau der Professor_innen an der mdw und das hohe Niveau der Studierenden. Vorbilder sucht sie sich nicht bei unerreichbaren Stars, vielmehr orientiert sie sich an ihren Studienkolleg_innen und Lehrenden, deren Qualitäten sie bewundert. Auch die Wiener Konzertmeister_innen haben sie in ihrer künstlerischen Entwicklung beeinflusst und geben ihr selbst heute noch den Ansporn, eine bessere Konzertmeisterin zu werden.

Der Erfolg gibt ihr recht. Bis heute steht die Fokussierung auf ihr Instrument, die Vertiefung ihres Könnens sowie die Möglichkeit sich laufend weiterzuentwickeln im Mittelpunkt. Genau das beweist ihre Tätigkeit im Bilbao Orkestra Sinfonikoa: „Als Konzertmeisterin kann und muss ich im Repertoire tiefer gehen als ein_e Tuttist_in. Aber ich mag die Verantwortung, und dass mein Tun und meine Energie das Orchesterspiel beeinflussen. Die Herausforderungen sind fast unendlich, aber das gefällt mir und es wird mir helfen, eine vollständigere Musikerin zu werden.“ Was sie zudem am Orchesterspiel fasziniert, ist die Magie während des Zusammenspielens. „Hundert Leute müssen einer Geste oder einem Atemzug folgen und das Gleiche spüren, fast das Gleiche denken. Wie so viele Menschen gemeinsam ein perfektes Pizzicato zupfen können, ist für mich immer noch ein Rätsel. Diese Magie und Verbundenheit ist wirklich das Beste, was dir das Orchesterspielen geben kann.“

Das einzig wahre künstlerische Ziel für die talentierte Geigerin ist dabei ihre eigene Entwicklung und Verbesserung. „Solange ich eine Position habe, die es mir ermöglicht, musikalisch zu wachsen, bin ich zufrieden.“ Dennoch träumt sie von einer Zusammenarbeit mit Orchestern und Ensembles wie dem Spira Mirabilis oder dem Chamber Orchestra of Europe sowie von einer Vertiefung in verschiedene Musikstile, wie etwa der Barockmusik auf Originalinstrumenten. Gefragt ist alles, was Inspiration bringt. Das rät sie auch den Konzertmeister_innen von morgen: „Man sollte versuchen, seine Augen und Ohren in alle Richtungen offen zu halten und den Dialog mit anderen Künstler_innen suchen. Und natürlich sollte man seinen Beruf als Musiker_in schätzen und sich glücklich und privilegiert fühlen, sein Leben mit Musik und Kunst verbringen zu dürfen.“

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