Romamusik

von Ursula Hemetek

Romamusik ist weltweit ein stilistisch sehr vielfältiges Phänomen und entzieht sich eindeutigen Kategorisierungen. Meist sind die Vorstellungen von Romamusik stark von Vorurteilen und Stereotypen der Mehrheitsgesellschaften geprägt, denn Roma sind überall auf der Welt Minderheit. Musik der Roma ist seit 1989 ein Forschungsschwerpunkt am Institut. Forschungsanliegen war es, in Feldforschungen zu dokumentieren, welche Musikstile in Österreich von den verschiedenen Romagruppen als Romamusik, als „ihre“ Musik empfunden und praktiziert werden. Drei Forschungsprojekte zwischen 1989 und 1995 (FWF) wurden von Ursula Hemetek durchgeführt (1990-1992: "Traditionelle Musik ethnischer Gruppen in Österreich“, 1992-1993: „Traditionelle Musik der Roma in Österreich“, 1993-1995: „Romamusik Teil II“ ).

Diese waren auch der Anlass, den Minderheitenschwerpunkt am Institut zu begründen (Link zum Minderheitenschwerpunkt). 1989 wurde der erste Romaverein in Österreich gegründet, 1991 folgen weitere (siehe Romano Centro). Eine der politischen Forderungen war die Anerkennung als österreichische Volksgruppe, welche 1993 auch erreicht wurde. Vielfältige Aktivitäten im Bereich der angewandten Ethnomusikologie zu Beginn der 1990er Jahre dokumentieren das gesellschaftspolitische Engagement der Romaforschung am Institut, das aus heutiger Sicht auch durchaus kritisch gesehen werden kann (Musik der Roma und angewandte Ethnomusikologie: Stufen einer Annäherung). Letztendlich haben diese Aktivitäten aber zur politischen Anerkennung der Roma in Österreich einen Beitrag geleistet (mehr zu Roma in Österreich siehe http://www.romane-thana.at).

Auch heute ist Romamusik ein wichtiges Thema am Institut. Insbesondere die Romasängerin Ruža Nikolić-Lakatos ist eine der langjährige ForschungspartnerInnen von Ursula Hemetek, Persönlichkeiten wie Ceija Stojka (1933-2013), Ivana Ferencova, Pera Petrović, Moša Šišić gehören zum Kreise der vielen Gewährspersonen. Die Ton- und Video Aufnahmen im Archiv des Instituts zu diesem Thema betragen mehrere 100 Stunden (link).

Die Publikationen zur Romamusik, die im Laufe der Jahre entstanden sind, liegen in unterschiedlichen Formaten vor (MCs, CDs, Interviews, Bücher, Artikel und Abschlussarbeiten von Studierenden) und sind sehr zahlreich. Einige seien genannt:

Romane gila, Amare gila, Treasures of Fieldwork on Music and Minorities – A Selection of Ursula Hemetek’s Field Recordings

MGG online: Roma, Sinti, Manush, Calé

Artikel siehe Publikationliste Ursula Hemetek

Porträtfilm-Minderheitenforschung

Radio Stimme: Das „Fremde“ vor der Haustür