Gastvortrag am 28.11.2018

Autismus und Musik – Musikwahrnehmung, Musiktherapie und Musikpädagogik bei Menschen aus dem Autismus-Spektrum

Schon in seinen klassischen Fallstudien berichtete Leo Kanner bei 6 von 11 Kindern mit Autismus von ausgeprägten musikalischen Fähigkeiten und Interessen. Musik spielt für viele Menschen aus dem Autismus-Spektrum eine wichtige Rolle – und das unabhängig vom Alter und kognitiven Niveau. Sie bietet Struktur, stellt einen Bezug zum Körper her, kann Gefühle spiegeln und Spannungszustände halten sowie Schutz vor Reizüberflutung bieten und eine Alternative zur sprachlichen Kommunikation sein. So hat Musik seit über 50 Jahren auch einen festen Platz in pädagogischen und therapeutischen Konzepten für Menschen aus dem Autismus-Spektrum.

Autismus als Entwicklungsstörung oder auch als neurokognitive Besonderheit wird anhand von Verhaltensmerkmalen klassifiziert und betrachtet, dahinter stehen aber nicht sichtbare Denk- und Wahrnehmungsbesonderheiten und ein anderes Selbstempfinden. Menschen aus dem Autismus-Spektrum vollbringen zum Teil eine immense Anpassungsleistung um sich durch die „neurotypische“ Welt zu navigieren. Insbesondere Fachkräfte, die mit diesen Menschen arbeiten, sollten um diese Besonderheiten wissen um sich auch ihrerseits einzustellen, angemessenen zu fördern und Inklusion zu ermöglichen.  

Der Vortrag richtet sich an Studierende und Lehrende der Musiktherapie, Rhythmik und Elementaren Musikpädagogik, Fachkräfte, Eltern von Kindern aus dem Autismus-Spektrum, Betroffene und Interessierte an Autismus und Musik. Es gibt Möglichkeit für Austausch und Diskussion. 

Mittwoch, 28.11.2018, 19:30 – 21:00 Uhr, 1030 Metternichgasse 8 (EG05)

Vortragender: Dr. phil. Thomas Bergmann, Berlin

Diplom-Musiktherapeut, Lehrtherapeut (DMtG), PhD in Psychologie. Therapeutische Leitung des Berliner Behandlungszentrums für Menschen mit geistiger Behinderung und psychischer Erkrankung, Musiktherapeut in Klinik und eigener Praxis, Supervision und Lehre (Universität der Künste, Berlin; Medical School Berlin). Erststudium Musikpädagogik, 25-jährige Unterrichtserfahrung im Bereich Jazz, Pop und Weltmusik, u.a. Aufbau der Popschule Berlin.

Aktuell Forschungsaktivität im Bereich Autismus-Spektrum-Störungen, sozio-emotionaler Entwicklung und Musiktherapie. Projekte: MUSAD (musikbasierte Autismusdiagnostik), Autismus Kompetenzgruppe (AutKom; erlebnisbasiertes Gruppentraing); Songwriting für Menschen mit Asperger-Syndrom(UdK, Berlin). 

Mitglied der Wissenschaftlichen Gesellschaft Autismus-Spektrum(WGAS), der AWMF Steuerungsgruppe S-3 Leitlinien Autismus-Spektrum-Störungen, des Network of Europeans on Emotional Development(NEED), Mitherausgeber der Musiktherapeutischen Umschau. Zahlreiche internationale Veröffentlichungen, u. a. Autismuskapitel im Oxford Handbook of Music Therapy.

Die Teilnahme ist kostenlos, aufgrund der begrenzten Teilnehmer_innenzahl ist eine Anmeldung erforderlich: kinsky@mdw.ac.at

 


Mehr-Stimmigkeit bewegt: Treffen der CMTS in Graz

Am Sonntag, 18. November fand das zweite Treffen der CMTS (ConnAction of Music Therapy Students) statt. Unter dem Motto "Mehr-Stimmigkeit bewegt", passend zum diesjährigen Song "Music Moves Me" des European Music Therapy Days 2018, verbrachten Musiktherapie-Studierende und -Absolvent_innen aus ganz Österreich einen inspirierenden Tag an der Kunstuniversität Graz miteinander. Verschiedenste Klangräume, Rhythmen und Bewegungen wurden erforscht, und verschiedeneThemen wie Nähe–Distanz regten zu Austausch und Diskussion an.

"In wertschätzender Umgebung von gleichgesinnten Köpfen kann hier das eigene musiktherapeutische Denken und Handeln erforscht und durch viele neue Ideen bereichert werden. Schnell wird klar, dass es vieles an Gedankengut auszutauschen gibt und die Zeit kaum reichen mag" (Feedback einer Teilnehmerin).

Im Rahmen des Treffens gestalteten die Studierenden auch einen Beitrag für den "European Music Therapy Day 2018":

>>> zum Youtube-Video

Die CMTS wird seit 2018 von drei Wiener Musiktherapiestudentinnen – Friederike Kinne, Janine Gimpl und Ronja Gangler – organisiert. Die Projektinitiative wird durch die Andreas-Tobias-Kind-Stiftung gefördert.

Eröffnung-ImprovisationEinstimmung mit Körper- und Stimmarbeit, unter Anleitung von Anja SchäferEinstimmung mit Körper- und Stimmarbeit, unter Anleitung von Anja SchäferEin Rollenspiel zum Thema Nähe - Distanz aus einem der beiden WorkshopsJanine G, Friederike K. und Ronja G., Organisatorinnen des ConnAction II und Gründungs-Team der CMTS

Johannes Th. Eschen-Preis der DMtG 2018

Zum zehnten Mal verleiht die Deutsche Musiktherapeutische Gesellschaft in diesem Jahr den Preis an den wissenschaftlichen Nachwuchs. 

Neben der Vergabe des Preises an Anita Neudorfer, MSc (IMC Fachhochschule Krems) sprach die Jury eine Belobigung für eine Absolventin des Wiener Diplomstudiums Musiktherapie aus:

  • Mag.Daniela Lechner:

  • Untersuchungsinstrumente und Testverfahren in musiktherapeutischen Studien mit Kindern (0–6 Jahre). Überblicksarbeit für den deutschsprachigen Raum (2000–2016)

Wir gratulieren herzlich!

Namensgeber des Preises: Prof. Johannes Th. Eschen (1928 – 2013) hat als Pionier der Musiktherapie besonders in den 70er – 90er Jahren des letzten Jahrhunderts die Entwicklung der Musiktherapie in Deutschland und international wesentlich gefördert. Im Rahmen seiner Vorstandstätigkeit für die Deutsche Gesellschaft für Musiktherapie hat er die Entstehung von staatlichen Studiengängen mit initiiert und unterstützt. Als langjähriger Vizepräsident der Hamburger Musikhochschule hat er viele Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten ausgebildet.

Organisation des Preises: Der Preis wurde von der Redaktion der Fachzeitschrift „Musiktherapeutische Umschau“ (MU) angeregt und seit 1998 von dort organisiert mit der Förderung durch die Deutsche Musiktherapeutische Gesellschaft. Er wird alle zwei Jahre ausgeschrieben, im Jahr 2018 zum zehnten Mal. Dazu waren BewerberInnen mit ihren Abschlussarbeiten aus den Jahren 2016 / 2017 angesprochen.

>> weitere Informationen: www.musiktherapie.de