Ausgangspunkt

Die mdw ist in Bezug auf Diversität, Intersektionalität, Barrierefreiheit und Inklusion sehr gut aufgestellt. Neben dem Vizerektorat für Organisationsentwicklung, Gender & Diversity, der Stabstelle Gleichstellung, Gender Studies und Diversität und den Behindertenbeauftragten gibt es eine Senatsarbeitsgruppe Barrierefrei. In den Lehrveranstaltungen, vor allem in denen der musikpädagogischen Studien, bekommt die inklusive Musikpädagogik Raum. Die Fachtagungen für inklusives Musizieren und die inklusiven Soundfestivals werden gut besucht. Die mdw-Band All Stars Inclusive wurde 2016 der Staatspreis Diversitas verliehen. Einen für alle verpflichtenden Kulturwandel zugunsten sozialer Inklusion und Diversität geben die
UN-Behindertenrechtskonvention, der 2012 verabschiedete Nationale Aktionsplan Behinderung wie auch der gesamtösterreichische Universitätsentwicklungsplan 2016–2021 vor.

Inclusive Pedagogy
©Beate Hennenberg

Teilnehmende ProjektpartnerInnen

Deshalb lag es auf der Hand, der Anfrage der finnischen KollegInnen zuzustimmen und gemeinsam den Antrag für das Erasmus+ Projekt Inclusive Pedagogy in Arts – Europe zu formulieren. Mitwirkende Institutionen sind das Kuopio Conservatory Finland mit Direktor Esko Kauppinen und den beiden Instrumentalpädagoginnen Annukka Knuuttila und Elina Vetoniemi, die Savonia University of Applied Sciences Music and Dance in Kuopio mit Tanzpädagogin Hanna Turunen, die Siauliai 1st Music School Litauen mit den Instrumentalpädagoginnen Kristina Kupryte und Jurgita Bubiene, die Siauliai University in Litauen mit den Wissenschaftlerinnen Diana Strakšienė und Edita Musneckienė, die Universität Vechta in Deutschland mit Bildungswissenschaftler Roland Hafen und Dissertantin der Musikpädagogik Heidi Zacheja-Düvel, die Kreismusikschule Vechta mit Musikschullehrer und Popularmusiker Rainer Wördemann sowie die mdw in Österreich mit der Musikpädagogin und Musikwissenschaftlerin Beate Hennenberg.

Rahmendaten

Das Projekt aus dem Bereich strategische Partnerschaften, Key Action 2, begann im September 2017 und hat eine Dauer von knapp zwei Jahren. Das Programm gibt bildungspolitische Prioritäten vor, etwa das Erstellen von Curricula, durch die über Länder und Sektoren hinweg gelernt werden kann. Weitere Prioritäten sind die Annäherung der Bildungsinhalte der neuen Curricula an die Erfordernisse der beruflichen Praxis, etwa im Bereich von Instrumentalpädagogik, Tanzpädagogik und Musikerziehung, die Erprobung und Implementierung neuer Lehr- und Lernmethoden sowie die Vereinfachung der grenzüberschreitenden Anerkennung von Wissen und mehr Chancengleichheit für benachteiligte Gruppen.

Inclusive Pedagogy
©Beate Hennenberg

Vorgehensweise und Ziele

Zunächst werden einzelne Module auf Basis von innovativen Lehr- und Lernmethoden entwickelt. Das Herzstück an der mdw ist die inklusive Band All Stars Inclusive, an der die Studierenden durch Mitmusizieren sowie das Belegen von didaktischen oder theoretischen Seminaren teilnehmen können. Am Institut für musikpädagogische Forschung, Musikdidaktik und Elementares Musizieren (IMP) wird die Website www.musik-inklusiv.at gehostet, die – auch in leicht lesbarer Sprache – einen Überblick über weitere inklusive Ensembles in ganz Österreich gibt. Die finnische Expertise liegt einerseits im Bereich der kreativen Tanzpädagogik und andererseits auf adaptivem, situativem Musizieren mit Kleinst- und Kleinkindern, sowohl am Konservatorium als auch auf einer Frühchenstation. An der Normalschule Kuopion bekommen SchülerInnen mit Trisomie 21 wöchentlich mehrere Stunden Blechblasunterricht in Kleingruppen, um demnächst im Schulorchester mitzuspielen. Die Universität Vechta nutzt den Gewinn des fächerverbindenden Unterrichts für den Regelschulunterricht. Nicht unbekannt sind dort die Bürgerwissenschaften, Citizen Science. Rainer Wördemann von der Kreismusikschule Vechta bietet Instrumentalunterricht für Menschen mit Behinderung an, was jedoch für eine Musikschule im Verband deutscher Musikschulen glücklicherweise – nach der Potsdamer Erklärung von 2014 – nichts Besonderes mehr ist.

Inklusive Musizierprojekte in Europa

Innovative Projekte inklusiven Musizierens inspirieren unsere Arbeit: An der TU Dortmund lehrt Susanne Quinten zur Trias Bewegung, Tanz und Inklusion. Forschungsschwerpunkt von Juliane Gerland an der TU Siegen ist die Musikpädagogik als Motor inklusiver Entwicklung. Robert Wagner, Vorsitzender des Bundesfachausschusses des Verbandes deutscher Musikschulen für Inklusion und Leiter des berufsbegleitenden Lehrganges Instrumentalspiel mit Menschen mit Behinderung an Musikschulen an der Akademie Remscheid, entwickelt diskriminierungsfreie, aufsuchende Angebote für alle MusikschülerInnen. Antonella Coppi von der Freien Universität Bozen forscht zu Music Education, Legality and Social Inclusion. Eva Königer, Lehrende am IMP, untersucht ELEMU, das Kooperationsprojekt der Musikschule Wien mit dem Stadtschulrat, in dem es um die Möglichkeit geht, ausgebildete Musikschullehrkräfte gemeinsam mit Volksschullehrkräften in Volksschulen zusammenzubringen. Adriana Di Lorenzo Tillborg beforscht die Beziehung zwischen Leadership und Inklusion als Herausforderung für Schwedens Kunst- und Musikschulen. Shirley Day-Salmon vom Orff-Institut Salzburg koordiniert den Schwerpunkt Musik und Tanz in sozialer Arbeit und integrativer Pädagogik.

Inclusive Pedagogy
©Beate Hennenberg

Unterstützende Agenden

Die erneuerte EU-Agenda für Hochschulbildung, 2017 vom Wissenschaftsministerium entwickelt und für alle österreichischen Universitäten verbindlich, untermauert den Ansatz dieses Projekts: Hochschuleinrichtungen sollen zur Innovation in der Gesellschaft beitragen, Wissensallianzen schmieden, Kooperationen mit Bildungseinrichtungen aller Stufen eingehen und die Talente aller Studierenden fördern. Möglicherweise werden wir künftig mehr Studierende mit individuellen Lernwegen haben und der Bedarf an flexiblen Studienprogrammen oder digitaler Technologie wird steigen. Aber, so schwer zu bewältigen sind diese Herausforderungen nicht. Im Gegenteil: Befragt auf die Umstellung des Unterrichts mit unseren blinden Studierenden, berichten die Lehrenden schon jetzt von Vorteilen der E-Accessibility im Vergleich zu älteren Lehrbehelfen.

Das Ziel im Blick

Es ist zu früh, um über Auswirkungen zu sprechen. Was Lehrende – unabhängig davon, wo sie unterrichten – anbelangt, so werden sie künftig auf eine Reihe bewährter Beispiele im inklusiven Instrumental- und Gesangsunterricht zurückgreifen und diese für sich adaptieren und differenziert sowie diversitätssensibel weiterentwickeln. Individuell gestaltete Curricula – Beispiel Projektvariante – werden wichtiger. Eine flexiblere Gestaltung des Unterrichts, etwa durch Open Distance Learning für Lehrveranstaltungen, in denen keine Präsenzpflicht besteht, könnte angedacht werden. Für Studierende soll es ein breiteres professionelles Angebot für inklusive didaktische oder künstlerische Fächer geben. Alternative Prüfungsmethoden sind dabei ebenso ein Thema wie auch die Weiterbildung in Gebärdensprache – für Studierende der Musikerziehung ein beruflicher Startvorteil. Vielfältig sind die Aufgaben. Fest steht, dass eine Teilhabe an hochwertiger musikalischer Bildung jeder und jedem Interessierten ermöglicht und die notwendige Unterstützung bereitgestellt werden soll, wobei angemessene Vorkehrungen für eine den Bedürfnissen entsprechende Förderung zu treffen sind.

 

Weitere Informationen auf der Projektwebsite:

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