Verbindung von Kunst und Wissenschaft am Institut für Popularmusik: Einführung in das Forschungsprojekt Performing Diversity und Rückblick auf das Konzertexperiment Clash Concerty. Musikgenres verkehrt herum gebürstet: E-Schlager, U-Klassik, Impro-Pop am 29. April 2016.

Clash Concerty
Elisabeth Jahrmann, Alice Waginger, Michael Weiland und Sebastian Riedl (Studierende der mdw) beim „Clash Concerty“ ©Daniel Willinger Photographie

Das Projekt Performing Diversity setzte sich mit Aufführungsritualen der Musik auseinander. In Form von qualitativen Fallstudien wurden Differenzen und Diffusionen zwischen den Stilfeldern „Klassik/zeitgenössische Musik“, „Jazz/improvisierte Musik“, „Volksmusik/World Music“, „Dance/HipHop/Elektronik“, „Rock- & Popmusik“ sowie „Schlager/volkstümliche Musik“ erkundet. Der Fokus lag auf Crossover-Phänomenen der gegenwärtigen Musiklandschaft. Analysiert wurden musikalische und kulturelle Zwischenräume, in denen Neues entsteht. Die Dokumentation und Analyse von Aufführungsritualen wurde anhand von Bild- und Sequenzanalysen (Musikvideos und Live-Dokumentationen) geleistet. Die Stichprobe setzte sich aus österreichischen Musik-, Bild- und Filmbeispielen der Jahre 2010 bis 2015 zusammen. Musikstücke von österreichischen KünstlerInnen wie Wanda, Fijuka, Electric Indigo, Nazar, Andreas Gabalier, Die Seer, Christian Muthspiel, Fatima Spar, ALMA, 5/8erl in Ehr’n, Bernhard Gander und BartolomeyBittmann waren Bestandteil des Samples.

Gefragt wurde nach der Art und Weise der „Konstitution von Kultur“ auf Basis der Analyse der Figuren, die im theatralen Rahmen einer Musikperformance auftreten. Neben zahlreichen retrospektiven Tendenzen konnte auch eine hohe Durchlässigkeit zwischen den Stilfeldern festgestellt werden. Das starre binäre E-Musik-/U-Musik-Modell ist in der Realität längst durch ein Kontinuum zwischen einem „elitären“ und einem „populären“ Pol ersetzt worden. Auch das andächtige Konzertritual und das physischaktive Animationsritual existieren nicht mehr nur in reiner Form, sondern auch in mannigfachen Mischungen.

Clash Concerty
Patricia Simpson (Lehrende am ipop) beim „Clash Concerty“ ©Daniel Willinger Photographie

Diese Erkenntnisse auch künstlerisch durchzuspielen, war die Idee des Konzertexperiments Clash Concerty. Musikgenres verkehrt herum gebürstet: E-Schlager, U-Klassik, Impro-Pop im zweiten Teil des Abends. Zu den beteiligten KünstlerInnen zählten Lehrende und Studierende der mdw sowie Mitglieder des Klangforum Wien und Gäste.

Drei Schlager – Sternenhimmelgefühl (Nockalm Quintett), I sing a Liad für di (Andreas Gabalier) und Heut heirat die Liebe meines Lebens (Die Seer) wurden zunächst in einem speziellen Arrangement für zwei Soprane, Bariton, Violine, Violoncello und Klavier im klassischen Konzertritual dargeboten und in entsprechend hochkultureller Kleidung, mit Notenpulten, ohne Ansage und mit dreimaliger Verbeugungszeremonie aufgeführt.

In Anwesenheit des Komponisten folgte eine für Electric Jazz Band arrangierte Aufführung der Komposition wegda! von Bernhard Gander (2011). Die minutiös notierte, politisch brisante Partitur wurde in rockigimprovisatorische Freiräume transformiert und von Patricia Simpson am Mikrofon sowie einer Band bestehend aus E-Gitarre, E-Bass, E-Piano und Schlagzeug als Show-Act inszeniert, während das Publikum auch Getränke und Snacks konsumieren konnte.

Nach diesen beiden von Harald Huber arrangierten Live-Ereignissen gab es zum Abschluss die konzertante Voraufführung eines Auftragswerks der styriarte 2016 der Komponistin Maria Gstättner. Ein eigener Text über das Frau-Sein wurde zunächst als zeitgenössisches Stück und im weiteren Verlauf mit immer mehr improvisatorischen Freiräumen und schließlich durch einen Popsong verdeutlicht. Die Instrumentierung verwendete u. a. auch Geräuschinstrumente und ein neuartiges „Concerteridoo“, ein speziell angefertigtes Didgeridoo in Form einer hölzernen Schnecke (Weltpremiere).

  • Weiterführende Informationen finden Sie auf der Website des ipop unter Fachbereiche / Forschungsprojekte: www.mdw.ac.at/ipop

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