Im Frühsommer 2017 treffen sich an der mdw bereits zum 15. Mal junge PianistInnen, um ihre Beethoven-Expertise vor einer internationalen Jury und dem Wiener Publikum unter Beweis zu stellen: Der Internationale Beethoven Klavierwettbewerb Wien steht vor der Tür.

Goldener Saal Musikverein Wien
Das Finale findet auch 2017 wieder im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins statt ©Nancy Horowitz

Die Auseinandersetzung mit dem Werk Beethovens zählt zum Herausforderndsten, dem sich junge MusikerInnen in ihrem Reifungsprozess stellen müssen: „Beim Studium des Klavierwerks Beethovens stößt man auf Schwierigkeiten, Fragen und Probleme, deren Überwindung nicht nur einen Teil der pianistischen, sondern der gesamten künstlerischen, ja menschlichen Erziehung eines Musikers bildet.“ (Edwin Fischer)

So wird es auch 2017 wieder ein spezielles Erlebnis sein, wenn sich die in internationalen Vorspielen ausgewählten 36 besten PianistInnen von 28. Mai bis 8. Juni in Wien mit ihren Interpretationen der Klavierwerke Beethovens vorstellen. Für das interessierte Publikum ergibt sich somit in der Wahlheimat Beethovens die Möglichkeit, eine junge internationale Elite in konzentrierter Form dabei zu beobachten, wie sie sein Klavierwerk begreift und interpretiert; das umfangreiche Repertoire dieses einzigartigen Wettbewerbs umfasst ausschließlich Werke Beethovens aus allen Schaffensphasen.

Maria Mazo
Maria Mazo, Gewinnerin des Internationalen Beethoven Klavierwettbewerbs 2013 ©Nancy Horowitz

Der Wettbewerb, der nur alle vier Jahre stattfindet und ein weltweit einzigartiges Renommee genießt, macht im Jänner und Februar 2017 für eine internationale Vorauswahl Station in New York City, Tokio, London, Berlin, Bonn und Wien. Daraus werden bis zu 36 Talente eingeladen, die sich in Wien einem dreistufigen Wettbewerb stellen: Während die erste Runde im Joseph Haydn-Saal der mdw ausgetragen wird, übersiedelt der Wettbewerb für die zweite Runde in den Brahms-Saal des Wiener Musikvereins. Die drei FinalistInnen spielen danach die dritte und letzte Runde mit Orchester, traditionellerweise im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins. 2017 wird sie dabei das ORF Radio-Symphonieorchester Wien unter Alejo Perez begleiten.

Für diese Bewährungsprobe vor einer internationalen Jury und dem Wiener Publikum wird die Gewinnerin/ der Gewinner mit einem Bösendorfer Konzertflügel (Modell 200) sowie einem Preisgeld von 10.000 Euro belohnt.

 

Jan Jiracek von Arnim, künstlerischer Leiter des Internationalen Beethoven Klavierwettbewerbs Wien, Professor am Institut für Konzertfach Klavier der mdw im Gespräch

Jan Jiracek von Arnim
Jan Jiracek von Arnim ©privat

Welchen Stellenwert hat der Internationale Beethoven Klavierwettbewerb Wien gemessen an anderen internationalen Wettbewerben?

Es ist der älteste internationale Musikwettbewerb Österreichs. Wir sehen es unter anderem an der hohen Zahl der Bewerbungen aus allen Teilen der Welt: Dieser Wettbewerb – übrigens der einzige, der sich ganz auf das Klavierwerk Beethovens konzentriert – genießt höchstes internationales Ansehen. Es zeichnet die mdw aus, dass wir mit diesem Wettbewerb alle vier Jahre eine weltweit einzigartige Plattform bieten, damit junge Talente nach Wien kommen und sich mit den Besten der Besten vergleichen. Und welcher Wettbewerb bietet schon einen solchen Rahmen – in der Musikstadt Wien, im Finale auf der Bühne des vielleicht berühmtesten Konzertsaals der Welt zu stehen, dem Goldenen Saal im Musikverein Wien? Das ist tatsächlich einzigartig. Ganz zu schweigen davon, dass mir kein anderer Klavierwettbewerb bekannt ist, bei dem man einen Flügel gewinnen kann. Dabei sind wir unserem Partner Bösendorfer für die großartige Unterstützung seit vielen Jahren besonders zu Dank verpflichtet.

Welche Bedeutung haben Klavierwettbewerbe allgemein für die Karriere junger PianistInnen und wie ordnet sich hier in weiterer Folge ein Wettbewerb ein, der sich ausschließlich auf das Werk Beethovens konzentriert?

In der heutigen Zeit brauchen junge MusikerInnen mehr denn je die Möglichkeit, Gehör zu finden und Aufmerksamkeit für ihr Können zu erzeugen. Ein Wettbewerb kann hier wichtige Hilfestellung leisten, nicht nur für die Talente, die am Ende gewinnen. In jedem Fall bietet die Vorbereitung zu einem Wettbewerb die Möglichkeit, bis zum letzten Detail an Werken zu feilen, die einem dann quasi in „Fleisch und Blut“ übergehen. Es kommt auch hinzu, dass die intensive Beschäftigung mit Kompositionen Beethovens aus allen Etappen seines Schaffens den Weg zur interpretatorischen Reife ermöglicht – dieser Weg ist das Ziel!

Sie leiten den Wettbewerb nun schon zum zweiten Mal. Gibt es eine besondere Erinnerung an 2013, als der Wettbewerb das letzte Mal stattfand?

Nun, die Tage sind von früh bis spät mit Musik Beethovens erfüllt – das ist also auch für diejenigen, die „nur“ zuhören, eine Herausforderung und gleichzeitig auch ein Glück: Man „badet“ quasi in Beethovens Musik. Und es ist spannend, Interpretationen zu vergleichen.

Aus welchem Grund sollte man sich den Wettbewerb im kommenden Jahr nicht entgehen lassen?

Es ist eine tolle Gelegenheit für das Publikum und natürlich für unsere eigenen Studierenden, eine junge Generation von internationalen Musiktalenten zu erleben, die sich mit all ihrem Können dem Klavierwerk Beethovens widmet. Wir werden in diesen ca. zehn Tagen unterschiedlichste Interpretationsansätze erleben, teilweise Werke mehrmals hören und dadurch umso direkter vergleichen können. Nach meiner Erfahrung ist der Effekt am Ende, dass man sich als ZuschauerIn Beethoven näher fühlt. In den drei Runden erlebt man einen Komponisten, der Zeit seines Lebens immer wieder auf der Suche nach neuen Wegen war und der in seinem Schaffen nie „stehen geblieben“ ist. Ganz anders als in einem einzelnen Konzert oder auch Konzertzyklus kann man sich der Intensität der Musik Beethovens innerhalb dieser von seiner Musik durchtränkten Tage gar nicht entziehen. Das kam beim Feedback des Publikums nach unserem Wettbewerb 2013 immer wieder durch. Durch die strengen internationalen Vorauswahlen ist gesichert, dass tatsächlich herausragende MusikerInnen in Wien vorspielen. Das wird definitiv hörenswert!

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