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LC # 37 | Oktober 2017

Jedem Natiönchen sein Tönchen?

Was haben der Eurovision Song Contest, Nationalhymnen und Dudelsack gemeinsam? Der das 19. und 20. Jahrhundert prägende Nationalismus hatte entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der Musikkultur in den verschiedenen Regionen Europas. Es gibt nicht wenige Versuche der Musikwissenschaft, dieser Überlappung von Musik und Nationalismus auf die Spur zu kommen: Gibt es überhaupt nationale Unterschiede in Form und Struktur der jeweiligen Musik? Was bedeutet es, wenn man ein Stück als typisch „deutsch“ oder „französisch“ bezeichnet? Oder wie zeigt sich „czechness in music“?

Musik ließ und lässt sich in besonderer Weise national/nationalistisch funktionalisieren. Zum Beispiel wirkt(e) das Musizieren und vor allem das Singen in Gemeinschaft (z. B. Männerchöre und Nationalhymnen) als politisches Element, die konstruierte nationale Identität stärkend. Häufig ging und geht in Nationalstaaten damit auch ein Ausschluss von Minderheiten einher.

Musik und Nationalismus – ein Begriffspaar, das sich über Epochen hinweg und durch musikalische Genres zieht.  Auch heute noch: Der Eurovision Song Contest sei ein Beispiel für das aktuelle Spannungsfeld zwischen dem nach wie vor wirksamen nationalen Bewusstsein und der zunehmenden Globalisierung bzw. Transkulturalität.