Librarian's Choice Archiv 2018

LC # 46 | Musikalische Kupferstiche um 1600
LC # 45 | Forschungen und Entdeckungen zum diskreten Herrn Gio: Gia:
LC # 44 | Exchangeibition
LC # 43 | Musik und Sozialismus
LC # 42 | Avec privilège du Roy
LC # 41 | Kurmusik
LC # 40 | Schwarzmaler
 

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LC # 46 | November 2018

Musikalische Kupferstiche um 1600


Um 1600 wurde von Simone Verovio in Rom zum ersten Mal eine größere Zahl an Musikdrucken mit gravierten Kupferplatten produziert statt wie üblich mit Typendruck gedruckt. Die Verwendung des Tiefdrucks ermöglichte nicht nur ein Drucken "on demand", sondern erlaubte auch eine bessere Reproduktion von Notationformen wie insb. Tabulaturen, die in der Hochdruck-Technik nur sehr schwer abzubilden sind, sowie die Kombination von verschiedenen Arten von Notationen auf einer Seite: sowohl Stimmen in mensuraler Notation mit Intavolierungen für Cembalo und Laute in Chorbuch-Anordnung als auch Stimmen in Partitur mit Intavolierungen.

Im jüngst erschienenen Buch Simone Verovio: Prints, intabulations and basso continuo in Rome around 1600 wird gezeigt, dass die Unterschiede zwischen Hoch- und Tiefdruck-Techniken nicht nur neues Licht auf die Produktion von Musikausgaben rund um 1600 werfen, sondern auch für grundlegenden Fragen der historischen Aufführungspraxis nutzbar gemacht werden können. Die Drucke von Werken von Luzzaschi (1601), Merulo (1598, 1604) und Durante (1608) sowie mehrere Ausgaben von 3- und 4-stimmige Canzonetten fanden Nachfolge in Opera für Tasten- und Zupfinstrumente von Foscarini, Frescobaldi und Kapsberger.
Von den beiden Toccaten-Büchern von Frescobaldi besitzt die Bibliothek Originalexemplare.

 

LC # Konzert & Lecture

27. November 2018, 18.00 Uhr, Lesesaal der ub.mdw

Maria Cristina Kiehr, Sopran
Sven Schwannberger, Tenor und Laute,
Grantley McDonald, Bass
Augusta Campagne, Cembalo

Zur Aufführung gelangen Werke unter anderen von F. Anerio, G.P. Palestrina, L. Luzzaschi und O. Durante

Einführungen.
Markus Grassl, Anne Marie Dragosits und Augusta Campagne

Text:
Augusta Campagne

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LC # 45 | Oktober 2018

Forschungen und Entdeckungen zum diskreten Herrn Gio: Gia:


Johann Jacob Froberger (1616–1667) fasziniert wie kaum eine andere Erscheinung in der Musik des 17. Jahrhunderts. Sein Weg als Komponist und Tasteninstrumentalist führte ihn quer durch Europa bzw. in alle wichtigen musikalischen Zentren seiner Zeit. In Wien war er als Organist am habsburgischen Kaiserhof tätig, in Rom studierte Froberger bei Girolamo Frescobaldi, aber auch in Paris, Brüssel und London machte er Station. Dieser kosmopolitische Zuschnitt seiner Lebensgeschichte spiegelt sich vielfach in seinem Schaffen wider, das grundlegend für die barocke Claviermusik war und bis weit in das 18. Jahrhundert rezipiert worden ist.

Von der Ausstrahlung Frobergers zeugen die insgesamt mehr als 80 Quellen bis in die Zeit um 1800, in die seine Stücke Eingang fanden. Darunter befinden sich u. a. Individualdrucke, die Ende des 17. und zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Mainz und in Amsterdam, dem damaligen Zentrum des Musikdrucks in Europa, herausgebracht wurden, Handschriften aus dem weiteren Umfeld J. S. Bachs (der Frobergers Musik besonders geschätzt haben soll), aber auch die Abschrift einer Fantasia Frobergers aus der Hand von W. A. Mozart.

LC # Buchpräsentation & Musik

Am 24. Oktober 2018 wird ab 18 Uhr im Lesesaal der Bibliothek die neueste Veröffentlichung zu Johann Jacob Froberger präsentiert: Andreas Vejvar / Markus Grassl (Hg.), „Avec discrétion“. Rethinking Froberger, Wien–Köln–Weimar 2018 (Wiener Veröffentlichungen zur Musikgeschichte 14).

Es sprechen Klaus Aringer (KUG), Markus Grassl und Andreas Vejvar (mdw).

Eugène Michelangeli (Clavichord) spielt Werke von Froberger.

Text: Andreas Vejvar

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LC # 44 | Juni 2018

Exchangibition – The Voice of the Young Artist
"Identity is never static always in the making and never made"

Um den eigenen Weg als KünstlerIn zu gehen und dabei seine individuelle Stimme zu finden, ist es notwendig, sich immer wieder zu hinterfragen.

Die ub.mdw bietet bereits zahlreiche Titel zu den Themen Talentmanagement und Persönlichkeitsentwicklung an. Beispielsweise kann man in The Artist’s Way auf Übungen und Inspirationen stoßen, die das eigene Potenzial entfalten und der Kreativität Nahrung geben. Im Bestseller The Inner Game of Tennis wird eine am ZEN-Buddhismus orientierte Lebensphilosophie beschrieben, die zeigt, wie man dem Unbewussten mehr (Spiel-)Raum lässt und so das Beste aus sich herausholen kann. Neben Literatur zur persönlichen Weiterentwicklung geht es in The Art of Acting um die Entwicklung als Schauspieler respektive Künstler auf der Bühne, um nachvollziehbare Handlungen, die das Publikum inkludieren und das Leben auf der Bühne als ‘bigger than life’ versteht.

Neben der persönlichen und kreativen Entwicklung muss auch dem wirtschaftlichen Aspekt eines Künstlerlebens Aufmerksamkeit geschenkt werden. Oft kann es dabei hilfreich sein, mit dem Ende zu beginnen, heißt es in The Seven Habits of Highly Effective People. Auch Selbst- und Projekt-Management wird für KünstlerInnen immer wichtiger. Als Einstieg in das Thema lohnt sich die Auseinandersetzung mit Peter F. Druckers Was ist Management?  Angela Myles Beeching’s Beyond Talent ist eine wertvolle Ergänzung mit praktischen Anleitungen, die eigene Künstlerkarriere erfolgreich zu gestalten.

Der Prozess der Selbstreflexion findet allerdings nicht nur innerhalb der eigenen vier Wände statt, sondern wird meist viel intensiver im unmittelbaren Austausch mit Lehrenden, KollegInnen und dem Publikum erlebt.

Wie aber kann eine Veranstaltung aussehen, die genau diesen Prozess der künstlerischen Weiterentwicklung beleuchten möchte? 

LC # Concert Event

Das Concert Event findet am 15. Juni 2018 um 16h im Bruno-Walter-Lesesaal der Bibliothek statt. Dieser Librarian’s Choice wird gestaltet von Teilnehmer_innen des Artist Development Workshops, mit freundlicher Unterstützung der hmdw.

Für Getränke und Essen ist gesorgt. Ein extra Special wartet auf alle Besucher.

Text: Katrin Ciulian

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LC # 43 | Mai 2018

Musik und Sozialismus

Nicht nur im Jahr der zweihundertsten Wiederkehr der Geburt von Karl Marx stellen die vielfachen Beziehungen zwischen Musik und Politik ein zentrales Themenfeld der Musikwissenschaft dar. Unübersehbar und anhaltend ist der politische Missbrauch von Musik jeglicher Stile von jeglicher Seite.

Es gibt aber auch Musik, die gleichsam von sich aus politisch verstanden und wirksam sein will. Die Geschichte des Sozialismus beinhaltet beide Phänomene. So beanspruchte man allerorten nicht nur Beethoven als einen Verkünder der eigenen, sich mitunter rasch wandelnden Ideale. Die Wiener sozialdemokratische Kulturbewegung zielte beispielsweise im Rahmen der Arbeiter-Symphonie-Konzerte (1905-1934) auf die Aneignung des etablierten musikalischen Kanons, setzte sich aber auch mit der Gegenwart, etwa mit Schönberg auseinander. Gustav Mahler wurde als Person und mit seinem Werk mit diesen Zielen auch symbolisch in Verbindung gebracht. Andere wie Hans Pfitzner oder Franz Schmidt distanzierten sich entschieden und arbeiteten antisozialistischen Positionen zu.

Schließlich hat der österreichische Komponist Hanns Eisler (1898-1962) in vielfältiger Weise das eindeutige politische Engagement für den Sozialismus zur zentralen Kategorie seines Werks gemacht.
In den 1970er Jahren haben die Schmetterlinge politisches Engagement angesichts der veränderten Umstände im „Polit-Rock“ realisiert, während Wilhelm Zobl (1950-1991) Eislers Anregungen in der Avantgarde weiterdachte. Auch die „Proletenpassion“ gehört inzwischen zum Kanon linker Musik und findet aktuelle Neuinterpretationen. Gründe dafür gibt es genug.

Dieser Librarian's Choice wurde von Christian Glanz gestaltet.

LC # Konzert & Lecture

Am 23. Mai 2018 findet um 18.00 Uhr ein Konzert im Bruno-Walter-Lesesaal der Bibliothek statt.

Die Dika-Newlin-Memorial-Band spielt Werke von Hanns Eisler

Lecture: Christian Glanz

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LC # 42 | APRil 2018

Avec privilège du Roy

Die außergewöhnlich lange Regierungszeit von Ludwig XIV hat nicht nur die Politik, sondern auch alle Künste sehr stark geprägt. Man kennt die einzigartige Beziehung des Sonnenkönigs mit seinem Surintendant de la Musique Jean-Baptiste Lully (1632-1687) und die daraus entstandene prachtvolle Produktion an Bühnenwerke. Auch im kleineren Rahmen, wie bei der Musique de la Chambre du Roy, hat das absolutistische Regime mit allen Mitteln das künstlerische Schaffen nach einem einzigen Geschmack entstehen lassen.

Jacques-Martin Hotteterre le Romain (1673-1763), Mitglied einer berühmten Familie von Holzblasinstrumentenmachern, -spielern und Komponisten, hat vor diesem Hintergund eine erfolgreiche Karriere geführt und uns ein herausragendes Werk hinterlassen. Sein erstes Buch an Stücken für die Traversflöte (Premier Livre de Pièces pour la Flûte traversière, Paris 1708, 1715) gibt uns einen besonderen Einblick in dieser barocken Welt, wo eine extrem raffinierte und verzierte Sprache uns eigentlich ein gewisses Ideal von Einfachheit darlegen möchte.

Dieser Librarian's choice wurde von Eugène Michelangeli gestaltet.

LC # Konzert & Lecture

Am 26. April 2018 findet um 18.00 Uhr ein Konzert im Bruno-Walter-Lesesaal der Bibliothek statt.

Aus dem Premier Livre de Pièces pour la Flûte traversière spielen:

Rahel Stoellger, Blockflöte
Pierre Pitzl, Viola da Gamba
Eugène Michelangeli, Cembalo

Einführung und Moderation: Eugène Michelangeli

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LC # 41 | März 2018

Kurmusik

Ein unterschätztes Phänomen

Sucht man in Bibliotheken nach Kurmusik, findet man sich an einem dünn befüllten Buchregal wieder. Dabei dienten Kurorte quer durch Europa und Nordamerika nicht nur der Erholung und der Sommerfrische, sondern auch der Musik.

Kurmusik ist mehr als die Summe ihres Repertoires. Nicht nur kleine Ensembles, auch große Kulturorchester (wie die Berliner Philharmoniker) haben eine Kurvergangenheit – auch wenn diese heute gerne verschwiegen wird. Wie das Repertoire der „Water music“, so sind auch die Aufgaben der Musiker*innen facettenreich: Sie müssen fernab solistischer Ansprüche ganze Orchesterpartien im Blindflug umsetzen.

Das sehr vielfältige, aber kaum edierte Repertoire überlebte den Wandel, dem die Kurmusik bis heute unterworfen ist: feste Kurorchester schrumpfen zu fallweise engagierten Ensembles, oder werden überhaupt aufgelöst (siehe: Reto Parolari, Die Vergessenen. Kurorchester in Deutschland, in: Das Orchester 58:2010, S. 10-13).

Frischer Wind soll her, und das möglichst kostengünstig. Vorbei ist die Zeit, in der die Musik aus der Kurmuschel untrennbar mit großen und kleinen Kurorten verbunden war. Vor einigen Jahrzehnten noch boten Kurorchester jungen Musiker*innen ein Sprungbrett für die Orchesterkarriere – als ein Pendant zu den später entstandenen Orchester-Akademien.

Neben sozialen Aspekten harren auch Fragen zu Publikumsstrukturen oder dem Verhältnis von Repertoire und jeweiliger Zuhörer*innenschaft nach wie vor ihrer Erforschung.

Dieser Student‘s choice wurde von Luise Adler und Benedikt Blaschek im Rahmen des Musikwissenschaftlichen Praktikums von Ass-Prof. Fritz Trümpi im Wintersemester 2017/18 gestaltet.

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LC # 40 | Jänner 2018

Schwarzmaler

Nordische Mythen, satanistische Riten, brennende Kirchen, bedenkliche politische Statements: bei vielen schwirren (immer noch) derlei (Vor-)Urteile in Kopf umher, wenn’s um Black Metal geht. Es ist auf jeden Fall eine popmusikalische Ausrichtung, die das Publikum spaltet, obwohl die Zeiten, in denen Black Metal ausschließlich runtergestimmte Gitarrenriffs und Röchel-/Schreigesang bedeutete, längst vorbei sind.

Abgrenzung zum Mainstream ist allerdings immer noch ein zentrales Anliegen der Protagonistinnen und Protagonisten, auch wenn das musikalische Vokabular inzwischen sogar Ambient (bei Wolves in The Throne Room etwa), Rock’n’Roll (Abbath) oder 80er-Electropop (Ulver) umfassen darf. Und auch textlich mischen sich gelegentlich antikapitalistische Polit-Manifeste unter die altbekannten Blut-und-Beuschl-lyrics. „Woodstock in Schwarzweiß!“ meinen Fans der ersten Stunde mitunter zur aktuellen, fast schon hippieesken Einstellung mancher Düstermänner und -frauen.

Black Metal weist heutzutage eine ziemliche Bandbreite auf, die über die Darstellungen im aufgrund seiner Kompromiss- und (absichtlichen?) Distanzlosigkeit umstrittenen Black Metal-Lesebuch Lords of Chaos des ebenso umstrittenen Neofolk -Musikers und Autors Michael Moynihan weit hinausgeht.

Die passende Literatur steht Ihnen in der ub.mdw zur Verfügung, auch wenn Sie gerade nicht schwarz gekleidet sein sollten.

Die aktuellste Neuerwerbung  zum Thema wird übrigens am 11. Jänner um 17 Uhr im Lesesaal der ub.mdw präsentiert.

Text: Thomas Fröhlich

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