Librarian's Choice Archiv 2018

LC # 42 | Avec privilège du Roy
LC # 41 | Kurmusik
LC # 40 | Schwarzmaler
 

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LC # 42 | APRil 2018

Avec privilège du Roy

Die außergewöhnlich lange Regierungszeit von Ludwig XIV hat nicht nur die Politik, sondern auch alle Künste sehr stark geprägt. Man kennt die einzigartige Beziehung des Sonnenkönigs mit seinem Surintendant de la Musique Jean-Baptiste Lully (1632-1687) und die daraus entstandene prachtvolle Produktion an Bühnenwerke. Auch im kleineren Rahmen, wie bei der Musique de la Chambre du Roy, hat das absolutistische Regime mit allen Mitteln das künstlerische Schaffen nach einem einzigen Geschmack entstehen lassen.

Jacques-Martin Hotteterre le Romain (1673-1763), Mitglied einer berühmten Familie von Holzblasinstrumentenmachern, -spielern und Komponisten, hat vor diesem Hintergund eine erfolgreiche Karriere geführt und uns ein herausragendes Werk hinterlassen. Sein erstes Buch an Stücken für die Traversflöte (Premier Livre de Pièces pour la Flûte traversière, Paris 1708, 1715) gibt uns einen besonderen Einblick in dieser barocken Welt, wo eine extrem raffinierte und verzierte Sprache uns eigentlich ein gewisses Ideal von Einfachheit darlegen möchte.

Dieser Librarian's choice wurde von Eugène Michelangeli gestaltet.

LC # Konzert & Lecture

Am 26. April 2018 findet um 18.00 Uhr ein Konzert im Bruno-Walter-Lesesaal der Bibliothek statt.

Aus dem Premier Livre de Pièces pour la Flûte traversière spielen:

Rahel Stoellger, Blockflöte
Pierre Pitzl, Viola da Gamba
Eugène Michelangeli, Cembalo

Einführung und Moderation: Eugène Michelangeli

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LC # 41 | März 2018

Kurmusik

Ein unterschätztes Phänomen

Sucht man in Bibliotheken nach Kurmusik, findet man sich an einem dünn befüllten Buchregal wieder. Dabei dienten Kurorte quer durch Europa und Nordamerika nicht nur der Erholung und der Sommerfrische, sondern auch der Musik.

Kurmusik ist mehr als die Summe ihres Repertoires. Nicht nur kleine Ensembles, auch große Kulturorchester (wie die Berliner Philharmoniker) haben eine Kurvergangenheit – auch wenn diese heute gerne verschwiegen wird. Wie das Repertoire der „Water music“, so sind auch die Aufgaben der Musiker*innen facettenreich: Sie müssen fernab solistischer Ansprüche ganze Orchesterpartien im Blindflug umsetzen.

Das sehr vielfältige, aber kaum edierte Repertoire überlebte den Wandel, dem die Kurmusik bis heute unterworfen ist: feste Kurorchester schrumpfen zu fallweise engagierten Ensembles, oder werden überhaupt aufgelöst (siehe: Reto Parolari, Die Vergessenen. Kurorchester in Deutschland, in: Das Orchester 58:2010, S. 10-13).

Frischer Wind soll her, und das möglichst kostengünstig. Vorbei ist die Zeit, in der die Musik aus der Kurmuschel untrennbar mit großen und kleinen Kurorten verbunden war. Vor einigen Jahrzehnten noch boten Kurorchester jungen Musiker*innen ein Sprungbrett für die Orchesterkarriere – als ein Pendant zu den später entstandenen Orchester-Akademien.

Neben sozialen Aspekten harren auch Fragen zu Publikumsstrukturen oder dem Verhältnis von Repertoire und jeweiliger Zuhörer*innenschaft nach wie vor ihrer Erforschung.

Dieser Student‘s choice wurde von Luise Adler und Benedikt Blaschek im Rahmen des Musikwissenschaftlichen Praktikums von Ass-Prof. Fritz Trümpi im Wintersemester 2017/18 gestaltet.

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LC # 40 | Jänner 2018

Schwarzmaler

Nordische Mythen, satanistische Riten, brennende Kirchen, bedenkliche politische Statements: bei vielen schwirren (immer noch) derlei (Vor-)Urteile in Kopf umher, wenn’s um Black Metal geht. Es ist auf jeden Fall eine popmusikalische Ausrichtung, die das Publikum spaltet, obwohl die Zeiten, in denen Black Metal ausschließlich runtergestimmte Gitarrenriffs und Röchel-/Schreigesang bedeutete, längst vorbei sind.

Abgrenzung zum Mainstream ist allerdings immer noch ein zentrales Anliegen der Protagonistinnen und Protagonisten, auch wenn das musikalische Vokabular inzwischen sogar Ambient (bei Wolves in The Throne Room etwa), Rock’n’Roll (Abbath) oder 80er-Electropop (Ulver) umfassen darf. Und auch textlich mischen sich gelegentlich antikapitalistische Polit-Manifeste unter die altbekannten Blut-und-Beuschl-lyrics. „Woodstock in Schwarzweiß!“ meinen Fans der ersten Stunde mitunter zur aktuellen, fast schon hippieesken Einstellung mancher Düstermänner und -frauen.

Black Metal weist heutzutage eine ziemliche Bandbreite auf, die über die Darstellungen im aufgrund seiner Kompromiss- und (absichtlichen?) Distanzlosigkeit umstrittenen Black Metal-Lesebuch Lords of Chaos des ebenso umstrittenen Neofolk -Musikers und Autors Michael Moynihan weit hinausgeht.

Die passende Literatur steht Ihnen in der ub.mdw zur Verfügung, auch wenn Sie gerade nicht schwarz gekleidet sein sollten.

Die aktuellste Neuerwerbung  zum Thema wird übrigens am 11. Jänner um 17 Uhr im Lesesaal der ub.mdw präsentiert.

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