Die ub.mdw empfiehlt

In ihrem Empfehlungsdienst "Librarian's Choice" wirft die ub.mdw monatlich Schlaglichter auf Besonderheiten aus ihrem Bestand.
 

LC # 69  |  Oktober 2021

„Τι να σου πω, φθινόπωρο…“*

Griechische Klänge an der ub.mdw

*„Was soll ich dir entgegnen, Herbst …“ (Kostas Karyotakis)

Als der griechische Komponist und Musiker Mikis Theodorakis vor ein paar Wochen, am 2. September, im Alter von 96 Jahren verstarb, war wohl außerhalb Griechenlands nur wenigen klar, dass hier nicht nur der Schöpfer des Sirtaki, „Zorbas‘ Dance“, dahingegangen war, sondern auch ein höchst geachteter Komponist klassischer Werke, ob es sich nun um Kammermusik, Symphonisches, Opern, Filmmusik oder Chorwerke handelte. Bei Letzteren verwendete er etwa neben Texten von Pablo Neruda unter anderem auch jene des obgenannten Kostas Karyotakis, eines einflussreichen Erneuerers griechischer Lyrik im 20. Jahrhundert. Geistliche Musik zählte ebenfalls zu Theodorakis‘ Oeuvre, obwohl er zur Religion ein freundliches, gleichwohl gespaltenes Verhältnis an den Tag legte („Gottseidank bin ich Atheist!“). Dass ausgerechnet sein Sirtaki, den Anthony Quinn im Film „Alexis Sorbas“ tanzte, im Grunde eine Nacherzählung des Original-Tanzes war, der dem Hauptdarsteller viel zu kompliziert war und von Theodorakis vereinfacht wurde, stellt letztendlich nur eine Fußnote in einem – auch was politisches Engagement betrifft – reichen Leben dar. Künstlerische Berührungsängste hatte er nie. Aus der Volksmusik schöpfend wagte er sich auch in Experimentelles vor, das zwar nie die Sorbas’sche Breitenwirkung hatte, ihm aber „Fans“ wie Darius Milhaud oder, davor, Hanns Eisler einbrachte.

Theodorakis‘ Werke sind übrigens nicht die einzigen „griechischen“ Werke, die Sie an der ub.mdw finden. Einige der im wahrsten Sinne klingenden Namen gefällig? Da wären:

Iannis Xenakis etwa, der – wie Theodorakis – Unterricht bei Olivier Messiaen nahm, nachdem er 1947 als politischer Flüchtling nach Paris gegangen war, wo er bis zu seinem Tod verweilte, und in seine Musik mathematische, architektonische und philosophische Prinzipien einfließen ließ;

Anestis Logothetis, eigentlich ein griechischstämmiger Österreicher, der in den 1950er Jahren an der Musikhochschule Wien, der späteren mdw, studiert hatte und eine eigene Systematik für graphische Notation entwickelte;

die sich an byzantinischer Melodik orientierende Komponistin Tsoupaki Calliope, die wiederum Kompositionstechnik bei Yannis Ioannidis studiert hatte, wobei dieser sich selbst in der Tradition der Zweiten Wiener Schule verortet;

der aus Salzburg stammende deutsch-griechische Komponist und Pianist Alexis Agrafiotis, der das Fach Komposition bei Erich Urbanner an der mdw belegt hatte;

Periklis Liakakis, der an der mdw Komposition / Musiktheorie lehrt und Musiker sowie Schöpfer einer „very unusual music language“ (T. D. Schlee) ist, die sich durch sämtliche musikalische Gattungen fräst;

und last but definitely not least die Komponistin, Musikpädagogin und Dirigentin Konstantia Gourzi, die nicht nur Erfahrungen als musikalische Leiterin am Theater an der Wien besitzt sondern 2020 auch als erste Dirigentin die Wiener Tonkünstler dirigierte.

Und das ist nur ein Ausschnitt. Zusätzlich zu unseren Beständen empfehlen wir zum Reinhören, wie immer, unsere NAXOS Music Library.

Diesem Herbst wäre somit tatsächlich nichts zu entgegnen …

(Text: FRT/ub.mdw)

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