Die ub.mdw empfiehlt
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LC # 107 | MAI 2026
12 Points for Solidarity
Im Mai 2026 gastiert der Eurovision Song Contest zum dritten Mal in seiner Geschichte in Wien. Wenn es wieder heißt „12 Points go to…“, wird Musik zum harten Kampf um Punkte – ein Spektakel, dessen Eigendynamik der Sammelband Keiner wird gewinnen kritisch hinterfragt. Die Publikation beleuchtet u.a. die Wurzeln des Wettbewerbs, der im Europa der Nachkriegszeit initiiert wurde, um die Zusammenarbeit zwischen Fernsehanstalten zu fördern und so einen Weg zur kulturellen Verständigung zu finden.
Dieses Motiv der Verbundenheit schlägt die Brücke zum 1. Mai. Wo der ESC die europäische Gemeinsamkeit im medialen Spektakel verhandelt, erinnert der Tag der Arbeit an die solidarische Kraft des gemeinsamen Singens. Für Hanns Eisler – einst Schönberg-Schüler in Wien – war Musik stets mehr als Unterhaltung: Mit dem Solidaritätslied oder dem Einheitsfrontlied schuf er bewusst einen Gegenentwurf zur Logik von Markt und Konkurrenz.
Dass Fragen nach Solidarität und Teilhabe auch jenseits der großen Showbühne aktuell bleiben, zeigt ein Blick auf die neueste Ausgabe der Schriftenreihe Klanglese des Instituts für Volksmusikforschung und Ethnomusikologie. Im Sammelband Music, Dance, and Inequalities wird das Spannungsverhältnis zwischen künstlerischem Ausdruck und gesellschaftlicher (Un-)Gleichheit neu beleuchtet.
Ob Sie nun den ESC in der Stadthalle mitverfolgen oder die stille Recherche in der ub.mdw bevorzugen: Der Mai lädt dazu ein, das Spannungsfeld zwischen Wettbewerb und solidarischem Miteinander neu zu hören. Ein spannender Monat steht bevor ... nicht nur für Punktesammler!
(Text: WEI)