fachbereich tonsatz

ansprechperson: Reinhard Amon

 

Um es in einen Vergleich zu fassen: Entspricht das praktische Singen, Spielen, Musizieren und Dirigieren dem Steuern eines Boliden mit seinen vielfältigen (auf Verinnerlichung hin zu trainierenden) Lenk-, Kupplungs-, Schalt-, Brems- und Beschleunigungsvorgängen samt dem dauernden Überblicken der aktuellen Verkehrslage, so entspricht der Tonsatz dem bewussten  (von Neugier und Erkenntnisdrang getragenen) Öffnen der Motorhaube, der Rechenschaft über die faszinierende Funktionsweise der Klappen, Züge, Schrauben, Federn und Ventile, der umfassenden Erkundung des Getriebes, der Erschließung, wie die Musik als mehrstimmiges Gefüge „tickt“, welche melodisch-horizontalen und harmonisch-vertikalen Kräfte wann wo wie in welcher Ausprägung, Balance und Intensität zusammenzuwirken haben, um einen bestimmten Epochenstil, Personalstil oder auch das einmalige, unverwechselbare, individuelle melodische Profil und Satzdessin einer spezifischen Komposition älteren wie neueren Datums, kleineren wie größeren Umfangs zu zeitigen, um dasjenige Stück, denjenigen Melodiebogen, diejenige Taktfolge oder Akkordverbindung zu ergeben, die uns in den Bann schlägt und uns unwillkürlich ausrufen lässt: „Ach, ist das schön!“.


Dieser Freudenseufzer unserer akustisch-emotionalen Beseligung führt alle wahrhaft Interessierten wie von selbst zur Frage: „Warum ist das so schön? – Wie ist das gemacht?“. Somit wird Tonsatz zur spannenden Erlebnisreise, zur gemeinsamen, durchaus auch anspruchsvollen Trekking-Tour zu den klangtechnischen Hintergründen. Der dreijährige Kurs nebst integrierten Übungen zur Gehörbildung (samt Hinführung zur Verschriftlichung von Gehörtem) soll nicht nur eine stilistisch breit gefächerte Basis legen, sondern auch möglichst viele Tiefenschärfen ausloten, um universitär auszubildende Lehrkräfte (=kraftvolle Lehrende) im Verlauf ihres Studiums nicht nur mit solidem musikalischen Können auszustatten, sondern auch mit profundem musikalischen Verstehen: mit dem handwerklichen Durchblicken einer 2000jährigen Musikentwicklung, mit dem Wissen um das, was die musikalische Welt im Innersten zusammenhält.

[Peter Hrncirik]