Erlebte Zusammenheit beim Ensemble-Musizieren

 

Project number: FWF P32642
Project leader: Werner Goebl
Research institution: Department of Music Acoustics – Wiener Klangstil (IWK)
University of Music and Performing Arts Vienna
National Research Partner: Gerhard Widmer
Austrian Research Institute for Artificial Intelligence (OFAI)
Cooperation Partner: Laura Bishop, RITMO, University of Oslo
Date of approval: 24.06.2019
Project start: 01.03.2020 (planned)
Project end: 29.02.2023
Scientific areas: Psychology (70%)
Computer Science (15%)
Music (15%)
Keywords: musical expression, interpersonal interaction, ensemble performance, creativity, group flow, music perception
Project data: tba.

 

Stellenausschreibungen: Post-doc, Prae-doc (to come). 

Kurzfassung

Kreativität beim Musizieren wird von den beteiligten Künstlerinnen und Künstlern gemeinsam erzeugt, aber auch vom anwesenden Publikum, das die entstehende kreative Qualität implizit beurteilt. Während der Aufführung durch ein Musikensemble wird die gesamte Kreativität durch die einzelnen Mitglieder eines Ensembles gemeinsam generiert. Die Koordination neuer Ideen ist weitgehend Ergebnis von Echtzeit-Interaktion zwischen den Musizierenden, da diese jeweils auf die sich allmählich entwickelnde musikalische Produktion reagieren. Unter optimalen Auftrittsbedingungen erleben Ensemble-Musizierende eine gesteigerte „Zusammenheit“ (togetherness) – ein Gefühl, kognitiv und musikalisch synchron mit den anderen zu sein. Zwar wurden bereits einige Studien über subjektive Zusammenheitserfahrungen von Musizierenden durchgeführt, aber es ist bisher wenig über die genauen Verhaltenszusammenhänge oder die Wahrnehmung durch das Publikum bekannt.

Dieses Projekt untersucht, wie das subjektive Gefühl des Miteinander mit dem Verhalten während des Musizierens korreliert, sowohl aus der Perspektive der Musizierenden als auch der des Publikums. Wir testen die Hypothese, wonach sich Interperformer-Interaktion in Perioden hoch- und niedrig-beurteilten Zusammenseins unterschiedlich manifestiert. Wir erwarten, dass Merkmale von „hochinteraktiven“ Musizierenden (z.B. Personen mit starker Reaktionsfähigkeit und Expressivität) die kreativen Potentiale der Mitwirkenden fördern. Bestimmte Persönlichkeitseigenschaften der Musizierenden, wie beispielsweise ihr Einfühlungsvermögen (Empathie), die Anwesenheit eines Publikums, die Möglichkeit von visueller Interaktion zwischen den Musizierenden und dem Publikum werden gezielt experimentell manipuliert, um die Auswirkungen auf das Musizieren und das subjektive Zusammenheitsgefühl der Musizierenden und die vom Publikum wahrgenommene Zusammenheit eines Ensembles zu empirisch untersuchen.

Wir erwarten, dass das Publikum durch eine Reihe von Interaktionshinweisen äußerst sensibel die feinen Unterschiede im Zusammensein der Musizierenden wahrnehmen und benennen kann. Wir gehen davon aus, dass die subjektiven Qualitätsbeurteilungen des Publikums positiv mit den Zusammenseins-Bewertungen der Musizierenden zusammenhängen. Wir erwarten auch, dass spezielle Interaktionssignale dazu beitragen, die Erinnerung der Zuschauer für das Musikstück so zu strukturieren, dass die Musik selbst eine andere Bedeutung für sie bekommt.

Das Projektteam wird diese Hypothesen durch eine Reihe von empirischen Studien testen. Mit einem Duo-Performance-Paradigma untersuchen wir die Interaktions-Erscheinungsformen zwischen den Musizierenden und deren Erfahrungen mit dem subjektiven Gefühl des Zusammenseins unter kontrollierten Performance-Bedingungen. In einer separaten Studie, die ein Mensch-Computer-Interaktionsparadigma verwendet, werden wir testen, wie die Bereitschaft der Musizierenden, sich kreativ mit einem Co-Performer auseinanderzusetzen, je nach Reaktionsfähigkeit, Expressivität und motorischem Engagement des Co-Performers variiert (der in diesem Paradigma ein Computer ist). Schließlich werden mehrere Studien die Wahrnehmung und die Erinnerung des Publikums für Interaktionssignale, die Zusammenheits-Beurteilung von Ensembles und die ästhetische Qualität evaluieren.

Dieses Projekt ist die erste groß angelegte empirische Untersuchung zu subjektiv erlebter Zusammenheit innerhalb von Ensemble-Performance. Das Projekt wird methodische und technologische Innovationen hervorbringen, darunter ein künstliches (Computer-)Begleitsystem, das visuell und expressiv mit der Benutzerin, dem Benutzer interagiert.

 

 

Finanziert vomFWF – Der Wissenschaftsfonds