Lectures for Future WS 2026/27 | 2. Block
Mi, 11.11..2026 | 17.30–20.00
Ort: spiel|mach|t|raum S0225, mdwCampus, Anton-von-Webern-Platz 1, 1030 Wien
Performing Great Transformations
ökonomische Narrative über Klimawandel und Authoritarismus
Eigentlich wollte der Sozioökonom Karl Polanyi sein Hauptwerk aus dem Jahr 1944 „The Fascist Transformation“ nennen, denn darin leitet er her, inwiefern der ökonomische Liberalismus, der die industrielle Revolution geprägt hat, Schuld daran hat, dass in Deutschland die Nationalsozialisten an die Macht gekommen sind. Das Buch heißt jedoch „The Great Transformation“ – ein Begriff, der immer wieder aus dem Kontext genommen und auf große wirtschaftspolitische Umwälzungen statt auf ihre Verbindung mit Faschismus angewendet wird. Damit verliert er an Kraft und Scharfsinnigkeit – und an Relevanz für die heutige Situation, in der wir nicht nur ein Erstarken rechter Kräfte weltweit beobachten, sondern vor allem unglaublich zerstörerische ökologische Verwerfungen erleben und erwarten. Mittendrin: Ökonom*innen, die sich als liberal (und somit alles andere als faschistisch) verstehen, aber mit ihren Narrativen von Freiheit und Markt die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen legitimieren. Mithilfe von Polanyis Analyse dekonstruiert Nora Dornis in ihrem Vortrag diese Zusammenhänge im Sinne einer antifaschistischen Ökonomik.
Nora R. Dornis ist Ökonomin am Institut für räumliche und sozial-ökologische Transformationen der Wirtschaftsuniversität Wien und forscht zu den Themen antifaschistischer Wirtschaftspolitik und demokratischer ökonomischer Planung.