anintegrationofrapmusicandneuemusik

An Integration of Rap Music and Neue Musik, TIAN FU - AR Pilot call

This artistic research project is centered on the integration of two fields of music — rap music and
Neue Musik (European art music in the 21st-century). The idea came out of my identity: On the one
hand, I am a composer, who received systematic training of European art music (composition,
piano, and music theory); on the other hand, I am an emcee (rapper), a beat maker, who engaged in
rap music since teenage. Instead of stressing on the opposition between art music and popular
music, this project aims to find intersections and to explore the possibilities of comprehension and
interaction.

 

In order to avoid the contextual confusion, I restrict the viewshed of my research within the
scope of Chinese Rap and the “Neue Musik” that I understand based on my knowledge system. So,
on this basis, the central questions of my project are: What are the distinctions and commonalities
of the creative artistic practices, representations, appreciations, disseminations and receptions
between the two fields of music? And how do they affect my artistic practices?
To answer the questions above, on one hand, I attempt to integrate the musical materials and
compositional techniques from two fields in my artistic practices. On the other hand, the method of
auto-ethnography will be implemented to discover how the aesthetic decisions are made during the
compositional process based on my identity and knowledge system. Lastly, the feedbacks of my
works from the colleagues and audience will be collected and discussions/talks will be organized in
order to finally establish a dynamic system: creative practices — self-reflection — feedbacks from
“outside world”.

 

Keywords: rap music, Neue Musik, integration, artistic research, auto-ethnography, creative
practices

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gegendasgedaechtnistheater

Gegen das Gedächtnistheater. Jiddische Lieder jenseits von Kitsch und Stereotyp - AR Pilot call

Isabel Frey & Benjy Fox-Rosen, Music and Minorities Research Center

 

Das Projekt “Gegen das Gedächtnistheater. Jiddisches Lied jenseits von Kitsch und Stereotyp“ ist eine Exploration und Dekonstruktion der verschiedenen Arten wie Jüdisch-sein in Aufführungen von jiddischen Liedern repräsentiert und verkörpert wird mithilfe von ethnographischer Forschung und musikalischer Performance.

In Österreich und Deutschland gibt es eine ganze Reihe an Erwartungen an Performer*innen, Repertoire und Art wie Jüdisch-sein auf der Bühne repräsentiert wird. Der Soziologe Michal Y. Bodemann nennt dieses Phänomen, in dem jüdische Teilnahme im öffentlichen Leben eine Rolle im post-nationalsozialistischen deutschen Narrativ spielt, das Gedächtnistheater (Bodemann 1996). Im Gedächtnistheater wird die Vielfalt und die Komplexität jüdischen Lebens instrumentalisiert und auf eine Nebenrolle im deutschen oder österreichischen politischen Narrativ reduziert. Die Aufführung jiddischer Lieder und des kulturellen Erbes aschkenasischer Jüdinnen* und Juden sind ebenfalls von diesem Phänomen betroffen. Oft wird jiddische Musik und Kultur durch nostalgische Tropen vom traditionellen Leben im „Shtetl“, stereotypische Bilder von “Ostjuden” und der Zerstörung durch die Shoah repräsentiert. Solche Aufführungen jiddischer Musik bestärken oft hegemoniale Narrative, anstatt dass sie jüdische Minderheiten in Österreich und Deutschland ermächtigen.

In diesem künstlerischen Forschungsprojekt reflektieren die jiddischen Musiker*innen Isabel Frey und Benjy Fox-Rosen über ihre Versuche das Gedächtnistheater durch ihre künstlerische Praxis herauszufordern. Basierend auf ihren Erfahrungen vergangener Aufführungen sowie Theorien aus Performance Studies, Jewish Studies und der Ethnomusikologie, entwickeln sie ein künstlerisches Programm, welches Musik, Text und visuelle Projektionen zusammenbringt. Dieses Programm steht im Zentrum des Forschungsprojekts; es wird in unterschiedlichen Settings und vor verschiedenem Publikum aufgeführt. Das Projekt wird durch auto-ethnographische Forschungsmethoden (siehe Bartleet 2021) und audiovisuelle Aufnahmen dokumentiert und im Research Catalogue publiziert. Das endgültige Ziel des Projekts ist ein Förderantrag für das PEEK Programm des FWF im Frühling 2023, welcher auf den Ideen und Konzepten des Pilot Projekts aufbauen wird.

 

 

Bartleet, Brydie-Leigh. “Artistic Autoethnography: Exploring the Interface between Autoethnography and Artistic Research.” In Handbook of Autoethnography, edited by Tony E. Adams, Stacy Holman Jones and Carolyn Ellis, pp. 133-145. New York: Routledge, 2021.

Bodemann, Y. Michal. Gedächtnistheater: die jüdische Gemeinschaft und ihre deutsche Erfindung. Hamburg: Rotbuch-Verlag., 1996.

 

https://musicandminorities.org/projekte/challenging-the-theater-of-memory/

 

 

Benjy Fox-Rosen (Los Angeles, 1984) lebt als Sänger, Bassist und Komponist in Wien. Er ist Dirigent des Wiener Stadttempel-Chores, der Kantor Shmuel Barzilai wöchentlich begleitet. Als Sänger und Kontrabassist ist Fox-Rosen bei Celebrate Brooklyn (USA), dem Chicago World Music Festival (USA), den Wiener Festwochen (AU) und dem Krakow Jewish Festival (PL) sowie vielen anderen Festivals und Spielorten in Amerika und Europa aufgetreten. Er hat Workshops für jiddische Musik unter anderem beim Klezkamp, KlezKanada, dem New England Conservatory und dem Yiddish Summer Weimar geleitet. Als Komponist hat er Aufträge für Chor-Stücke, künstlerische Interventionen und Klang-Installationen durchgeführt und hat drei Aufnahmen mit seiner eigenen Musik veröffentlicht. Zwei davon wurden durch den Forward unter die Top-Five der jüdischen Musik-Alben des Jahres platziert.

Fox-Rosen studiert Musikwissenschaft an der Universität Wien, wo er derzeit seine Masterarbeit über die musikalische Praxis des Chores in dem Wiener Stadttempel schreibt. Dieses Projekt benutzt ethnographische Forschungsmethoden um musikalische Änderung, meaning und Kontinuität zu erforschen. Fox-Rosen hat auch wissenschaftliche Reflexionen über seine eigene künstlerische Praxis veröffentlicht, mit dem Fokus auf Übersetzung in der Aufführung jiddischer Lieder in der deutschsprachigen Welt.

 

Isabel Frey ist jiddische Sängerin und Doktorandin im Strukturierten Doktoratsprogramm “Music Matters” an der mdw. Sie hat ein abgeschlossenes Studium in Medizinanthropologie und Soziologie, ein Feld in dem sie auch peer-reviewed Artikel publiziert hat. Ihr aktuelles Forschungsprojekt behandelt die politischen Dimensionen jiddischen Liedes, die zeitgenössischen Praktiken mündlicher Überlieferung und aktuelle Entwicklungen in der Schaffung neuer jiddischer Lieder. Ihr Projekt verbindet ihre Leidenschaft für jiddische Musik mit der Anthropologie des Körpers und der Stimme sowie mit ethnomusikologischer Minderheitenforschung. Es ist zwischen Ethnomusikologie, Kulturwissenschaft und Gender Studies verortet, bezieht sich aber auch auf die Felder der Jewish, Yiddish und diaspora studies. In ihrem Dissertationsprojekt verknüpft sie auch ihre künstlerische Arbeit mit ihrer Forschung, indem sie ethnografische Feldforschung auf jiddischen Musikfestivals betreibt, für die sie auch als Künstlerin Stipendien erhalten hat. Das Artistic Research Pilot Project „Gegen das Gedächtnistheater. Jiddische Lieder jenseits von Kitsch und Stereotyp“ ist ein weiterer Schritt in diese Richtung der Verknüpfung von Forschung und künstlerischer Praxis.

Als Musikerin fokussiert sich Isabel Frey auf revolutionäre jiddische Musik und bringt so die Tradition der jüdischen sozialkritischen Bewegungen weiter auf Konzertbühnen und bei politischen Protesten. Sie tritt regelmäßig entweder als Solistin oder in ihren diversen Ensembles auf, wie zum Beispiel im Duo Soveles oder dem Isabel Frey Trio. Sie ist schon auf mehreren internationalen Festivals und Veranstaltungsstätten aufgetreten, wie zum Beispiel beim KlezMORE Festival Bratislava, beim Singera Festival in Warschau oder beim Willy Brandt Center in Jerusalem. Im September 2020 veröffentlichte sie ihr Debütalbum “Millenial Bundist” mit jiddischen Revolutions- und Widerstandsliedern. Für den Zeitraum 2023/2024 wurde sie für das New Sound of Austrian Music (NASOM) Förderprogramm des österreichischen Außenministeriums ausgewählt. Interviews und Reportagen über ihre künstlerische Tätigkeit sind in diversen nationalen und internationalen Medien, wie z.B. Radio Ö1, ORF2, Deutschlandfunk, Ha’aretz und InGeveb erschienen. Außerdem ist sie die Gründerin und Obfrau des jiddischen Kulturvereins “Friling”.

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etudesforliveelectronics

Études for live-electronics (PEEK-Projekt)

Abstract:

Wider arts-based research context:

Études for live-electronics is an artistic research project that aims to re-define the western classical music-influenced concept of études, by applying it to the diverse practices in the field of electronic music performance, where most live-electronic practitioners (LEP) are simultaneously instrument developer, interface designer, composer, and performer. Practising études is a fun method to gain skills on acoustic instruments. However, with electronic instruments, the interface and the sound generator are decoupled, interchangeable, and instrument parts can even be driven algorithmically. Thus, the skills required by each LEP are unique, and research on knowledge transfer in electronic music performance is subsequently needed, a shortcoming, that is often discussed in the community for New Interfaces for Musical Expression.

Objectives:

With the overall aim to develop an agile concept of études, we will test the hypothesis that its core element – the encounter with a problem through repetition and slight variation – can be transferred to a multi-culturally driven, collaborative research procedure, that facilitates knowledge exchange through the practice of live-electronic music performance creation. Our goal is to build a community of key agents in the field that will study the acquisition and transference of skills and implement actions to share this knowledge.

Approach:

With cyclically recurring, artistic experiments in collaboration with practitioners from diverse backgrounds, such as sound artist KMRU aka Joseph Kamaru (Kenya), composer Trinh Luong Hue (Vietnam), music technologist Bernt I. Wærstad (Norway) and interaction designer Astrid Bin (UK), we will explore new methods to create skill-derived electronic instruments, historically-informed repertoire and collaborative live-electronic performances. For a multi-cultural perspective, the artistic research team will be in dialog with local music scenes in East Africa, Southeast Asia and Europe, giving public workshops and concerts in collaboration with international partner institutions. From the data collected during these actions, we will formulate a new understanding of études, applicable to live-electronic instruments of the 21st century.

Innovation:

This project will lead to methodological innovations for the development of electronic instruments and related repertoire, represents the first long-term investigation of how LEPs develop embodied knowledge with electronic instruments, and will, furthermore, explore new forms for the preservation of computer music works, by establishing an active musical live-performance practice around them.

Primary staff involved:

The project will run under the supervision of Alex Hofmann, working together with two PhD students at the University of Music and Performing Arts Vienna (mdw), in a strong collaboration with Karlheinz Essl from the Department for Composition (mdw).

 

Network of national and international cooperations:

 

Project Website

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confrontingrealities

Confronting Realities. Arbeit an filmischen Autosoziobiografien (PEEK-Projekt)

Aufbauend auf Arbeiten, die sich dem Feld der literarischen Autosoziobiografie zuordnen lassen (A. Ernaux, 2008; D. Eribon, 2009; J.D. Vance, 2016; u.a.) – eine Autosoziobiografie ist eine Autobiografie, die im Hinblick auf soziale Klasse sowie größere historische Entwicklungen geschrieben und kontextualisiert wird – fragt Confronting Realities aus künstlerisch-wissenschaftlicher Sicht, wie das Format einer filmischen Autosoziobiografie exploriert, beschrieben und produziert werden kann, insbesondere mit Blick auf den grundlegend kollaborativen Charakter des Filmemachens.
Das Hauptziel des Projekts ist die künstlerisch-wissenschaftliche Erforschung, Beschreibung und Produktion von filmischen Autosoziobiografien.
Das Projekt ist auf vier Ebenen angelegt: Ebene (1) der autosoziobiografischen Exploration, die „Exploration Groups“ bilden wird – das „Laboratorium der filmischen Autosoziobiografien“ (LAFA). Das Ziel des LAFA ist es, Wege zu suchen und zu erforschen, wie (Auto-)Soziobiographien aus einer kunstbasierten Perspektive zugänglich gemacht sowie kontextualisiert werden können. Die Ebene (2) der filmischen Formate und Techniken beabsichtigt, Narrative und Techniken filmischer Autosoziobiografien zu entwickeln und in filmische Formate zu übersetzen. Ebene (3) der interdisziplinären und theoretischen Kontextualisierung möchte einen fundierten Konnex schaffen zwischen kunstbasierter, theoretischer und interdisziplinärer Forschung über Autosoziobiografien, filmischen Formen und kollaborativen Strategien der Kunstproduktion. Ebene (4) der Reflexion und Evaluation bildet den reflexiven Rahmen rund um das gesamte Projekt. Parallel zu diesen Ebenen entsteht das „Digitale Archiv für filmische Autosoziobiografien“ (DAFA) als Repräsentations- und Dokumentationsplattform für die kontinuierliche Verbreitung, transdisziplinäre Vernetzung und Dokumentation des Projekts.
Bislang wurde das Feld der filmischen Autosoziobiografien weder theoretisch noch praktisch erforscht, obwohl mehrere verwandte filmische Formate existieren. Confronting Realities verspricht daher Pionierarbeit auf diesem Gebiet zu leisten. Darüber hinaus ist in Zeiten eines weltweiten Rechtsrucks, der durch einen Anstieg von Nationalismus und Populismus gekennzeichnet ist, die Frage nach den sozialen Klassen und ihren kulturellen, ökonomischen und politischen Veränderungen sowie deren Einschreibungen in individuelle Biographien wieder besonders aktuell geworden.
Projektteam | Nina Kusturica, Elena Meilicke, Claudia Walkensteiner-Preschl (Projektleitung), Christina Wintersteiger, Barbara Wolfram
Laufzeit | September 2021 bis September 2024
Finanzierung | FWF PEEK (AR 628)

 

WEB

confrontingrealities
atlasofsmoothspaces

Atlas of Smooth Spaces (PEEK-Projekt)

Atlas glatter Räume – Notieren, Kommunizieren und Komponieren von Räumen in audio-korporalen Praktiken

 

  1. Theoretischer Rahmen

In diesem künstlerischen Forschungsprojekt untersuchen wir, wie Raumphänomene in audio-korporalen künstlerischen Praktiken notiert, kommuniziert und komponiert werden. Wir bearbeiten diese in vier Disziplinen: Tanz, Rhythmik, Chor.Leiten und Originalton (Film).

Im Gegensatz zu musikalischen, choreografischen und raumtechnischen Notationen sind Raumphänomene in den audio-korporalen Praktiken

eher selten notiert, obwohl der Raum sie verbindet. Die Arbeit an einem Atlas der Raumqualitäten thematisiert diese Lücke. Anstatt nur die metrischen Maße von Räumen ohne den*die Performer*in zu kommunizieren, geht es uns stattdessen um emergente Raumqualitäten von glatten Räumen, die nicht ohne den*die Interpret*in existieren.

 

  1. Hypothesen / Forschungsfragen / Zielsetzungen

Wir werden jede der vier Disziplinen miteinander vergleichen und kontrastieren, um zu untersuchen, wie räumliche Phänomene übersetzt, kommuniziert und für die eigene Praxis intensiviert werden. Wir fragen nach den kinetischen Sphären von zwei Performer*innen wenn ein, e dritte, r hinzukommt. Ähnlich dem Dreikörperproblem in der Physik versuchen wir, diese emergenten Phänomene zu beschreiben. Wie können die komplexifizierten räumlichen Interaktionen der Kinesphären notiert werden? Wie gesättigt wird der Raum, wie fragmentiert, wie synchron?

 

  1. Ansatz / Methoden

Wir führen Experimente durch, bei denen ein glattes Raumphänomen zunächst zu einem klaren räumlichen Ausdruck destilliert und verdichtet wird. Diesen nennen wir den Null-Raum. Er ist der Ausgangspunkt für unsere Untersuchungen und Experimente, die in einem iterativen Prozess von den Performern und einem Komplexitätsforscher mitgestaltet werden. Wir

sehen eine rekursive Pipeline vor, die die Arbeit in Einzel-, Kollisions- und Koproduktionsmodi unterteilt und arbeiten mit einer flexiblen Rollengestaltung. Die Rollen der Performer*innen, Experimentator*innen und Dokumentator*innen sind nicht an Personen gebunden, um einen Wechsel der Perspektiven zu ermöglichen.

 

  1. Innovationsgrad

In Anbetracht der Bedeutung von Räumen in den audio-korporalen Künsten betrachten wir die Entwicklung von transdisziplinären Raumpraktiken und Notationen als unsere wichtigste Innovation. Zweitens glauben wir, dass die

besondere Art der Zusammenarbeit zwischen Performer*innen und einem Komplexitätsforscher zu neuen künstlerischen Methodologien führt. Drittens schaffen wir einen Werkzeugkasten, der auf die intensiven Qualitäten audio-korporaler Raumartikulationen verweist und den disziplinären Bereich der kompositorischen Raumfaktoren für die künstlerische Produktivität vergrößert.

 

  1. Kernteam, das an dem Projekt beteiligt ist

Universität für Musik und darstellende Kunst (mdw)

Complexity Science HUB Wien

Alphabetisch: Rose Breuss (Tanz), William Franck (Direct Sound), Johannes Hiemetsberger (Chor.Leiten), Hanne Pilgrim (Rhythmik).

 

http://www.the-smooth.space/

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creativemisunderstandings

Creative (mis)understandings (PEEK-Projekt)

Dieses Projekt widmet sich der Entwicklung von neuen Umgangsweisen mit Inspiration (welche wir als auf Solidarität basierenden, wechselseitig wertgeschätzten, absichtlichen und reziproken künstlerischen Einfluss betrachten), durch die Kombination von Ansätzen des Komponierens Neuer Musik sowie der Improvisation mit ethnomusikalischer und soziologischer Forschung. Wir ermutigen zu kreativen (Miss)Verständnissen, die aus der Interaktion von Wissenschaft und künstlerischer Praxis hervorgehen, zwischen Europäischer Kunstmusik und Volksmusik sowie nicht-westlichen Stilen, insbesondere von indigenen Minderheiten in Taiwan. Sowohl das Verstehen als auch das Nicht-Verstehen führen zu glücklichen Zufallsentdeckungen und Inspiration, zu neuen Forschungsfragen, innovativem künstlerischen Schaffen und auch zu angewandten Folgeprojekten unter den nicht-westlichen Communities.
Das Projekt geht von zwei Voraussetzungen aus: Erstens tendiert zeitgenössische westliche Kunstmusik als Praxis zu einem gewissen Grad von Elitismus; zweitens wird nicht-westliches musikalisches Wissen oft entweder ignoriert oder geradezu ausgebeutet, wenn es in den Bereich kompositorischer Inspiration kommt. Wir betrachten Inspiration nicht als Einbahnstraße, die einen Input—beispielsweise durch das Aufnehmen oder Herunterladen von Material für den künstlerischen Gebrauch—darstellt. Stattdessen setzen wir uns für jene Art der künstlerischen Interaktion ein, die dialogische und dezentralisierte Wissensproduktion bei musikalischen Begegnungen unterstützt. Das Entwickeln einer interdisziplinären und transkulturellen Methodologie des Schaffens von Musik wird dazu beitragen, einerseits den—zu Recht oder zu Unrecht wahrgenommenen—Elfenbeinturm zeitgenössischer Komposition für soziale Relevanz zu öffnen, und andererseits die Anerkennung künstlerischer Werte in nicht-westlichen Musikpraktiken fördern. Durch das Betonen des wechselseitigen Charakters von Inspiration wird creative (mis)understandings zu gesellschaftlich relevanteren innovativen Methodologien des Schaffens und der Verbreitung bedeutungstragender Musik beitragen.
Die Methoden, welche in dem vorgeschlagenen Projekt angewendet werden, nehmen ihren Ausgangspunkt in der Erkenntnis, dass Menschen, die in nicht-westlichen traditionellen Gesellschaften leben, oft Vorgangsweisen der Wissensproduktion innerhalb des klanglichen Bereiches verwenden, die für zeitgenössische KomponistInnen (abgesehen von exotistischen oder orientalistischen Aneignungen des „Fremden“) meist unbeachtet oder unbekannt sind.
Das Projekt gliedert sich in vier Phasen: Feldforschung und Interaktion mit musikalischen Minderheiten-Communities in Taiwan mit Fokus bei den Tao auf der Insel Lanyu, kollaborative Workshops in Wien, eine Phase der künstlerischen Forschung mit eingeladenen indigenen Taiwanesischen Trainern in Wien und Feld-Feedback wieder in Taiwan. In allen diesen Phasen werden Austausch und Koordinierung zwischen KomponistInnen, ImprovisatorInnen, Musikschaffenden, WissenschaftlerInnen und den Source Communities von wesentlicher Bedeutung sein, nicht nur, um den kreativen Prozess zu reflektieren, sondern auch, um eine starke Wechselwirkung zwischen Schaffen und Gesellschaft zu unterstützen. Re-Interaktion mit den Source Communities im weitesten Sinne ebenso wie die Beteiligung des Publikums werden helfen, die soziale Relevanz der künstlerischen Resultate zu erhöhen.
Die Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (MDW) wird das Projekt beherbergen. Die Mitwirkenden, Johannes Kretz (Projektleiter) und Wei-Ya Lin (Co-Projektleiterin, Wissenschaftliche Mitarbeiterin) mit ihrem Team von zwölf KomponistInnen und fünf wissenschaftlichen BeraterInnen weisen eine weitreichende Erfahrung in den für das Projekt künstlerisch bzw. wissenschaftlich relevanten Gebieten auf.

 

Projekt-Website: www.mdw.ac.at/creativemisunderstandings/

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rottingsounds

Rotting Sounds – Embracing the temporal deterioration of digital audio (PEEK-Projekt)

Rotting sounds / Verrottende Klänge – über den zeitlichen Verfall von digitalem Audio: sich dem Verderben hingeben ist ein Projekt künstlerischer Forschung, das durch das PEEK-Programm des Österreichischen Fonds wissenschaftlicher Forschung (FWF) gefördert wird. Das Projekt AR 445-G24 ist eine Kooperation zwischen der MDW (Projektleiter Thomas Grill), der Unversität für angewandte Kunst (Till Bovermann) und der Akademie der Bildenden Künste (Almut Schilling) und läuft seit Mai 2018 bis zum Jahresende 2021.

Der Großteil des heutigen Medienangebots, Audio wie Video, wird in digitaler Form produziert und gespeichert. Digitale Daten sind vom Mythos der verlustfreien Übertragung und Umwandlung umrankt, obwohl die tägliche Erfahrung beweist, dass Daten einem Verfallsprozess unterliegen, und sich letztendlich auf verschiedene Weise zersetzen. Dies betrifft die Physis von Speichermedien und Abspielgeräten wie auch Medienformate und Software im Kontext ihrer technologischen Infrastruktur. Das Projekt beschäftigt sich mit den Ursachen, Mechanismen und Effekten solcher Verfalls­erscheinungen, speziell im Kontext von digitalen Klängen.

Da Degradation prinzipiell nicht verhindert werden kann, ist es unser wesentlichstes Anliegen, der künstlerischen Praxis verborgene Freiheitsgrade im Umgang mit der Allgegenwart des Verderbens zu offenbaren.

Wie können derartige Phänomene innerhalb der Klangkunst verstanden, ausgelöst, reproduziert, gesteuert und genützt werden? Was sind die Mechanismen und Auswirkungen von Obsoleszenz in Hard- und Software? Wie kann man den Prozess des Verfalls in der digitalen Domäne modellieren und was sind seine Produkte und Überreste? Welches sind die Einflüsse der Umgebung und menschlicher Interaktion? Inwieweit sind künstlerische Werke Produkte ihrer Materialquellen oder ihrer Verfallserscheinungen?

https://rottingsounds.org

rottingsounds
distancing

Social D(ist)ancing – AR Pilot Projekt

Social D(ist)ancing – the development of a networked artistic practice out of confinement

 

Ziel dieses Projektes ist es, wirksame Werkzeuge und Strategien für künstlerische Mitgestaltung von Musik und Tanz über das Internet zu entwickeln.

Unter der Leitung von Hanne Pilgrim und Adrián Artacho startete das Projekt im September 2020 am Artistic Research Center (ARC) der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien mit sechs Rhythmik-Studierenden als TeilnehmerInnen und Tanzwissenschaftlerin Mariama Diagne.

Das Projekt, das sich auf sechs Case Studies stützt, liefert nützliche Einblicke in die Grenzen des Mediums Videokonferenz und wirft gleichzeitig tiefgreifende Fragen auf: Inwiefern können „virtuelle Proben“ —wenn überhaupt— als gleichwertig mit traditionellen, am selben Ort befindlichen Proben angesehen werden? Was ist einzigartig an dieser Art der Zusammenarbeit, die für die künstlerische Praxis relevant ist? Inwiefern bestimmt dieser Umstand das künstlerische Schaffen? Und vor allem, wie können die Grenzen des Mediums neu definiert werden, um der rhythmischen Praxis einen Mehrwert zu verleihen?

 

Projekt Blog: https://sociald-ist-ancing.blogspot.com/p/pilot.html

distancing
RADPerformance

RAD Performance – AR Pilot Projekt

Sonic Environment & Performance – a choral movement with mobile loudspeakers

 

RAD Performance stellt Konzerte und Klangkunst am Fahrrad, in Bewegung und mit einer Vielzahl an Lautsprechern in den Mittelpunkt der künstlerischen Forschung. Unter der künstlerischen Leitung von Conny Zenk startete das Projekt im Juli 2020 als Artistic Research Pilot an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Ausgehend von historischen Zeichnungen und Ansätzen zu partizipativen, fahrradbezogenen Spielformen (Reigenfahren u. Radfahr-Spiele von Josef Adametz, Wien: Kreisel u. Gröger, 1901) entwickelt das künstlerische Team (Petra Sturm, Veronika Mayer, Rahel Kraft und Conny Zenk) eine Choreografie für Radfahrer*innen, sowie grafische Notationen für Musiker*innen als Grundlage für 6-Kanal-Kompositionen. Jeweils sechs RAD Performer*innen bespielen die öffentlichen Plätze mittels mobiler Lautsprecher am Fahrrad. Der akustische, urbane Raum ergänzt, überlagert und erweitert die elektronische Komposition. An der Schnittstelle zu Konzert, Performance und Klangkunst wird das Fahrrad zum künstlerischen Medium.

 

radperformance.at

RADPerformance
MobileBuehne

Mobile Bühne – AR Pilot Projekt

Das Projekt der Mobilen Bühne ist aus einer Zusammenarbeit mit Alba Rastl (Design), Chiara Bartl-Salvi (Performance), Paul Ebhart(Soundkünstler), Felix Huber und Arno Gitschthaler(Maschinenbautechnik) entstanden. Ausgehend von unseren verschiedenen künstlerischen Praktiken, haben wir bereits in vorherigen gemeinsamen Projekten, Arbeiten realisieren und präsentieren können. Aus diesen Erfahrungen haben sich wiederkehrende Interessenfelder geformt, welche sich auch in der aktuellen Arbeit fortsetzen.

 

 

Konzept

Das interdisziplinäre Projekt mit dem Arbeitstitel „Mobile Bühne“ vereint unterschiedliche Bestandteile und Aspekte des klassischen Theaters, wie das Bühnenbild, die Performance, den Klang, sowie das Verhältnis von Betrachtenden und Performenden. Es handelt sich um eine Drehbühne, die sowohl als Ort einer Performance dient als auch als Klanginstallation wirken kann und so konzipiert und geprüft wurde, dass sie für diverse Projekte Externer, weiter verwendet werden kann. Die Arbeit geht vom Gedanken eines inklusiven öffentlichen Raums aus sowie Performance als integraler Bestandteil des alltäglichen, öffentlichen Lebens und sieht diesen als Vorraussetzung. Mittels einer ausgewählten Route sollen verschiedene Orte bespielt werden, welche durch ihre Transitfunktion im Kontext zu einer bestimmten Bewegung stehen. Beispiele: Kreisverkehr, Bahnhof, Parks sowie Orte der Bewegung. Die Miteinbeziehung der Umwelt in diesen Bühnenkörper ist eine zentraler Punkt in den einzelnen Disziplinen. Sie hat Einfluss auf Performance, den Klang, sowie auf das Bühnenbild. So wollten wir den öffentlichen Raum zu unserem Aktionsraum machen. Aufbauend auf dem Bühnenkörper werden wir Teil des Ortes, transformieren und erweitern den Handlungsraum zu einem Bühnenmoment. Unsere Aktion ist eine Anregung Orte zu nutzen, anzueignen und zu konfrontieren und dadurch in einen Dialog zu treten.

 

Hier finden sie eine ausführliche Projektbeschreibung

MobileBuehne

Buch – Knowing in Performing

Knowing in Performing. Artistic Research in Music and the Performing Arts

Der Sammelband ist eine Bestandsaufnahme aktueller Entwicklungen  und Überlegungen zu künstlerischer Forschung in der Musik und den darstellenden Künsten. Dreizehn internationale Beiträge loten die Möglichkeiten prozessualer Wissensproduktion unter Berücksichtigung partizipativer und experimenteller Zugänge aus und untersuchen ihre institutionelle Umsetzung. Wie kann Performance in Erkenntnis verwandelt werden? Was bedeutet es, musizierend und performend zu forschen?

Der von Annegret Huber, Doris Ingrisch, Therese Kaufmann, Johannes Kretz, Gesine Schröder und Tasos Zembylas bei transcript herausgegebene Sammelband basiert auf Beiträgen zum Symposium “Knowing in Performing“ im April 2018 sowie zu den gleichnamigen Ringvorlesungen, die von 2018 bis 2020 an der mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien stattgefunden haben. Im Rahmen der Buchpräsentation im März 2021 hat die Tänzerin, Choreografin und künstlerisch Forschende Efva Lilja Auszüge aus ihrem den Band eröffnenden Statement zum Stand der künstlerischen Forschung gelesen.

PDF „Knowing in Performing“ DOI: https://doi.org/10.14361/9783839452875.

Lesung von Efva Lilja bei der Buchpräsentation von „Knowing in Performing“ DOI: 10.21939/KIP-2021-LILJA

Coverbild: Angelicá Castelló – magnetic room

AR Pilot Call

2018 wurde an der mdw erstmals eine interne Förderung für Pilotprojekte im Bereich der künstlerischen Forschung ausgeschrieben.

Ziel des Calls ist die Weiterentwicklung von Praktiken, Methoden und Diskursen der künstlerischen Forschung im Kontext der an der mdw vertretenen künstlerischen Felder und Disziplinen. Neun vorwiegend transdisziplinäre und kollaborative Projekte im Bereich Artistic Research konnten gefördert werden, und einige der Teams stellten bereits Drittmittelanträge im Rahmen des PEEK-Programms des Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF). Die Projekte wurden aufgrund ihrer innovativen Forschungsfragen und einer entsprechend ausgewiesenen Methode aus über 20 Einreichungen ausgewählt, wobei die künstlerische Praxis einen zentralen Anteil am Forschungsprozess haben sollte. Neben der Drittmittelantragsstellung war ein weiteres Ziel des Pilot Calls die Dissemination der Ergebnisse anhand öffentlicher Aufführungen, Ausstellungen sowie Publikationen, z. B. im Research Catalogue. Der Research Catalogue ist eine Online-Datenbank, die künstlerische Forschungen sammelt, archiviert, veröffentlicht und ausstellt, betrieben von der Society of Artistic Research (SAR), deren Mitglied die mdw ist. So sollte das aktuell durch die Ringvorlesung Knowing in Performing, die laufenden PEEK-Projekte Rotting Sounds und Creative (Mis)understandings sowie die Vorbereitung des künstlerischen Doktorats auf vielfältige Weise in Entwicklung begriffene Feld der künstlerischen Forschung eine weitere Intensivierung und Weiterentwicklung erfahren.

Pilot call im mdw magazin

Weitere Informationen (Forschungsförderung der mdw)

Think Tank

2018 haben am Institut  drei Treffen stattgefunden, zu welchen verschiedene ExpertInnen aus dem Bereich von Artistic Research (AR) eingeladen wurden. Wir sind überzeugt, dass ein intensiver, freier und unvoreingenommener Gedankenaustausch von einer überschaubaren Anzahl von Fachleuten ein wertvolles Werkzeug zur Generierung und Bündelung von Wissen sein kann, und wollen mit dieser Initiative einen qualitätsvollen Beitrag zur Klärung und Positionierung von AR an der mdw leisten.

Anstelle des Versuchs einer Definition von AR – was aus verschiedenen Gründen problematisch wäre – weil gerade das Definieren im Sinne eines Setzens von harten Grenzen dem Wesen der AR widerspricht, präsentieren wir hier zusammengefasst eine Sammlung von Charakteristika von bzw. Indizien für AR und kompilieren eine Reihe von Erfahrungen und Standpunkten, die helfen sollen, AR für die MDW konzeptuell besser zu fassbar zu machen.

 

Think Tank Artistic Research (Dokumentation)