„Wenn ich heute zurückblicke, frage ich mich manchmal, woher ich die Sicherheit hatte, in die große Welt zu gehen“, lacht Anke Schad-Spindler, heute Geschäftsführerin und wissenschaftliche Leiterin bei EDUCULT sowie selbstständige Unternehmerin. Die mdw-Alumna studierte in Deutschland, Italien, England und Österreich, ihre Dissertation zu Cultural Governance wurde mit dem Staatspreis des damaligen Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung ausgezeichnet. „Ich war die erste in meiner Familie, die an einer Universität studiert hat. In meinem Elternhaus wurde großer Wert auf Bildung gelegt und ihr dementsprechend viel Aufmerksamkeit geschenkt. Alles, was mich interessiert hat, wurde mir ermöglicht“, erinnert sich die heutige Universitätslektorin. In Deutschland besucht sie ein klassisches Gymnasium und erhält in der Oberstufe die Möglichkeit einen Kunst-Leistungskurs zu besuchen. „Wir haben in kleinen Gruppen in einem Atelier gearbeitet. Das war eine sehr kreative Zeit, für die ich sehr dankbar bin.“

Ich war als Kind ein Bücherwurm und habe alles gelesen, was ich in die Finger bekommen habe.

Ihre akademische Laufbahn startet Schad-Spindler an der Universität Augsburg. Ihre Studien zur Kulturgeschichte verbindet sie mit einem Erasmus-Aufenthalt an der Universität Pisa. Im Masterstudium European Cultural Policy and Management an der Universität Warwick, England, findet die junge Wissenschaftlerin schließlich ihre heutige Berufung. Um die hohen Studiengebühren dafür aufbringen zu können, jobbt die angehende Wissenschaftlerin ein Jahr lang in verschiedenen Bereichen. 2006 folgt ein Arbeitsangebot als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei dem unabhängigen Forschungsinstitut EDUCULT, das seinen Schwerpunkt auf Kultur, Bildung und Vermittlung setzt. „Ich hatte dort von Anfang an viel Verantwortung und habe schnell Kontakte geknüpft. Es war herausfordernd, aber ich habe auch viel gelernt.“ Nach etwa sechs Jahren möchte sich die Akademikerin wissenschaftlich weiterentwickeln und entscheidet sich für das Studium der Kulturbetriebslehre an der mdw.

Die mdw-Absolventin wurde für ihre Doktorarbeit Cultural Governance in Österreich mit dem Award of Excellence sowie dem Herta & Kurt Blaukopf Award der mdw ausgezeichnet. © Petra Rautenstrauch

Unser Anspruch in der Forschung ist es, auch immer die Vermittlung mitzudenken und Auftraggebende sowie Teilnehmende in Projekte miteinzubeziehen.

Mit Tasos Zembylas findet sie einen PhD-Betreuer, der ihr neue Horizonte eröffnet und zeigt, wie man kulturpolitische Forschung weiterdenken, vertiefen und methodisch verfeinern kann. Auch in ihrer zweiten Betreuerin, Monika Mokre von der Akademie der Wissenschaften, findet sie eine empowernde Unterstützerin. „Dank dieser zwei Betreuenden bin ich gut durch diese anstrengende und stressige Zeit gekommen. Dieses Netzwerk und vor allem die Unterstützung zu haben, hat mir viel bedeutet.“ Während des Doktoratsstudiums kommt es zu einem beruflichen Umbruch. Anke Schad-Spindlers Tochter ist vier Jahre alt, als die angehende Doktorandin mit dem PhD startet. Als Alleinerzieherin lassen sich Studium und Beruf oft schwer vereinen, eine Bildungskarenz und ein Leistungsstipendium der mdw helfen, sich auf das Doktorat zu fokussieren. Kurz nach der Verteidigung ihrer Doktorarbeit im November 2017 kommt in ihrer neuen Partnerschaft ihr Sohn zur Welt. Als hochqualifizierte Wissenschaftlerin und Mutter ist es nicht leicht, im Post-Doc-Bereich Fuß zu fassen, daher entschließt sie sich zur Selbstständigkeit. „Ehemalige Auftraggebende haben mich gefragt, ob ich auch selbstständig arbeiten würde und so habe ich mein eigenes Forschungsunternehmen aufgebaut.“ Als die mdw-Absolventin im Jahr 2024 als Geschäftsführerin zu EDUCULT zurückkehrt, haben sich die Themen und Projekte stark verändert, vor allem in ihrer Größe. Ihre Schwerpunkte liegen auf Wirkungsanalysen von Programmen und Projekten, internationaler Kulturarbeit in Konfliktkontexten sowie Kulturpolitik und Demokratieentwicklung. „Unsere Aufgabe in der angewandten Forschung ist es, passende Methoden zu finden, die zum Kultur- und Bildungsbereich und seinen Spezifika passen. Unsere Empfehlungen sollen anwendbar und praxisrelevant sein, da wir oft angefragt werden, wenn Programme noch laufen und entsprechend verändert bzw. angepasst werden können.“ Besonders wichtig sei es, die Auftraggebenden dabei in die Projekte miteinzubeziehen und auf eine fachgerechte, aber verständliche Sprache zu achten. In der Vermittlung von Forschung sieht die erfahrene Wissenschaftlerin noch einige Entwicklungsmöglichkeiten, wie etwa den Einsatz von diversen Medien oder datenbasiertes Storytelling. „Es ist wichtig, für neue Methoden offen zu bleiben, sei es in der Erhebung, der Analyse oder der Darstellung. Routinen und Standards bilden eine wichtige Grundlage, sollten jedoch Raum für kreative Ideen lassen.“

Ich möchte junge Leute zum Forschen bringen und ihnen den Spaß daran vermitteln.

Seit 2006 bearbeitet Anke Schad-Spindler internationale Forschungs- und Beratungsprojekte an der Schnittstelle von Kultur, Bildung und Politik. © Markus Waches

Als erfahrene Forscherin und Geschäftsführerin engagiert sich Anke Schad-Spindler nicht nur in fachlichen Gremien, wie der österreichischen UNESCO-Kommission, sondern gibt ihr Wissen auch an nachfolgende Generationen weiter. Bereits seit 2023 leitet die kompetente Lektorin am Institut für Kulturmanagement der mdw ein Modul zum Thema Publikumsforschung. Dabei versucht sie Studierende zu ermutigen, eigene Forschung zu betreiben und sich dabei von ihrer Schwellenangst zu lösen. „Eine Studentin hat die Besucher_innen eines Programmkinos mit Forschungstagebüchern ausgestattet. Aus den Ergebnissen konnte sie dann Handlungsempfehlungen für das Kino ableiten“, erzählt die Lehrende begeistert von einem der vielen spannenden Projektideen. „Mir ist es wichtig, Studierende dabei zu begleiten, eigene Ideen und Projekte zu entwickeln, ohne dabei herumzudirigieren. Wenn ich gebraucht werde, bin ich da, aber sie müssen ihre eigenen Erfahrungen machen dürfen.“

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