Anregungen für die Gestaltung hilfreicher Lehr-Lern-Settings
 

am Beispiel von Neurodivergenz: ADHS

Herausforderung

Lösung

enger Zeitplan, daher keine Zeit fürs Überziehen, aber weder Student:in noch Lehrkraft haben Stundenende im Blick (was zu Schwierigkeiten für die Student:in führt, der:die dann zu spät zu nachfolgenden LV kommt)

Wecker

Student:in stellt in Absprache mit Lehrkraft einen Wecker

= beide können sich ganz auf den Unterricht konzentrieren, und Student:in kommt pünktlich zur nachfolgenden LV

Student:in startet sehr spät mit dem Erledigen der Aufgaben (am Vorabend oder zwei Tage vorher)

kleine Portionen

es wird eine Zwischenabgabe nach der Hälfte der Zeit vereinbart

= Student:in beginnt früher mit dem (ersten) Erledigen der Aufgabe (hier: Üben)

Student:in weiß nicht mehr, was vereinbart wurde, erinnert sich nicht an die genaue Aufgabenstellung

Vereinbarungen schriftlich für beide einsehbar und praktikabel (digital) festgehalten

Student:in und Lehrkraft halten Absprachen und Aufgabenstellung während des Unterrichts in ihrem WhatsApp-Chat fest
 

= beide können jederzeit nachschauen, was wie vereinbart wurde

Student:in bekommt drei Stücke, die parallel erarbeitet werden sollen

Reduzierung; serielles Vorgehen

es wird auf ein Stück reduziert, das dafür intensiver bearbeitet wird

= Student:in kann sich auf ein Stück fokussieren

Student:in weiß nicht, wie er:sie mit seiner:ihrer möglichen Nervosität beim Konzert umgehen soll und ob er:sie Medikament nehmen soll, da dieses die Konzentration fördert, die Nervosität jedoch erhöhen könnte

Proberaum / Probehandlung

Student:in kann im Rahmen eines Klassenabends ausprobieren, wie es mit/ohne Medikament geht

 

= Student:in erlebt in einem kleineren und sichereren Umfeld, wie sich die beiden Alternativen anfühlen, und kann dann für das Konzert entsprechend adaptieren

Aufgabenstellung zu einem Stück umfasst vier Teilbereiche, die parallel zu erarbeiten sind;
Student:in weiß nicht, wo er:sie beginnen soll

1+(2,3,4,…)-Methode

Studentin beginnt mit Aufgabenstellung 1 und ergänzt 2 erst dann, wenn 1 funktioniert; 3 kommt dazu, wenn 2 sitzt,…

 

= Student:in kann sich auf eine Aufgabe konzentrieren, bis diese gemeistert wird

An manchen Tagen ist es aufgrund des dichten Stundenplans und anderer Dinge nicht möglich, die 40‘-minütige Übungseinheit durchzuziehen.

Plan A (für reguläre Tage)

Plan B (für zeitlich enge Tage)

An regulären Tagen wird wie vorgesehen geübt.

Für zeitlich enge Tage gibt es Alternativen, die unterwegs oder zwischendurch auf der Couch gemacht werden können und weniger Zeit benötigen (bspw. eine bestimmte Stilrichtung intensiv anhören; einen bestimmten Rhythmus klatschen;…)

 

= Auch an engen Tagen erfolgt eine Beschäftigung mit dem Unterrichtsgeschehen.

Es gibt kleine Erfolgserlebnisse statt eines schlechten Gewissens und/oder Scham.

Allgemeine Tipps für eine erfolgreiche Lehr-/Lernbasis:

Wenn Sie einer_m Studierende_n mit Behinderung Ihre Hilfe anbieten, fragen Sie zuerst nach, wie Sie helfen können.
Er_Sie wird Ihnen mitteilen, ob und welche Art der Unterstützung er_sie braucht. Auch Sie können durch Ihre eigene Empathie auf den_die Studierenden eingehen, sollten dabei aber immer darauf achten, persönliche Grenzen nicht zu verletzen – so können Fehlinterpretationen vermieden und eine gemeinsame Lehr-/Lernbasis geschaffen werden.

 

Tipps für den Umgang mit Betroffenen:

- Klarheit in Zielen, Inhalten und Prozessen, Komplexität reduzieren (hilft z.B. bei Ablenkbarkeit, Herausforderungen beim Verstehen verbaler Sprache, der kognitiven Flexibilität)

= Klare Absprachen fördern ein Gefühl des gegenseitigen Verständnisses und der Sicherheit. Missverständnisse können vermieden und auf die gemeinsame Verständnisbasis referiert werden. Ambige Informationen können hingegen Kreativität und eigenständiges Lernen fördern, hier ist ein individuell angepassten Maß zu finden um besten Lernerfolg zu ermöglichen.

 

- Alternative Lernkanäle anbieten: Anweisungen z.B. visualisieren / schriftlich festhalten (hilft z.B. bei Teilleistungsschwächen, Problemen beim Verstehen von Sprache)

= Studierende mit Teilleistungsschwächen oder dem Verstehen von Sprache kann so geholfen werden, ihre Defizite auszugleichen und Informationen auf alternativem Wege aufzunehmen und zu speichern. Dadurch können Barrieren des Lernens reduziert und individuelle Lernwege und Lernerfolg ermöglicht werden.

 

- ‚Lernhäppchen‘: Teilziele und Struktur ermöglichen, Stärken und Schwächen fördern (hilft z.B. bei ASS, ADHS)

= Ein harmonischer Ausgleich von Kompetenzdefiziten und gezielte Würdigung individueller Vorzüge ist die Stärke vieler erfolgreicher Arbeitsteams. Gleichzeitig sollte in einem Lehr-/Lernsetting ausreichend Platz dafür sein, an individuellen Kompetenzen zu arbeiten und größtmögliche Selbstständigkeit zu erreichen.

 

- Üben und Auswendiglernen: kanalreduziertes Üben (Üben mit rotierender Aufmerksamkeit), aber auch Üben mittels mehrerer Sinne / multisensorisch (z.B. farbliches Markieren und das Strukturieren von Noten, Einbezug des Körpers, Lernen in mehreren Verständnisschichten: eine Harmonie in kognitivem, motorischem, auditivem und visuellem Lernen herstellen) (hilft z.B. bei Legasthenie, Auftrittsangst, fördert kognitive Flexibilität)

= Das Üben auf breiter Basis fördert Sicherheit und Informationen können vielschichtig und langfristiger gespeichert werden.

 

 

Bei spezifischen Herausforderungen wenden Sie sich im speziellen Fall für weiterführende Informationen an die Koordinationsstelle für barrierefreies Studieren der mdw.