Die Geschichte der mdw

 

Die Vorgeschichte
 

Anfang des 19. Jahrhunderts erfolgten die ersten öffentlichen Aufrufe zur Errichtung eines musikalischen Konservatoriums in Wien.

In einer 1811 erschienenen "Skizze einer musikalischen Bildungsanstalt für die Haupt- und Residenzstadt des österreichischen Kaiserstaates", forderte man eine "öffentliche, vom Staate feyerlich instituirte, und geleitete Anstalt".

Diese Überlegungen führten bereits ein Jahr später zur Gründung der Gesellschaft der Musikfreunde des österreichischen Kaiserstaates, die zur Trägergruppe der Institutionalisierung der Musikausbildung in Wien werden sollte.

Zeitstrahl_Geschichte der mdw

Texte und Bilderauswahl: Lynne Heller, Erwin Strouhal
Grafik: ©Sandra Bruckschwaiger

Klicken Sie auf das Bild, um es zu vergrößern (1,7 MB)

 


Stationen in der Geschichte der mdw

von Dr.in Lynne Heller
 

Das Konservatorium bis zur Revolution (1817 – 1848)

 

Die ersten Pläne der Gesellschaft waren ehrgeizig und orientierten sich am Pariser Conservatoire, das 1795 als erste staatlich unterstützte Musikerziehungsanstalt in Europa gegründet worden war. Doch konnte man in Wien zunächst lediglich eine auf vier Jahre konzipierte Singschule mit 24 SchülerInnen eröffnen.

Die Gründung der Lehranstalt wurde unter der Voraussetzung genehmigt, dass die Präparandenzöglinge der öffentlichen Schulen (= LehramtskandidatInnen) am Gesangsunterricht teilnehmen durften und die Kirchenmusik gefördert werden sollte.

Da die LehrerInnen und KirchenmusikerInnen in den Dörfern und den kleineren Städten häufig die einzigen Förderer der Musik in Gesellschaft, Haus und Kirche waren, legte die Schulbehörde – und damit der Staat – zunehmend Wert auf ihre Ausbildung. 1819 wurde der erste Instrumentalunterricht (Violine) aufgenommen, bis 1827 folgte der Konservatoriumsbetrieb in den meisten Orchesterinstrumenten.

Von Anfang an war die finanzielle Situation sehr schlecht. Bis 1829 wurden sämtliche SchülerInnen zwar unentgeltlich unterrichtet, aber auch die Einführung von Schulgeld konnte die angespannte Lage nicht retten: 1837 stand das Konservatorium praktisch vor dem Bankrott.

Zwei Gesuche um Übernahme durch den Staat wurden zwar abgelehnt, doch erhielt das Konservatorium ab 1843 staatliche Subventionen. Infolge der Revolutionsereignisse 1848 musste das Konservatorium geschlossen werden.

Das Konservatorium von der Wiedereröffnung bis zur Verstaatlichung (1851 – 1909)

 

Nach der Niederschlagung der Revolution gab es 1851 sowohl staatliche als auch städtische finanzielle Unterstützung. Das Konservatorium erlebte einen Aufschwung, doch entbrannte innerhalb der Gesellschaft ein Disput um die eigentliche Aufgabe des Konservatoriums: auf breiter Ebene Grundunterricht zu erteilen oder die beschränkten Ressourcen für eine geringe Zahl fortgeschrittener SchülerInnen zu verwenden. Erste Rufe nach einer „Hochschule“ wurden laut.

Die Zahl stieg kontinuierlich: 1854 gab es 190 SchülerInnen, 1890 näherte sie sich mit 965 erstmals der 1000er-Marke.

1896 ereignete sich einer der großen Einschnitte in der Geschichte der musikpädagogischen Ausbildung in Österreich: am Konservatorium wurden LehrerInnenbildungskurse eingeführt.

Bereits 1863 war eine staatliche Prüfungskommission errichtet worden mit dem Recht, staatliche Zeugnisse für die Konzession zur Errichtung von Privat-Musiklehranstalten und für das Musiklehramt an öffentlichen Schulen auszustellen. Die Reifezeugnisse der neu eingeführten Kurse wurden den Staatsprüfungen für Musik gleichgestellt.
 
Obwohl die Staatssubventionen laufend erhöht wurden, war der private Verein bald nicht mehr imstande, die horrend steigenden Ausgaben aus eigenen Mitteln zu tragen. Gerade im Hinblick auf die LehrerInnenbildungskurse war ab 1896 zunehmend Druck auf den Staat entstanden, seine Verantwortung für die Ausbildung auszuweiten, auch hatten die Subventionen bereits eine Höhe erreicht, dass die lediglich begleitende Kontrolle der Behörde nicht mehr im Einklang mit ihrem finanziellen Beitrag stand.

Mit Entschließung des Kaisers wurde das Konservatorium mit 1. Jänner 1909 verstaatlicht.

Von der k.k. Akademie bis zum Anschluss (1909 – 1938)

 

Die Verwaltungsstruktur der neuen „k.k. Akademie für Musik und darstellende Kunst“ sah einen vom Ministerium eingesetzten Beamten als Präsidenten vor, dem ein künstlerischer Direktor und ein Kuratorium zur Seite gestellt wurden. Der Präsident wurde gleichzeitig mit einer Reihe anderer leitender Funktionen auf musikalischem Gebiet betraut und nahm damit eine Spitzenposition in der österreichischen Musikpolitik ein.

Nach dem Zusammenbruch der Monarchie kam es zu einer Neuorganisation der Akademie: die von der Lehrerschaft geforderte Mitbestimmung in künstlerischen und pädagogischen Fragen wurde eingeführt. Zum Direktor wurde der bekannte Dirigent Ferdinand Löwe von der Lehrerschaft gewählt. Ihm standen vier Fachgruppenvorsteher zur Seite, weiters waren Fachgruppenkollegien und ein akademischer Senat mit Aufgaben betraut.

Einer der ersten Beschlüsse betraf die Einführung von Fortbildungs- und Volkshochschulkursen, um die musikalische Bildung breiter Volksschichten Wiens zu steigern.

1922 übernahm Joseph Marx die Leitung der Akademie. Um die ungebrochene kulturpolitische Bedeutung des nun so viel kleineren Landes zu dokumentieren, um nicht hinter den Musikhochschulen im Ausland zurückzustehen und um die Gleichwertigkeit der musikalischen Ausbildung auf höchster Stufe mit den Hochschulen bzw. Universitäten zu unterstreichen, betonte er die Notwendigkeit, die Akademie in den Hochschulrang zu erheben. 1924 konnte an der neu gegründeten Fachhochschule für Musik, an der nun die letzten zwei Jahrgänge der früheren Akademieausbildung untergebracht waren, der Unterricht aufgenommen werden. Die organisatorische und personelle Verflechtung von Akademie und Hochschule führte allerdings zu ständigen Reibereien. 1931 wurde die Fachhochschule wieder aufgelassen und die entsprechenden Jahrgänge wurden in die Akademie zurückgeführt.

1928 erfolgten zwei bedeutende Neuerungen im Rahmen der Hochschule: die Gründung des Schauspiel- und Regieseminars unter der Leitung Max Reinhardts und die Errichtung des Musikpädagogischen Seminars mit einem viersemestrigen Lehrgang.

Die künstlerische, finanzielle und administrative Führung des wieder entstandenen Gesamt-institutes wurde nun einem Ministerialbeamten übertragen, die weit reichende Autonomie (vor allem der Hochschule) ging verloren, sämtliche mitbestimmende Gremien wurden aufgelöst. Der neue Leiter trat für eine Reduktion der Schülerzahlen ein; die Aufnahmekriterien wurden verschärft, die Studiendauer verkürzt. Um Gelder für die Berufung namhafter KünstlerInnen zu bekommen entließ er Lehrkräfte, die verbleibenden wurden nur noch mit Einjahresverträgen bestellt, gleichzeitig die Honorare verringert.

Das Reinhardt’sche Schauspiel- und Regieseminar wurde auf privater Basis weitergeführt, lediglich die Unterrichts- bzw. Probe¬räumlichkeiten im Schlosstheater wurden vom Unterrichtsministerium als Naturalsubvention zur Verfügung gestellt.

Die Akademie/Reichshochschule in der NS-Zeit (1938 – 1945)

 

Unmittelbar nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Österreich enthob der kommissarische Leiter elf Lehrkräfte, die aufgrund ihrer jüdischen Abstammung nicht „berechtigt" waren, den Eid auf Hitler abzulegen. Wenn man sämtliche Entlassungen aus rassischen, politischen oder wohl auch persönlichen Gründen zusammenzählt, waren fast 50% des Lehrkörpers von Entlassungsmaßnahmen betroffen. Ca. 100 SchülerInnen mussten die Akademie aus rassischen Gründen verlassen.

Die volkstümlichen Kurse wurden sofort sistiert, das von Max Reinhardt privat geführte Seminar enteignet und als Schauspiel- und Regieseminar Schönbrunn an der Akademie weitergeführt; zwölf Lehrkräfte wurden entlassen.
Die Abteilung für Kirchen- und Schulmusik wurde geteilt, die Ausbildung der MusikerzieherInnen (SchulmusikerInnen und MusiklehrerInnen) verlegte man an die soeben gegründete Musikschule der Stadt Wien.

Anlässlich der Erhebung der Akademie zur Reichshochschule 1941 wurde die Musikerziehung allerdings wieder eingegliedert, um die Gleichstellung mit den reichsdeutschen Musikhochschulen zu gewährleisten. Die Einführung eines verpflichtenden wissenschaftlichen Zweitfaches an der Universität für die LehramtskandidatInnen wurde auch nach Kriegsende beibehalten.

Im Herbst 1944 wurde die Schließung der Kunsthochschulen verordnet, aber nur teilweise verwirklicht; vor allem die LehramtsstudentInnen durften ihr Studium fortsetzen. Die letzten künstlerischen Lehramtsprüfungen vor Kriegsende fanden im März 1945 statt.

Von der Befreiung bis zur Hochschulwerdung (1945 – 1970)

 

Nach Kriegsende wurde die Reichshochschule wieder zur (Staats)Akademie. 1948 trat das Kunstakademiegesetz (BGBl 168/48), 1949 das Organisationsstatut (BGBl 240/49) in Kraft. Der neu geschaffene Schultyp der „Kunstakademie“ mit einer Präsidialverfassung und der Unterscheidung zwischen KunstschülerInnen und KunsthochschülerInnen stellte die Akademie – als Ausbildungsstätte bis zur höchsten Stufe – den wissenschaftlichen Hochschulen Österreichs gleich. Wissenschaftliche Sonderlehrgänge und Institute für wissenschaftliche Forschungen wurden gegründet, wissenschaftliche Publikationstätigkeit gefördert. Dem Präsidenten standen die Lehrervollversammlung und das Lehrerkollegium aus den jährlich gewählten VorständInnen der Abteilungen zur Seite.

Die Zahl der SchülerInnen stieg zunächst langsam aber stetig, ab 1955 sprunghaft. Nicht nur deshalb verschlimmerte sich die Raumnot, auch die Zunahme der Nebenfächer, wissenschaftlichen Fächer, Sonderlehrgänge und Institute steigerte den Bedarf kräftig.

Weiters baute man im Jahr 1965 den 1952 eingeführten Sonderlehrgang für Filmgestaltung zur vollwertigen Abteilung Film und Fernsehen aus. Zu dieser Zeit verfügte die Akademie über keinen einzigen Raum, der mehr als 30 SchülerInnen fasste und seit dem Verlust des Akademietheaters über keinen Konzertsaal. Zahlreiche Projekte für eine langfristige Lösung der Raumprobleme scheiterten, erst 1968 gab es eine spürbare Erleichterung mit der Fertigstellung des Umbaus des Ursulinenklosters in der Johannesgasse, doch der steigende Raumbedarf machte bis 2000 insgesamt 26 Ankäufe bzw. Anmietungen erforderlich.

Von der Hochschulwerdung bis zur Universität (ab 1970)

 

Das Kunsthochschul-Organisationsgesetz (KHOG) brachte 1970 die Umwandlung der Kunstakademien in Kunsthochschulen mit Rektoratsverfassung. Mit dem Kunsthochschul-studiengesetz (KHStG) 1983 wurden alle Studienrichtungen und Kurzstudien an den sechs österreichischen Kunsthochschulen neu geregelt und für die künstlerischen Studienrichtungen das Sponsionsrecht und der Abschluss mit dem Titel Mag.art. eingeführt. (Für die Lehramtsstudien gab es durch die Koppelung mit einem Zweitfach auf der Universität seit 1971 bereits den Magistertitel).

Im Zuge der Umsetzung des Bologna-Prozesses wurden seit 2003 die Studienrichtungen Instrumental- und Gesangspädagogik, Musik- und Bewegungspädagogik, Konzertfach Gesang sowie die Ausbildung im filmischen Bereich auf die zweizyklische Studienstruktur (Bachelor- bzw. Masterstudium) umgestellt.

Durch die Übernahme des Areals der Veterinärmedizinischen Universität im dritten Wiener Gemeindebezirk ergab sich Ende der 1990er Jahre die Möglichkeit, einen Campus zu errichten, der laufend ausgebaut wird: hier sind vor allem die Errichtung des Filmstudios (2004), der Umbau mehrerer Gebäudeteile (2006) und die Errichtung des Kommunikationszentrums (2012) zu nennen.

Außerhalb des Campus‘ erfolgte unter anderem die Generalsanierung des Gebäudes in der Seilerstätte (2010-2012). Parallel zu dem räumlichen Ausbau konnte durch die Steigerung der Zahl der Veranstaltungen den Studierenden die Möglichkeit gegeben werden, sich vermehrt der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Mit dem Bundesgesetz über die Organisation der Universitäten der Künste (KUOG) wurden die österreichischen Kunsthochschulen 1998 zu Kunstuniversitäten, die vollständige Implementierung des KUOG an der mdw erfolgte 2002. Noch im gleichen Jahr trat das Universitätsgesetz (UG) 2002 in Kraft, durch das sämtliche Universitäten 2004 als "juristische Personen öffentlichen Rechts" in die Vollrechtsfähigkeit entlassen wurden. Seither ist die mdw in 24 Institute und 10 Dienstleistungseinrichtungen gegliedert.