„Confronting Realities. Arbeit an filmischen Autosoziobiografien“

Autosoziobiografisches Erzählen hat Konjunktur. Die Texte von Didier Eribon, Annie Ernaux, Édouard Louis und anderen verknüpfen die eigene, individuelle Lebensgeschichte mit größeren soziohistorischen und politischen Zusammenhängen und behaupten mit neuer Dringlichkeit die Relevanz von Klasse und sozialer Umgebung als Analysekategorien.

Im Anschluss hieran fragt das Symposium nach autosoziobiografischen Erzählweisen und künstlerischen Verfahren im Bereich des Filmischen: Gibt es diese überhaupt, oder müssen sie erst noch ‚erfunden‘ werden? Wo im zeitgenössischen Filmschaffen und/oder in der Filmgeschichte lassen sich Anknüpfungspunkte finden? Was könnten Themen, Formen und Verfahren autosoziobiografischer Filmpraktiken sein? Worin bestehen besondere Herausforderungen, worin Potenziale filmischer Autosoziobiografien? Was vermag die Sinnlichkeit und Evidenz filmischer Bilder und Töne angesichts von Erzählweisen, die auf Überschneidungen von Ästhetik und Soziologie abzielen? Und welchen Status haben Ich-Geschichten, die unter den konstitutiv kollaborativen Produktionsbedingungen des Filmemachens entstehen?

Diesen und weiteren Fragen widmet sich das Symposium, indem es Theorie und Praxis miteinander ins Gespräch bringt: Einblicke aus der Filmproduktion und aus der künstlerischen Praxis treffen auf Perspektiven aus der Soziologie, Film- und Literaturwissenschaft – und vice versa.

Ein Symposium des an der Filmakademie Wien angesiedelten künstlerisch-wissenschaftlichen Forschungsprojekts „Confronting Realities. Arbeit an filmischen Autosoziobiografien“ (gefördert vom FWF/PEEK).

Konzeption und Organisation: Nina Kusturica, Elena Meilicke, Claudia Walkensteiner-Preschl, Christina Wintersteiger-Wilplinger und Barbara Wolfram.

Programm

Donnerstag, 6. Oktober 2022

10:00 Begrüßung und Einführung

10:15-13:00 Vorträge

Eva Blome (Hamburg): Ungleiche Verhältnisse. Autosoziobiografien als literarische
und filmische Gegenwartsdiagnosen

Claudia Walkensteiner-Preschl (Wien): Die Dinge ins Licht rücken. Autosoziobiografisches Erzählen im Film

Elena Meilicke (Berlin/Wien): Kulissenzauber. Schwellen zwischen Kunst und Leben
in Joanna Hoggs The Souvenir I/II

13:00-14:30 Gemeinsames Mittagessen

14:30-17:30 Labor für filmische Autosoziobiografien I Mütter und AutosoziobiografieVerfahren, Themen & Prozesse mit Barbara Wolfram sowie Nasima,
Robin Jentys, William Joop, Negin Rezaie, Caspar Thiel und Christina Wintersteiger-Wilplinger

17:30-18:30 Pause

18:30 Kurzfilmprogramm Autosoziobiografische Filme von Sybille Bauer und Gabi Mathes
Im Anschluss Gespräch mit den Filmemacherinnen

Freitag, 7. Oktober 2022

10:00-13:00 Labor für filmische Autosoziobiografien II
Präsentation der Arbeiten und Prozesse der künstlerischen Forschungsgruppe
Nina Kusturica

13:00-14:30 Pause

14:30-15:30 Gespräch „Ich mach euch lieber die Wut als die Wäsche.“
Ein Gespräch mit der Schriftstellerin Anke Stelling (Berlin) über
autosoziobiografisches Erzählen in Literatur und Film
Moderation: Elena Meilicke (Live-Übertragung via Zoom)

15:30-16:00 Pause

16:00-17.00 Vortrag
Raffael Hiden (Salzburg): Szenografien sozioautobiografischer Stoffe

17:00-18:00 Abschließende Roundtable-Diskussion
Moderation: Christina Wintersteiger-Wilplinger

Ab 18:00 Ausklang auf der Terrasse des Future Art Labs