Wissenschaftskommunikation wird häufig als Aufgabe verstanden, wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich zu vermitteln. Das ist richtig, greift aber zu kurz. Denn sie beginnt nicht erst dort, wo Forschung abgeschlossen ist und ihre Ergebnisse einer breiteren Öffentlichkeit erklärt werden. Sie beginnt, wo wissenschaftliches Wissen in Beziehung zu gesellschaftlichen Fragen, Erfahrungen und Konflikten tritt.

Meine Perspektive auf Wissenschaftskommunikation ist geprägt durch meine Funktion als Geschäftsführerin des ScienceCenter-Netzwerks und durch meine langjährige Arbeit in der kunstbasierten Forschung: Wissenschaftskommunikation ist keine Brücke, die einmal gebaut wird und dann steht. Sie ist Beziehungsarbeit: Sie verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse, Methoden und Denkweisen mit unterschiedlichen Öffentlichkeiten. Diese Beziehungen sind nicht statisch. Sie müssen gestaltet und gepflegt werden – durch geeignete Formate, verständliche Sprachen, offene Räume und die Bereitschaft, unterschiedliche Voraussetzungen und Wissensformen ernst zu nehmen.

Mehr als Transfer: Wissenschaft als öffentlicher Prozess

In aktuellen Debatten wird häufig zwischen zwei Transferlogiken unterschieden. Beide sind für Universitäten relevant, weil sie danach fragen, wie Forschung über akademische Kontexte hinaus Wirkung entfaltet. „Science to Industry“ beschreibt Prozesse, in denen Forschung in Anwendung, Innovation oder wirtschaftliche Wertschöpfung überführt wird. „Science to Society“ verweist demgegenüber auf die gesellschaftliche Dimension von Forschung: auf öffentliche Verantwortung, Teilhabe, Einordnung und Dialog. Gerade an den Schnittstellen von Wissenschaft, Gesellschaft, Wirtschaft, Kreativpraxis und gemeinnützigen Strukturen zeigt sich, dass es bei beiden Ansprüchen um mehr als nur Transfer geht: User-Centered Design, Open Innovation, Co-Design und Co-Produktion arbeiten mit Wissen, das nicht einfach von Forschung zu Gesellschaft oder Industrie weitergereicht wird, sondern in gemeinsamen Prozessen entsteht, geprüft und weiterentwickelt wird.

Dabei geht es nicht nur darum, Ergebnisse zu erklären. Bei gesellschaftlich relevanten, komplexen oder umstrittenen Themen ist Faktenvermittlung wichtig, etwa wenn es um Klimawandel, Gesundheit, Digitalisierung oder Demokratie geht. Ebenso wichtig ist aber, Beteiligungsformate zu schaffen, in denen Fragen, Erfahrungen und Nutzungskontexte aus unterschiedlichen Öffentlichkeiten in Forschungs- und Innovationsprozesse zurückfließen können. Teilhabe und Dialog bedeuten in diesem Sinn nicht nur Rückfragen an Wissenschaft, sondern auch Mitgestaltung: Wer formuliert relevante Probleme? Welche Perspektiven werden als Wissen anerkannt? Und unter welchen Bedingungen können wissenschaftliche, künstlerische, praktische und erfahrungsbasierte Wissensformen produktiv miteinander arbeiten?

Diese Prozessdimension ist für demokratische Gesellschaften wesentlich. Wissenschaftliche Urteilsfähigkeit entsteht nicht allein durch den Zugang zu Informationen. Sie setzt auch ein Verständnis dafür voraus, wie Wissen erzeugt, geprüft, begründet und begrenzt wird. Wissenschaftskommunikation kann Debatten sachlicher und differenzierter machen, wenn sie diese Entstehungsbedingungen offenlegt und zugleich Räume schafft, in denen unterschiedliche Akteur_innen ihre Fragen, Erfahrungen und Sichtweisen einbringen können. Sie ersetzt keine politischen Entscheidungen, schafft aber Grundlagen, auf denen diese nachvollziehbarer und verhandelbarer werden.

Dazu muss differenziert werden: Universitäten haben es nicht mit einer, sondern mit unterschiedlichen Öffentlichkeiten zu tun, und diese unterscheiden sich in Vorwissen, Erfahrungen, Erwartungen und Barrieren. Unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen, bedeutet nicht, dieselbe Botschaft in verschiedenen Schwierigkeitsgraden zu formulieren. Es bedeutet, Zugänge präzise und offen zu gestalten. Für manche Kontexte sind erklärende Formate sinnvoll, für andere dialogische oder partizipative Settings. Entscheidend ist die Frage, wer tatsächlich angesprochen wird – und wer durch Sprache, Ort, Format oder institutionelle Codes ausgeschlossen bleibt.

Damit ist Wissenschaftskommunikation keine nachgelagerte Öffentlichkeitsarbeit. Sie ist Teil der gesellschaftlichen Verantwortung von Universitäten. Sie kann Forschung sichtbar machen, komplexe Themen einordnen und Räume für Auseinandersetzung öffnen. Wenn sie ernst gemeint ist, fragt sie nicht nur, wie Forschung besser erklärt werden kann, sondern auch, welche Beziehungen Universitäten zu gesellschaftlichen Gruppen aufbauen wollen, worüber geforscht werden soll, und wie öffentliche Teilhabe daran gelingen kann.

Kunstuniversitäten als besondere Orte der Wissenschaftskommunikation

Im Kontext von Kunstuniversitäten verschiebt sich die Frage nach Wissenschaftskommunikation. Künstlerische und kunstbasierte Forschung arbeitet mit Wissensformen, die nicht immer linear, sprachlich oder eindeutig sind. Sie entstehen über Material, Körper, Raum, Klang, Bild, Archiv, Erinnerung, Performance oder soziale Situationen. Kommunikation ist hier häufig nicht bloße Darstellung eines Ergebnisses, sondern Teil der Erkenntnisproduktion. Das macht Kunstuniversitäten zu besonderen Orten der Wissenschaftskommunikation. Sie können gesellschaftliche Fragen nicht nur erklären, sondern erfahrbar machen. Ihre Stärke liegt darin, Mehrdeutigkeit auszuhalten, Perspektiven zu wechseln und Komplexität sichtbar, erfahrbar und verhandelbar zu machen.

Gerade weil Wissenschaftskommunikation an Bedeutung gewinnt, müssen aber auch ihre Grenzen klar benannt werden. Sie kann Vertrauen nicht erzwingen, soziale Ungleichheit nicht allein kompensieren und politische Verantwortung nicht ersetzen. Sie sollte auch nicht darauf reduziert werden, Forschungseinrichtungen öffentlichkeitswirksam zu positionieren. Und nicht zuletzt muss professionelle Wissenschaftskommunikation auch Unsicherheit und Nicht-Wissen sichtbar machen. Gerade hier können künstlerische Methoden einen wichtigen Beitrag leisten: Sie übersetzen Offenheit nicht vorschnell in Eindeutigkeit, sondern schaffen Erfahrungsräume, in denen Widersprüche wahrnehmbar und verhandelbar werden.

Wissenschaftskommunikation entfaltet ihr Potenzial, wenn sie Forschung nicht nur erklärt, sondern Beziehungen ermöglicht – nicht als Zusatz zur Forschung, sondern als Teil davon, wie Universitäten öffentliche Verantwortung wahrnehmen.

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