Curricula 26W an der mdw

Mit dem Wintersemester 2026 treten an der mdw grundlegend überarbeitete Studienpläne für die Lehramtsausbildung Sekundarstufe in Kraft. Zentrale Veränderung ist die bildungspolitisch vorgegebene Verkürzung des Bachelorstudiums von vier auf drei Jahre. Betroffen sind die Unterrichtsfächer Musik (MU, bislang Musikerziehung/ME) sowie Instrumentalmusik und Gesang (IMG, bislang Instrumentalmusikerziehung/IME). Die Reform ist Ergebnis eines mehrjährigen Entwicklungsprozesses. Sie reagiert auf gesetzliche Vorgaben des Bundesministeriums für Bildung und des Qualitätssicherungsrat für Pädagog_innenbildung (QSR), setzt zugleich den Entwicklungsplan der mdw 2025–2027 um und integriert Erkenntnisse aus dem Studierbarkeitsmonitoring 2023 an der mdw. In Zeiten spürbaren Mangels an Musiklehrpersonen bekennt sich die mdw damit weiterhin zu einer qualitätsvollen, künstlerisch fundierten, vielfältigen und praxisnahen Ausbildung.

Verkürzung und Neuorientierung

Die gesetzlichen Vorgaben stellten alle Beteiligten vor die Frage, wie sich Studienzeit reduzieren lässt, ohne den künstlerisch-musikalischen Qualitätsanspruch aufzugeben. Neben den unvermeidlichen schmerzhaften Einschnitten liegt die Antwort in struktureller Neuordnung, klarer Berufsfeldorientierung und bewusster Profilbildung. Fünf Säulen tragen das Studium: Musik, Fachwissenschaften, Fachdidaktik, pädagogisch-praktische Studien (PPS) und allgemeine bildungswissenschaftliche Grundlagen (ABG). Erstmals ist nunmehr die gesamte Studienstruktur vollständig in den Curricula der mdw enthalten – inklusive der ABG, die bislang curricular an der mdw nicht abgebildet waren. Für die musikalisch-künstlerischen Unterrichtstfächer ermöglicht dies eine kohärentere Abstimmung fachlicher, fachdidaktischer und pädagogischer Elemente.

Unabdingbar ist auch die Kompatibilität mit dem Zweitfach im Lehramt, das für die überwiegende Mehrheit der MU-Studierenden nicht IMG, sondern ein anderes Unterrichtsfach ist, welches gemäß den Verbundstrukturen der österreichischen Lehrer_innenbildung im Verbund Nord-Ost studiert wird. Daher vollzieht die mdw das Strukturmodell „versetzt studieren“ des Verbunds Nord-Ost mit: Im Fach MU werden im Bachelor 25 ECTS mehr absolviert, während im Zweitfach bzw. in IMG ein vertiefender 25-ECTS-Block im Master vorgesehen ist (bei gleichbleibenden Gesamtsummen von 180 ECTS im Bachelor- und 120 ECTS im Masterstudium). Für MU bedeutet das einen intensiven dreijährigen Bachelor und ein eher knapp gehaltenes Masterstudium; im Zweitfach verhält es sich umgekehrt. Langfristige Auswirkungen dieser Struktur, die übrigens in Österreich ausschließlich in der Ausbildungsregion Nord-Ost zur Anwendung kommt, auf Studienverlauf und Absolvent_innenzahlen bleiben abzuwarten.

Neue künstlerische Profile

Eine der sichtbarsten Innovationen ist die Einführung zusätzlicher künstlerischer Profilfächer in MU: Electronics, Klavierpraxis, Musik und Bewegung sowie Musiken global (mit Instrumenten wie z. B. Akkordeon, Harmonika, Oud, Saz, Tamburica oder Zither). Damit reagiert die mdw auf veränderte musikalische Realitäten in Schulen: digitale Klanggestaltung, bewegungsorientierte Zugänge und globale Musiktraditionen sind längst Teil jugendlicher Lebenswelten und Inhaltselemente schulischer Lehrpläne. Angesprochen werden potenzielle neue Zielgruppen an Studierenden, die ihre individuellen künstlerisch-musikalischen Profile einbringen und im Rahmen des Studiums weiterentwickeln können.

Das künstlerische Profilfach wird im Bachelor auf drei Jahre konzentriert. Die Umbenennung von „Hauptfach“ in „Profilfach“ betont die Bedeutung eines individuellen künstlerischen Profils als eines der Elemente einer insgesamt breit angelegten Musiklehrendenbildung. In IMG bleiben zwei künstlerische Hauptfächer über drei Jahre im Bachelor plus ein Jahr im Master verankert.

Breite und Professionsorientierung

Trotz Verkürzung bleibt die inhaltliche Breite erhalten. Künstlerisch-schulpraktische Fertigkeiten, Ensemble/Ensembleleitung, Musiktheorie, Wissenschaften und Fachdidaktik bilden neben PPS und ABG die Studienbereiche. Wesentliche Bestandteile wie Klavier im Kontext, Gesang im Kontext, Populargesang, Gitarrepraktikum oder Singen und Stimmbildung mit Schulklassen wurden professionsbezogen weiterentwickelt, auch Bandarbeit mit heterogenen Gruppen sowie Tanzen/Bewegen/Gestalten sind fest verankert.

Die schulpraktischen Studienanteile bleiben im Vergleich zu bisher im Umfang weitgehend unverändert, ihr relativer Anteil steigt damit sogar. Kontinuierliches, qualitätsgesichertes Fach-Mentoring an Schulstandorten gewährleistet Praxisnähe und unterstützt den Berufseinstieg bestmöglich. Im Master tragen flexible Angebote der Tatsache Rechnung, dass viele Studierende bereits unterrichten. Abgeschlossen wird weiterhin mit einer wissenschaftlichen Masterarbeit – womit der wissenschaftlich-universitäre Charakter der Lehramtsausbildung unangetastet bleibt.

Herausforderungen und Ausblick

Die Curricularentwicklung war anspruchsvoll: Neben gesetzlich verpflichtenden Inhalten wie sprachlicher Bildung/Deutsch als Zweitsprache, Inklusion sowie Schul- und Dienstrecht setzte der QSR umfangreiche Rahmenvorgaben in Professions- und Kompetenzorientierung, Diversität und Inklusion sowie KI, Medienbildung, Digitalisierung und Globalisierung.

Zusätzlich zu diesen – wenig fachspezifischen – Anforderungen verlangte auch die Diskussion um musikbezogene Inhalte intensive Abstimmungen. Die Verkürzung der Studiendauer kombiniert mit zunehmend wachsenden und heterogenen Anforderungen an Musiklehrpersonen im Berufsalltag stellt ein kaum aufzulösendes Dilemma dar. Dieses musste innerhalb der mdw aus unterschiedlichen fachlichen Perspektiven heraus diskutiert und in einem schlussendlich umsetzbaren Modell zusammengeführt werden. Die große inhaltliche Vielseitigkeit ist ein Charakteristikum, das wie kein anderes das Wesen des Lehramtsstudiums Musik und seines Berufsfelds ausmacht – eine Eigenschaft, die allerdings zum Teil nur mühsam mit herkömmlichen universitären Strukturen, Finanzierungslogiken und Ressourcenfragen in Einklang zu bringen ist. Die positive Begutachtung durch den QSR im Februar 2026 sowie die Beschlüsse von Rektorat und Senat der mdw markieren somit den erfolgreichen Abschluss einer gemeinsamen Kraftanstrengung, mit der diese so wertvolle Vielseitigkeit erhalten und weiterentwickelt werden konnte.

Mit den Curricula 26W positioniert sich die mdw als zentrale Akteurin in der Musiklehrendenbildung der Ausbildungsregion Nord-Ost. Die Erhöhung der Studienplätze ab 2026 und die Fortsetzung der bereits seit 2019 bestehenden Kooperation mit den drei pädagogischen Hochschulen der Region unterstreicht diesen Anspruch. Ein verkürztes Studium muss nicht nur ein reduziertes sein – vielmehr eröffnet das neue Lehramt Musik Chancen, um gemeinsam auf gesellschaftliche Veränderungen, bildungspolitische Notwendigkeiten und die Bedürfnisse des Musikunterrichts an Schulen zu reagieren und dabei künstlerische Qualität, pädagogische Professionalität und zeitgemäße Profilbildung noch enger zu verzahnen.

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