Im letzten mdw-Magazin konnten Sie bereits viel über neue Strömungen in der musikpädagogischen Forschung erfahren und darüber, wie sich das Institut für musikpädagogische Forschung und Praxis (IMP) darin positioniert. Im aktuellen Heft treiben wir unsere Reihe zur musikpädagogischen Forschung weiter voran: Wir blicken diesmal tiefer in Forschung rund um schulischen Musikunterricht und zeigen, wie das IMP hier international vorangeht. Das IMP leitet aktuell das großangelegte Erasmus+-Projekt TEAM – Teacher Education Academy for Music und ist außerdem von 8. bis 11. April Gastgeber der internationalen Konferenz der EAS (European Association for Music in Schools) am mdw-Campus.

Im Umbruch: Forschung zum Musikunterricht

Forschung zum Lehramtsfach Musik arbeitet eng entlang aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen von Bildung und Musikunterricht – und diese sind deutlich spürbar. Während es in der jüngeren Vergangenheit vor allem um eine klarere Positionierung musikpädagogischer Forschung sowie um ihre Ausdifferenzierung in verschiedene Themenfelder und Methodenansätze ging oder etwa darum, Kernbereiche wie das Musizieren in Schulklassen fachdidaktisch zu beforschen und weiterzuentwickeln, stellen sich in den letzten Jahren gänzlich neue Anforderungen – inhaltlich wie auch strukturell: Der Lehrkräftemangel (übrigens längst nicht mehr nur im Fach Musik, sondern in nahezu allen Fächern, und nicht nur in Österreich, sondern weltweit) verlangt nach konzisen Beiträgen aus der Professionalisierungsforschung. Die stark steigende Diversität der Schüler_innenschaft (und das wachsende Bewusstsein dafür) bringt Bewegung in die fachdidaktischen Konzepte und fordert Forschung zu professionellen Teams, zu Gruppendynamiken beim Musikmachen, zu Wellbeing, zu Governance sowie zu heterogenitätssensiblem Unterricht. Migration fordert Arbeiten zu einem breiten Musikrepertoire sowie zu sprachsensiblem oder nonverbalem Musizierunterricht. Die Forderung nach Zukunftsfähigkeit, Digitalität und Mündigkeit junger Menschen in der Welt von morgen treibt die Entwicklung und Diskussion von Lehramtsaus- und -weiterbildung voran in Richtung von Unterrichtskonzepten zu nachhaltigem und demokratieförderndem Musikunterricht und stellt laufend Fragen zum sinnvollen Einsatz von digitalen Medien und KI. All dies passiert mit einer beeindruckenden Geschwindigkeit – einer Geschwindigkeit, die Unterrichtsmaterialien, Schulbücher und Lehrpläne (und auch Konzepte in der Lehramtsausbildung!) mit der zugehörigen Forschung rascher als früher nicht mehr zeitgemäß erscheinen lassen. Und noch etwas hat sich verändert: Schule und Lehramtsausbildung waren immer stark national gedacht, in den letzten Jahren wird Bildungsforschung und fachdidaktische Forschung spürbar internationaler: Wir finden mehr länderübergreifende Forschung, eine bessere Auffindbarkeit von Forschungsergebnissen über Sprach- und Ländergrenzen hinweg, mehr Forschungskooperationen und internationale Metastudien zu Schule und Musikunterricht.

TEAM – Future-Making, Networking and Mobility in Europe

Das IMP wirkt hierin federführend mit. Seit Oktober 2024 wird das TEAM-Projekt vom IMP geleitet. TEAM – Teacher Education Academy Music. Future-Making, Mobility and Networking in Europe ist ein europaweites Forschungs- und Entwicklungsprojekt, das eng mit der European Association for Music in School (EAS) zusammenarbeitet.

Es zielt darauf ab, die Musiklehrer_innenbildung in Europa und das Fach Musik in der allgemeinbildenden Schule neu zu gestalten. Dabei werden aktuelle Herausforderungen der Professionalisierung von Musik- lehrer_innen wie Digitalisierung, interkulturelles Lernen, gesellschaftliche Transformation, Nachhaltigkeit und soziale Kohärenz adressiert. TEAM entwickelt und verbreitet hierfür Open Educational Ressources und forscht zu deren Anwendungen. Zudem werden Programme zur Stärkung der Mobilität im Studium entwickelt, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf qualitativ hochwertigen Schulpraktika im Ausland mit Mentoring aus länderübergreifender Perspektive liegt. Eine vergleichende Darstellung der Bildungssysteme (Musik an Schulen sowie Musiklehrer_innenbildung) in 30 europäischen Ländern soll die internationale Zusammenarbeit zukünftig erleichtern. Basierend auf Erhebungen zu Standards der Musiklehrer_innenbildung in den Ländern entwickelt TEAM ein Set von europaweiten TEAM-Lernergebnissen für die Musiklehrer_innenbildung, das dabei helfen soll, Inhalte und Niveau der Musiklehrer_innenbildung zukunftsfähig zu gestalten. 15 Partnerinstitutionen (Schulen, Hochschulen und Weiterbildungseinrichtungen) aus elf europäischen Ländern mit hoher Expertise in den erforderlichen Bereichen arbeiten zusammen, assoziierte Partner aus insgesamt 23 Ländern sowie große internationale Netzwerke wie die AEC, EMU, EAS und der Europäischen Musikrat sind eingebunden. Das Projekt endet im September, aktuell arbeiten wir auf Hochtouren an Ergebnissen und der Nachhaltigkeit der etablierten Strukturen.

„Advance Democracy. Participation, Diversity, and Social Cohesion in Music Education“

Von 8. bis 11. April findet im Rahmen der 33. EAS-Konferenz die große TEAM-Outreach-Konferenz am Campus der mdw statt. Wir haben uns ein wichtiges Themenfeld vorgenommen: die Demokratiebildung. Der Titel „Advance Democracy“ hat historische Bedeutung: Advance Democracy ist ein A-capella-Chorstück von Benjamin Britten, das dieser 1938 angesichts der Entwicklungen in Nazi-Deutschland schrieb. – Das Stück wird auf der Konferenz auch aufgeführt. Wachsender Populismus, digitale Desinformation, politische Apathie junger Menschen und die zunehmende Komplexität globaler Herausforderungen unterstreichen die Notwendigkeit einer Bildung, die demokratische Werte und partizipative Kompetenzen stärkt. Angesichts dieser Entwicklungen ist die Demokratiebildung zu einem zentralen Thema im Bildungsdiskurs geworden, insbesondere im europäischen Kontext. An dem Kongress werden etwa 400 Delegierte aus der ganzen Welt ihre Forschung und Praxis an der mdw zur Diskussion stellen. Darüber hinaus sollen aber auch die üblichen Konferenzformate entlang des Themas Partizipation gesprengt werden: Offene Musizierlabors für alle Delegierten, partizipative Konzertsettings, Meinungswände und stumme Diskussionen, Impulse zur Nachhaltigkeit, Bar-Camp-Formate und das Aufbrechen der starren Keynote-Settings, finanzielle Zuschüsse für Kolleg_innen, die Konferenzbesuche schwer finanzieren können, sowie Förderung von Teilnahmen von Studierenden und Schüler_innen sind nur einige der Formate, die wir erproben werden. Kommen Sie, hören Sie, diskutieren Sie und entwickeln Sie eine zukunftsfähige musikpädagogische Welt mit.

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