In den letzten Ausgaben des mdw-Magazins wurden die Fachbereiche allgemeine Musikpädagogik und Instrumental- und Gesangspädagogik am Institut für musikpädagogische Forschung und Praxis (IMP) vorgestellt. Diese Ausgabe richtet den Blick auf die elementare Musikpädagogik (EMp), die im Kern eine Verknüpfung unterschiedlicher Ausdrucks- und Kunstformen in gemeinsamen Musiziersituationen anstrebt und in vielfältige Bereiche musikalisch-kreativen Wirkens hineinreicht.
Ouvertüre

An der mdw blickt die EMp als künstlerisch-pädagogische Fachrichtung auf eine mehr als 40-jährige Geschichte zurück. Gerade in den vergangenen Jahren haben sich Praxis und Forschung durch unterschiedliche Dialoggruppen erweitert. Die Bandbreite reicht von Senior_innenkursen und Bandangeboten für Jugendliche über Kind-Eltern-Kurse, Instrumentalkurse mit den Schwerpunkten Violine, Gitarre, Klavier und Blasinstrumenten, das inklusive Bandprojekt Young All Stars sowie Kooperationen zwischen EMp-Lehrenden und Schulen bis hin zu Musizierkursen für Profis – um nur einige der Lehrpraxisformate zu nennen, die von Lehrenden des Teams der Wiener EMp an der mdw angeboten werden. Diese Fülle an Handlungsfeldern wurde etwa beim Symposium anlässlich 40 Jahre EMp an der mdw 2024 deutlich. In einer Posterausstellung, die von der Lothringerstraße auch an den mdw-Campus wanderte, wurden vielfältige Praxis- und Forschungsprojekte thematisiert.

© Agnes Haider
EMp zwischen Kunst, Praxis und Wissenschaft

In der EMp steht praxeologisches Erfahrungswissen häufig im Vordergrund. Bezogen auf empirische Forschung sind Messbarkeit und Operationalisierung in einem Feld, das körperorientierte Zugänge, multisensorische Ansätze, individuelles Erleben, Lernen im kreativen Feld der Gruppe, eigenständige Klangsuche und Exploration favorisiert, komplex. Zahlreiche Kolleg_innen stellen sich dieser Herausforderung und befassen sich mit musikalischen Entwicklungs- und Entfaltungsprozessen. Veronika Kinsky beschäftigt sich u. a. mit Bilderbuchstunden und untersucht unterrichtsdramaturgische Potenziale von Bilderbüchern. Katharina Ruf setzt sich in ihrem empirisch-qualitativen Dissertationsprojekt mit improvisatorischen Ansätzen in der musikalischen Arbeit mit Menschen im hohen Alter auseinander. Julia Auer forscht zum Thema „Was von der Stunde übrig blieb“ und ergründet freies musikalisches Spiel von Volksschulkindern im Anschluss an EM-Einheiten. Werner Rohrer untersuchte in einer empirisch-quantitativen Studie zu elementaren musikalischen Fertigkeiten Auswirkungen von EMp-Interventionen auf musikalische Leistungen von Kindern. Er kommt zum Schluss, dass bereits eine geringe Anzahl an Interventionen von erfahrenen und qualifizierten elementaren Musikpädagog_innen zu signifikant positiven Leistungssteigerungen führen kann. Seine PhD-Arbeit, die die Bedeutung kreativer musikalischer Förderung in Kindergarten und Grundschule unterstreicht, ist als Open Access über pub.mdw abrufbar. Ruth Schneidewinds Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit des Elementaren Musizierens zählt heute zu einem der Standardwerke innerhalb der Scientific Community und wird von Kolleg_innen des Fachbereiches fortlaufend weiterentwickelt. Zudem forschen mehrere Lehrende aktuell zum Spracheinsatz in Unterrichtsprozessen von Kind-Eltern-Kursen.

#FutureEMp an der mdw

Als künstlerisch-pädagogisches Praxisfach etabliert, wird die EMp in den letzten beiden Jahrzehnten innerhalb der Musikpädagogik zunehmend in ihrer Wissenschaftlichkeit wahrgenommen. Die mdw hat jüngst eine Tenure-Track-Professur geschaffen, die im Fachbereich der EMp einschlägige Forschungsprojekte ermöglicht. Ein Schwerpunkt wird darauf gelenkt werden, welche lohnenden Übepraxen sich ausgehend vom elementaren Musizieren für den Musik- und Instrumentalunterricht ableiten lassen.

Die aktive Einbindung des Fachbereichs in das Erasmus+-Cooperation-Partnership-Projekt CC-ECME (Co-Connecting Early Childhood Music Education) stellt einen weiteren wesentlichen Forschungsbeitrag dar. Hier steht die gemeinsame Vision im Mittelpunkt, dass jedes Kind in Europa, unabhängig von seinem sozioökonomischen oder kulturellen Hintergrund sowie seines Wohnortes Zugang zu einem hochwertigen musikalischen Bildungsangebot erhalten soll.

© Kanitz-Pock

2028 blicken wir gemeinsam in die Zukunft: Ein EMp-Symposium wird inter- und transdisziplinäre Ansätze und generell die Verbindung von Musik mit anderen Künsten und Ausdrucksformen im Sinne einer Interartistic Music Practice im Kontext aktueller Entwicklungen und Tendenzen thematisieren.

Mit Interartistic Music Practice prägt das Wiener EMp-Team eine international anschlussfähige Begrifflichkeit für den künstlerischen Ansatz des elementaren Musizierens. Im Zentrum steht das interdisziplinäre Zusammenwirken von Musik, Bewegung, Sprache sowie darstellenden und visuellen Ausdrucksformen. Auf dieser Grundlage werden schöpferische Prozesse angeregt und künstlerische Entwicklungsmöglichkeiten für Menschen aller Altersgruppen und Erfahrungsstufen eröffnet. Vor diesem Hintergrund ist Interartistic Music Practice/elementares Musizieren seit 2023 als eines von vier Profilen im künstlerisch-wissenschaftlichen Masterstudium Contemporary Arts Practice (CAP) verankert.

Reprise

Der Fachbereich EMp verfolgt das Ziel, wissenschaftliche Erkenntnisse mit künstlerischer Praxis zu verbinden und Konzepte für inklusive, partizipative und gesellschaftlich relevante Musizierpraxen zu erschließen. Gemeinsam mit den dem IMP angehörenden Fachbereichen, anderen Instituten und darüber hinaus gehenden Kollaborationen tragen wir dazu bei, innovatives musikpädagogisches Potenzial weiter zu entfalten.

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