Kommentare deaktiviert für Alumnus im Fokus: Georg Traxlmayr
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„Eine meiner frühesten konkreten Erinnerungen ist die musikalische Früherziehung. Wir standen um einen offenen Flügel und sollten darauf achten, wie lange wir einen Ton hören können“, erinnert sich der passionierte Musiker. Seine musikaffinen Eltern möchten ihm eine musikalische Ausbildung ermöglichen, so beginnt der gebürtige Niederösterreicher in der ersten Klasse Volksschule mit dem Klavierunterricht, Jahre später folgen Gitarre und Saxophon. Als Jugendlicher steht erstmals der Beruf Musik im Raum. Gemeinsam mit seinem Klavierlehrer überlegt Georg Traxlmayr in die Popularmusik zu gehen, entscheidet sich aber schlussendlich dagegen. „Ich habe mir immer gewünscht, Musik in meinem Leben präsent zu halten – jedoch nicht auf so einem hochprofessionellen Niveau, wie es bei der Instrumental- und Gesangspädagogik der Fall ist.“ Mit Anfang 20 folgen drei Semester an der Wirtschaftsuniversität Wien und die Erkenntnis, dass bei der zukünftigen Berufswahl die Arbeit am Menschen im Vordergrund stehen soll. Während eines Seminars der Musikwissenschaft an der Universität Wien hört der junge Student schließlich ein Referat über die Musiktherapie. „Das hat mich vom ersten Moment an begeistert und es ist mir wie Schuppen von den Augen gefallen – die perfekte Kombination aus Bereichen, die mir liegen. In den nächsten Minuten habe ich bereits das Curriculum der mdw durchgeblättert“, lacht der diplomierte Musiktherapeut.
Mein Tipp für angehende Studierende in puncto Aufnahmeprüfung: Einmal ist keinmal! Man darf sich nicht entmutigen lassen.
Die musikalische Aufnahmeprüfung stellt durch den jahrelangen Musikschulunterricht kein Problem für den angehenden mdw-Studenten dar, der musiktherapeutische Teil mutet etwas schwieriger an. Beim dritten Versuch wird der heutige Musiktherapeut zum Studium an der mdw zugelassen. „Ich hätte nach der zweiten Prüfung beinahe aufgegeben, aber in einem Feedbackgespräch mit der Lehrenden Elena Fitzthum wurde mir geraten, eine Auszeit zu nehmen, mich mit anderen Dingen zu beschäftigen und danach wiederzukommen.“ Er nimmt sich den Rat zu Herzen und verbringt eine Saison als Skilehrer am Arlberg. „Ich habe in diesem Jahr gelernt loszulassen, dadurch konnte ich entspannter in die Prüfungssituation gehen. Diese Offenheit hilft mir heute in meiner täglichen Arbeit sehr, dafür bin ich ewig dankbar.“ Seine ersten beruflichen Schritte macht der ausgebildete Musiktherapeut am Psychosomatischen Zentrum Waldviertel, einer Rehaklinik in Gars am Kamp mit teilweise vier Gruppentherapien und zwischen 40 und 50 Patient_innen an einem Tag. „Im Studium wird jede Musiktherapie-Stunde begleitet und supervidiert. In der Arbeitswelt ist das anders, man erhält unzählige Eindrücke, die man verarbeiten muss.“ Trotz seiner Freude am Beruf, empfindet es der junge Absolvent als große Herausforderung seine Identität als Musiktherapeut zu festigen. Heute praktiziert Georg Traxlmayr in einer Praxis für Psychotherapie und Musiktherapie in Wien.
Es ist beeindruckend, welche Entwicklung Menschen durch die Musiktherapie machen können.
Menschen helfen zu können und mitzuerleben, wie es ihnen nachhaltig besser geht, beschreibt er als besonders lebensbereichernd. Diese Erfahrung spiegelt sich auch in seinem Einsatz für das Diakoniezentrum Gols in der Sozialpsychiatrie und im Alten- und Pflegewohnhaus wider. „Die Musik schafft es, einen Zugang zu den Bewohner_innen zu finden, der über die Sprache schwer oder gar nicht mehr herzustellen ist. Nach den Einheiten kehrt bei den Menschen oft ein Stück Vitalität und Lebensfreude zurück. So kann man ihnen ein würdevolles Altern ermöglichen.“ Trotz dieser erfüllenden Tätigkeit hat der Beruf auch seine Schattenseiten. „Es ist schwer zu akzeptieren, dass man mit dem therapeutischen Angebot nicht allen Menschen helfen kann. Und auch die Abgrenzung fällt nicht immer leicht“, weiß der erfahrene Therapeut. Besonders wichtig sei daher die laufende Supervision. Für angehende Studierende bieten Hospitationen eine Möglichkeit, das Berufsfeld sowie die Musiktherapie in der Praxis kennenzulernen. Ein ehrliches Interesse an Menschen, viel Neugierde und Freude am Improvisieren beschreibt der versierte Musiktherapeut als wichtige Eigenschaften für zukünftige Therapeut_innen. „Therapie heißt, sich gemeinsam auf den Weg zu machen. Es braucht eine Offenheit, damit sich Prozesse entwickeln können und Verständnis dafür, dass sich oft nicht von Beginn an eine Lösung abzeichnet. Das muss man aushalten können.“ Eine weitere Herausforderung ist der oft spürbare Druck, der sich in den musikalischen Lebensgeschichten der Patient_innen zeigt – zum Beispiel die Angst, ein Instrument zu spielen. Aus seiner eigenen persönlichen Erfahrung in der Musiktherapie möchte er nicht nur seinen Klient_innen, sondern auch seinen eigenen Kindern einen musikalischen Zugang ohne Druck ermöglichen. „Mit meinem zweijährigen Sohn zu musizieren und frei zu improvisieren, bereitet mir große Freude. Denn auch er steht wie ich damals voller Neugier neben dem offenen Klavier und lauscht den Tönen.“
Was ich von der mdw mitgenommen habe, ist ein freudvoller Zugang zur Musik.