a k t u e l l e s

Willkommen im SoSe 2024

Das Institut für Kompositionsstudien, Ton- und Musikproduktion begrüßt herzlich alle Lehrenden und Studierenden im neuen Semester. 

MODULOMETER 2024
// Studienkonzert Elektroakustische Komposition (1. Abschnitt)

@Echoraum
(24.05., 19h)


Das Studio Flink präsentiert Uraufführungen aus Lehrveranstaltungen mit Peter Plessas von:
Frederik Abel, Kolbein Bukve, Soleil Fröhlich, Wenyinan He, David Hecher, Eunsoo Hur, Soojin Jeon, Ádám Kírály, Vlada Lysenko, Joao Pinto, Michael Richter, Paul Schmidt, Filip Šopar, Nicolas Urban, Vasilisa Varfolomeeva, Anton Vertipolokh, Reina Yoshioka

BALLADE(N) F//R EINE*N BULLDØZER.4
// Antrittsvorlesung Frauke Jürgensen

@Klangtheater
(19.04., 15h)

Thema:
Geoff Palmers 'News from the Kepler Space Telescope': Musikalischer Satz einer modernen metaphysischen Dichterin

BALLADE(N) F//R EINE*N BULLDØZER.3
// Roundtable mit Ursula Strubinsky

@Klangtheater
(16.04., 11h)

Teilnehmende:
Clara Iannotta, Frauke Jürgensen, Martin Lichtfuss, Gerald Resch, Jorge Sánchez-Chiong, Iris ter Schiphorst, Walter Werzowa

Moderation: 
Ursula Strubinsky

Zwischen Kontrapunkt und KI

Die Freude am Kreieren von Musik und der Wunsch, die innere Vorstellung souverän klingende Wirklichkeit werden zu lassen, veranlasst Menschen Komposition zu studieren. Aber welche Fertigkeiten muss man einer*einem Studierenden mitgeben, damit sie*er sich als eigenständige künstlerische Persönlichkeit entfalten kann? Ist es dafür wirklich notwendig, wie Bach Fugen schreiben zu können oder Klaviersonaten von Beethoven zu analysieren? Muss man unbedingt ein Instrument beherrschen oder in der Lage sein, Noten zu lesen? Ist das alles überhaupt noch zeitgemäß? Und welchen Stellenwert nehmen beim Kompositionsstudium Medien und Technologien und im Besonderen die KI ein? Welche Relevanz hat Experimentelles prinzipiell im aktuellen Musikgeschehen? Und liegt die Zukunft der Musik vielleicht im angewandten Bereich? Diese und andere Fragen werden bei dieser Roundtable-Diskussion zur Sprache kommen.

JELENA POPRZAN
// Gastvortrag 

@Vortragssaal
(17.04., 13)

                         
Jelena Poprzan spricht über ihre künstlerische Praxis, Techniken und Ziele. Im Rahmen des Seminars "Jazztheorie/Arrangement" bei Samu Gryllus.

ROTAPHONIE / FLAECHENFINDER
// Boris Hegenbart

@Vortragssaal
(16.04., 12h15)

Boris Hegenbart wird über den Entstehungsprozess seiner Arbeiten ROTAPHONIE und FLAECHENFINDER berichten und verschiedene Aspekte der kompositorischen Formgebung und Materialerstellung erläutern. Es gibt unterschiedliche Querverbindungen zu der Entwicklung seines Live-Instrumentariums, das sich über die Jahre mit jeder Performance weiterentwickelt hat, sowie zu der Beziehung zwischen zeitgenössischer Musik und DUB.

Der Klang der Algorithmen?
// Adrian Kleinlosen

@Vortragssaal
(16.04., 10h)

Klingt Musik, die mithilfe von Algorithmen komponiert wurde, anders als andere? Gibt es gar, unbenommen aller stilistischen Idiosynkrasien, eine spezifische Klanglichkeit algorithmisch generierter Musik? Und wenn ja, was sind die melodischen, harmonischen, rhythmischen, morphologischen und satztechnischen Eigentümlichkeiten algorithmischer Musik?

Adrian Kleinlosen ist Komponist und Musikwissenschaftler und lebt in Hamburg. Er studierte Jazzposaune in Graz, Komposition in Luzern, Leipzig und Santa Cruz (USA) und promovierte 2021 mit einer musik- wissenschaftlichen Arbeit zum Thema »Morphologie in der Musik«. Im Mittelpunkt seines kompositorischen Schaffens stehen strukturelle Fragen und die Arbeit mit Algorithmen. Kleinlosen komponiert Instrumentalmusik, Vokalmusik, Elektro- akustische Musik und Computermusik.

BALLADE(N) F//R EINE*N BULLDØZER.2
// Antrittskonzert Clara Iannotta, Olga Neuwirth & Gerald Resch

@Joseph-Haydn-Saal
(15.04., 19h30)

Die neuen Professor*innen des Instituts stellen sich vor.

Platypus Ensemble
Jaime Wolfson / Klavier, Schreibmaschine und Leitung

Gerald Resch
// con moto

Martin Lichtfuss
// K*tzbühel - eine patriotische Huldigung

Olga Neuwirth
// Magic-Fluidity

Clara Iannotta
// echo from afar (II)

Nachruf: Friedrich Cerha (*1926 - †2023)

Das Institut für Komposition, Elektroakustik und Tonmeister_innen-Ausbildung trauert um seinen Kollegen Friedrich Cerha. Der Verstorbene hatte an der mdw von 1976 bis 1988 eine Professur für Komposition, Notation und Interpretation Neuer Musik inne und bildete eine Reihe namhafter Komponisten aus. Sein letzter Schüler – Karlheinz Essl – lehrt hier heute noch.

Friedrich Cerha, 1926 in Wien geboren, stammt aus einfachen Verhältnissen. Schon früh lassen sich bei ihm zwei charakteristische Eigenschaften beobachten: eine ungezügelte Neugier und eine widerständige, unangepasste Haltung, die gern infrage stellt.

Seine Neugier trieb ihn schon als Kind hinaus auf die Gassen, wo er Erzählungen zufolge mit „Zigeunern” musizierte. Sein Instrument, die Geige, lernte er seit frühester Kindheit und entwickelte sich zu einem hervorragenden Musiker, der in allen Genres zu Hause war.

Die bittere Erfahrung des Austrofaschismus und des Zweiten Weltkrieges formten ihn zu einem Menschen, der jeglicher Obrigkeit misstraut und eine Abneigung gegen Gruppen jeglicher Art hat. Dies wurde auch durch seinen Vater bestärkt, der dem jungen Fritz einmal drastisch vor Augen führte, „was Menschen Menschen antun können”. Am Ende des Krieges erlebte er eine aufreibende und lebensgefährliche Odysee. Mit aller zu Gebote stehenden List schlug sich der junge Deserteur zu Fuß von Göttingen bis nach Tirol durch, wo er schließlich als Hüttenwirt untertauchte. Das Erlebnis dieser Wanderschaft und der Bergwelt haben Spuren hinterlassen, die auch in seiner Musik zu finden sind.

In den grauen Nachkriegsjahren studierte er an der Wiener Musikakademie Geige und Komposition, nahm Privatunterricht beim Schönbergschüler Josef Polnauer und promovierte 1950 in Germanistik an der Universität Wien. Über Vermittlung von Karl Schiske (dessen Schüler er aber nie gewesen ist) reiste er 1956 gemeinsam mit Kurt Schwertsik und Lothar Knessl nach Darmstadt, dem Mekka der Neuen Musik. Auf diesen Sommerkursen lernte er gleichaltrige Komponisten aus ganz Europa wie Luigi Nono, Pierre Boulez und Karlheinz Stockhausen kennen. Deren kühne Ideen eines musikalischen Neuanfangs durch radikale Neustrukturierung des kompositorischen Materials befremdeten ihn jedoch. Cerha, der über Polnauer auch Weberns Musik aus erster Hand kennengelernt hatte, wusste nur zu gut, dass Webern bei aller Konstruktion und Abstraktion fest in der Tradition verwurzelt war und sich als Nachfolger von Bach und Beethoven verstand. In Darmstadt jedoch wurde dieser Zusammenhang „net amal ignoriert”. Stattdessen implementierte man dort ein strenges serielles Regiment, welchem Cerha große Skepsis entgegenbrachte. Gleichwohl hat er sich jenen avantgardistischen Ideen nicht gänzlich verschlossen, sondern diese in sein kompositorisches Denken integriert, ohne jedoch seinen musikantischen Impetus aufzugeben.

Friedrich Cerha hat im Laufe seines langen Komponistenlebens zahlreiche hochdotierte Auszeichnungen erhalten. Neben dem Großen Österreichischen Staatspreis bekam er 2006 den Goldenen Löwen der Musik-Biennale Venedig für sein Lebenswerk. 2012 wurde ihm der Ernst-von-Siemens Musikpreis zuerkannt; 2017 wurde er mit der Ehrenmitgliedschaft der Österreichischen Gesellschaft der Autoren, Komponisten und Musikverleger (AKM) ausgezeichnet.

Das Institut für Komposition, Elektroakustik und Tonmeister_innen-Ausbildung wird Friedrich Cerha ein ehrendes Andenken bewahren.

https://www.essl.at/bibliogr/cerha-laudatio.html (letzter Zugriff: 14.02.2023)