Exilarte Jubiläum 2026

Das Exilarte-Zentrum begeht mit einem umfassenden Jahresprogramm 2026 sein zweifaches Jubiläum - 20 Jahre exil.arte Verein und zehn Jahre Exilarte Zentrum.  

Seit seiner Gründung im Jahr 2006 hat sich der exil.arte Verein  –  seit 2016 als Exilarte Zentrum an der mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien zu einer der weltweit führenden Einrichtungen für die Wiederentdeckung, Bewahrung und Reintegration jener Musik entwickelt, die durch den Nationalsozialismus verdrängt oder zum Schweigen gebracht wurde. Was mit einem Gedenkkonzert für Alma Rosé begann, hat sich im Verlauf von beinahe zwei Jahrzehnten zu einem vielgestaltigen Programm aus Konzerten, Ausstellungen, Tagungen, Publikationen und Archivaufbau entwickelt.

Exilarte ist das weltweit einzige aktive Forschungszentrum und Archiv, das die Nachlässe europäischer Komponisten und Komponistinnen sowie Musiker und Musikerinnen, deren Schaffen im Nationalsozialismus verboten war, sammelt, sichtet, publiziert und musikalisch präsentiert. Exilarte erinnert auf vielfältige Weise an diese Persönlichkeiten, die, um zu überleben, gezwungen waren, ins Exil zu flüchten oder deren Leben in der Shoah gewaltsam beendet wurde.

Gerold Gruber, Leiter des Exilarte Zentrum:

"Ich habe mich lange Zeit mit der Musik der Verfemten und Vertriebenen auseinandergesetzt – beginnend in meiner wissenschaftlichen Laufbahn als Schönberg-Forscher. Dabei konnte ich Kolleginnen und Kollegen gewinnen, die bereit waren, diese verschollene, vergessene und verschwundene Musik wieder ins Leben zu rufen. Mein erster Gedanke war, diese Musik wieder auf die Bühne zu bringen, damit sie erneut zum Klingen kommt. Zweitens erkenne ich darin die Möglichkeit, ein bestehendes Unrecht umzudrehen: Indem wir das, was diese Komponistinnen und Komponisten auszeichnete – nämlich ihre herausragende Musik – wieder hörbar machen, geben wir ihr die verdiente Aufmerksamkeit zurück."

Das Jahresprogramm wurde am 13. Jänner 2026 am Exilarte Zentrum von Rektorin Ulrike Sych und Gerold Gruber, Leiter des Exilarte Zentrum präsentiert. Anwesende Gäste: Waltraud Dennhardt-Herzog (Austrian Cultural Forum London, a.D.), Michael Haas (Mitbegründer des Exilarte Zentrum), Thomas Hampson

Rektorin Ulrike Sych:

„In den letzten zehn Jahren ist das Exilarte Zentrum zu einem bedeutenden Forschungs- und Vermittlungszentrum an der mdw geworden, das eindrucksvoll zeigt, wie eine Universität zugleich Hüterin und Erneuerin des kulturellen Gedächtnisses sein kann. Ich danke Gerold Gruber und seinem Team für die herausragende Arbeit, die das Exilarte Zentrum leistet, und die untrennbar mit der Haltung der mdw verbunden ist: Wir stehen für die Wahrung der Würde und der Rechte aller Menschen, für demokratische Werte, Gleichberechtigung, Diversität und transkulturelle Offenheit. Diese Haltung ist unverhandelbar – und sie verlangt auch, dass wir Verantwortung gegenüber der Geschichte übernehmen und künstlerische und wissenschaftliche Stimmen jener sichtbar machen, die durch Verfolgung, Exil und Ausgrenzung zum Schweigen gebracht werden sollten.“

Die Programmhighlights
13. März 2026: Echo des Unerhörten: INVISIBLE – Konzert im Gläsernen Saal des Wiener Musikvereins mit Schauspieler Cornelius Obonya als Erzähler sowie Komponist und Geiger Yury Revich mit einer Uraufführung einer Eigenkomposition

15. April 2026: Eröffnung der Jubiläumsausstellung, begleitet von einem Konzert im Liszt-Saal

28. Mai 2026: Musiksalon in der Österreichischen Nationalbibliothek, gewidmet Erich Wolfgang Korngold

9. Juni 2026: Orchesterkonzert mit Werken von Julius Bürger, dirigiert von Vinzenz Praxmarer und interpretiert vom Orchester Divertimento Viennese, im Großen Sendesaal des ORF RadioKulturhauses

23. September 2026: Echo des Unerhörten – Die Wiener Symphoniker zum 20-jährigen Jubiläum von Exilarte: Festkonzert im Großen Saal des Wiener Konzerthauses unter der Leitung von Katharina Wincor und der Pianistin Mitra Kotte, mit Welt- und Österreichpremieren von Wilhelm Grosz und Hans Winterberg

3. Dezember 2026: Konzert im MuTh, in Kooperation mit der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien (MUK), dirigiert von Andreas Stöhr mit Studierenden von MUK und mdw.

13. Dezember 2026: Konzert im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins mit der österreichischen Erstaufführung von Richard Fuchs’ Kantate „Vom jüdischen Schicksal“

Das gesamte Jubiläumsjahr wird von einer offiziellen Medienpartnerschaft mit ORF Radio Ö1 begleitet, die eine breite öffentliche Resonanz der erinnerungskulturellen und künstlerischen Initiativen Exilartes sicherstellt. Darüber hinaus finden gemeinsam mit lokalen Partnern weitere Konzerte in London, Prag, New York und Los Angeles statt.

Alle Veranstaltungen auf einen Blick
Einen Überblick über alle Veranstaltungen des Jubiläumsjahres finden Sie im Veranstaltungskalender.