Auszeichnung für innovative Forschung mit gesellschaftlicher Relevanz im wissenschaftlichen Doktorat

Mit der Verleihung des Herta und Kurt Blaukopf Awards 2026 würdigte die mdw erneut herausragende Dissertationsprojekte, die sich durch innovative Methoden, interdisziplinäre Zugänge und gesellschaftspolitische Relevanz auszeichnen. In Erinnerung an Herta Singer-Blaukopf (1924–2005) und Kurt Blaukopf (1914–1999), die mit ihren Arbeiten die Musikwissenschaft und Musiksoziologie nachhaltig geprägt haben und beide durch den Nationalsozialismus verfolgt wurden, führt der Award ihr Vermächtnis fort und positioniert die mdw als internationalen Wissenschaftsstandort.

Bianca Jasmina Rauch, Isabel Frey, Ioannis Christidis, Tianyu Jiang & Alexander Flor (v. l. n. r.) © Stephan Polzer 

Im Rahmen der Eröffnungsworte betonte Rektorin Ulrike Sych die Bedeutung wissenschaftlicher Vielfalt – gerade angesichts aktueller Entwicklungen an Universitäten. Die mdw müsse ein Ort bleiben, an dem Forschung zu gesellschaftlich relevanten Themen geschützt und gefördert werde, auch wenn diese vermeintliche „Nischenthemen“ behandeln. Ausgezeichnet wurden in diesem Jahr fünf Dissertationsprojekte, die eindrucksvoll die thematische Bandbreite der Forschung an der mdw widerspiegeln: Isabel Frey untersucht in Vocal Yiddishkeit. Postvernacular Transmission and Performance of Yiddish Folksong die Weitergabe und Aufführung jiddischer Volksmusik. Bianca Jasmina Rauch widmet sich in Widerständige Blicke: Weibliche Identitätssuche im Coming-of-Age-Film weiblichen Perspektiven im Film. Ioannis Christidis erforscht in Music in the Experience of Forced Migration from Syria to the European Borderland die Rolle von Musik in Erfahrungen erzwungener Migration. Alexander Flor analysiert mit Das Dramma per Musica im Konzeptalbum die Interpretation und Inszenierung Alter Musik auf dem Tonträgermarkt. Tianyu Jiang schließlich beschäftigt sich in The Elusive Dancefloor mit Musik, Clubräumen und sozialen Beziehungen in der queeren und frauenzentrierten Underground-Musikszene Shanghais. Die Jurymitglieder stellten die ausgezeichneten Projekte in Kurzstatements vor, bevor die Awardees selbst Einblicke in ihre Forschung gaben. Bemerkenswert war dabei die selbstverständliche Koexistenz sehr unterschiedlicher Forschungsfelder – von jiddischer Musikkultur über Flucht und Migration bis hin zu queeren Clubkulturen oder historischer Aufführungspraxis. Gerade diese Vielfalt, die gesellschaftlich und politisch hochaktuelle Themen ebenso umfasst wie spezialisierte künstlerische Fragestellungen, wurde im Einklang mit dem höchsten wissenschaftlichen Anspruch als besondere Stärke der mdw sichtbar. Auch das künstlerische Programm griff die Themen der ausgezeichneten Arbeiten auf. Der syrische Musiker Salah Ammo gestaltete musikalische Beiträge, die an die Forschung von Ioannis Christidis anknüpften, während ein Ausschnitt aus Jessica Hausners Film Flora die filmwissenschaftliche Perspektive von Bianca Jasmina Rauch aufgriff. Einen historischen Blick auf das wissenschaftliche Erbe der Namensgeber_innen eröffnete Rosa Reitsamer mit ihrem Vortrag The Archival Turn in Music Sociology. Sie hob die Bedeutung des Kurt-Blaukopf-Archivs für die Geschichte der Musiksoziologie in Österreich hervor und erinnerte zugleich an die oft übersehenen Beiträge von Herta Blaukopf, Elena Ostleitner, Irmgard Bontinck und Dora Schimanko zur „Wiener Schule der Musiksoziologie“. Die Preisverleihung machte einmal mehr deutlich, dass die mdw ein Ort ist, an dem sich Wissenschaft, künstlerische Praxis und gesellschaftliche Verantwortung produktiv begegnen – ganz im Sinne des Wirkens von Herta und Kurt Blaukopf.

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