Vielfältige Services, verlässliche Standards und ein guter Ort
Ein Tag mitten im Oktober, 14 Uhr. In der Bibliothek (ub.mdw) herrscht Hochbetrieb. An der Entlehnstelle piepst der Handscanner im Sekundentakt, nebenbei wird Orchestermaterial für ein Konzert im Schlosstheater Schönbrunn bereitgestellt. Im Lesesaal erhält eine Gruppe von Erstsemestrigen eine Einführung in die Gesamtausgaben. Eine Dissertantin lässt sich im Referent_innenbüro über Möglichkeiten beraten, ihre Doktorarbeit Open Access zu veröffentlichen, während sich die Schreibgruppe im Gruppenraum mit der Schreibberaterin über das Potenzial des Freewritings austauscht. Ein Student hat es sich in der Zeitschriftenlounge auf einem Sofa gemütlich gemacht – Powernap zwischen zwei Lehrveranstaltungen.

Zehn Jahre ist es nun her, dass die ub.mdw vom ehemaligen Akademiegebäude in der Lothringerstraße 18, das mehr als hundert Jahre ihr Zuhause war, auf den Anton-von-Webern-Platz übersiedelt ist. Seither unterstützt sie Studierende, Lehrende, Verwaltungsmitarbeitende und Musikinteressierte noch passgenauer – mit Services, die so vielfältig sind wie die Bedürfnisse ihrer Nutzer_innen. Dabei verfolgt sie eine doppelte Mission: Wissen zu bewahren und die Zukunft mitzugestalten. Mit dem Umzug auf den Campus hat sich die ub.mdw zu einer hochmodernen Musikbibliothek entwickelt und kann die Aufgabe von Bibliotheken im 21. Jahrhundert, „bewahrende, vermittelnde, bildende und gesellschaftsbeschützende Einrichtungen“1 zu sein, noch besser erfüllen. Der Standort am Campus, im Herzen der mdw, bedeutete in erster Linie einen großen Zugewinn an Raum. Raum, um Medien leichter zugänglich zu machen, um Ruhe- und Lernzonen zu schaffen, aber auch Raum für Begegnung und Wissensvermittlung. Während in vielen Bibliotheken physische Bestände vermehrt ausgelagert oder gar nicht mehr angekauft werden, sieht sich die ub.mdw nach wie vor als hybride Bibliothek. Neben einem kontinuierlich wachsenden Angebot an E-Books, E-Journals, Datenbanken und digitalen Notenausgaben wird es auch weiterhin möglich sein, in den Regalen zu stöbern und so vielleicht ein Buch oder ein Musikstück zu entdecken, auf das man sonst nicht aufmerksam geworden wäre. Damit Wissen bewahrt werden und neues Wissen entstehen kann, braucht es aber noch mehr: Orte der Ruhe, in denen Gedanken schweifen und kreative Ideen wachsen können. Der Freihandbereich Bücher, auch liebevoll „Baumhaus“ genannt, ist so ein Ort. Dieser wurde über den Sommer umgestaltet und mit bequemen Sitzmöbeln und modernen Arbeitsplätzen ausgestattet. Gemütlich auf einem Sofa sitzend schmökern kann man ab sofort auch in der neu entstandenen Zeitschriftenlounge im Freihandbereich Noten.

Die Übersiedelung auf den Campus ermöglichte auch eine bessere Vernetzung der Bibliothek mit anderen Abteilungen. Im Frühjahr 2021 wurde in Kooperation der ub.mdw und der Forschungsförderung der Open-Access-Wissenschaftsverlag der mdw mdwPress gegründet. Dieser ist bislang der einzige Universitätsverlag an einer österreichischen Kunstuniversität. Seitdem hat mdwPress bereits sechzehn Bücher veröffentlicht, drei Zeitschriften erscheinen regelmäßig. Ein Double-Blind-Peer-Review-Verfahren garantiert höchste Qualitätsstandards aller Publikationen. Freier Zugang zu Wissenschaft und Bildung ist der ub.mdw ein großes Anliegen. So werden Sichtbarkeit und Verbreitung der am Haus entstandenen Publikationen gezielt gefördert, nicht nur aus der Forschung – etwa über den Open-Access-Publikationsservice pub.mdw –, sondern auch aus der Lehre. Denn die ub.mdw berät auch bei der Erstellung und Veröffentlichung von Open Educational Resources (freien Bildungsmaterialien).
Im Sichern von Qualitätsstandards liegt eine der zukünftigen Hauptaufgaben von Bibliotheken. In Zeiten von Informationsflut, Fake News und künstlicher Intelligenz sollen sie Orientierung bieten und Vertrauen schaffen und – pointiert formuliert – eine Art „Schutzmauer gegen die Außenwelt, gegen die Welt der Barbarei“2 bilden. Um Studierende beim Erlernen der Standards der guten wissenschaftlichen Praxis zu unterstützen, hat die ub.mdw 2020 das Schreibzentrum gegründet und bietet Hilfestellung beim wissenschaftlichen Schreiben in Form von Einzelberatungen, aber auch Workshops und Schulungen zu Themen wie Quellenbewertung, künstliche Intelligenz oder Mehrsprachigkeit. Den Umgang mit Suchmaschinen und künstlicher Intelligenz zu lehren, wird in Zukunft wichtiger werden. Die Nutzer_innen der ub.mdw wissen jedoch etwas anderes fast noch mehr zu schätzen: die persönliche Beratung und den fachlichen Austausch. Die Geigern Marie Radauer-Plank, die die ub.mdw besucht hat, um den Nachlass der Komponistin und Pädagogin Mary Dickenson-Auner einzusehen, bringt es auf den Punkt: „Ich glaube, trotz aller neuen Möglichkeiten, Suchmasken, künstlicher Intelligenz usw., bekommt man Ideen, wo und wie man weiter recherchieren könnte, vor allem durch das Gespräch, und nicht nur dadurch, dass man etwas in eine Suchmaschine eingibt.“3
Ihr zehnjähriges Jubiläum begeht die ub.mdw am 20. November mit einem ganz besonderen Ereignis. Nur so viel sei vorerst verraten: Ein österreichischer Komponist wird dabei der Bibliothek seine Handschrift aufdrücken – im wahrsten Sinne des Wortes. Details dazu in Kürze unter bibliothek.mdw.ac.at. Stay tuned!
- Jens Mittelbach, „Editorial: Zukunftsgestaltung in Bibliotheken“ in: Bibliothek Forschung und Praxis, Jg. 50, Nr. 1, 2026, S. 1–3, hier S. 1, https://doi.org/10.1515/bfp-2026-0007.
- Michele Calella in: 100 Jahre ub.mdw. 1909–2009. youtube.com/watch?v=sn0CW8XUFqk, abgerufen am 31. 7. 2026, 0:20–0:26.
- Barbara Fuchslehner, „Fermata. Einblick von außen. Marie Radauer-Plank“, in: Forum Musikbibliothek, Jg. 44, Nr. 3, 2023, S. 60–62, hier S. 62, https://doi.org/10.13141/fmb.v20233943.