Über das Projekt

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wird unsere (Um-)Welt zunehmend von medial vermittelten Klängen und Bildern bestimmt. Ihre digitale Speicherung hat die Vielfalt und den Umfang dieses Repertoires beträchtlich anwachsen lassen. Musik und Klang prägen solche audiovisuellen Medien und beeinflussen dadurch unsere sozialen Beziehungen: sie haben Funktionen für das kulturelle Gedächtnis von Gruppen und Einzelnen, sie sind mit Gefühlen verbunden und markieren besondere Rituale und Ereignisse.

Das Forschungsprojekt Telling Sounds nutzt die unmittelbare Verfügbarkeit von audiovisuellen Dokumenten, um deren Bedeutung für die (historische) Musikwissenschaft in methodologisch innovativer Weise anzuwenden. Die Einbettung von Musik in Radiosendungen, Reportagen, Dokumentationen und Filmen verweist auf die Historizität von musikalischen Phänomenen, die jenseits der großen Erzählung von in kulturellen Zentren wirkenden „Tonheroen“ zu beobachten sind. Musik(en) stehen in solchen Dokumenten in vielfältigen und sehr unterschiedlichen Zusammenhängen: die (audio)visuellen Elemente verweisen jeweils auf verschiedene Zeiten, Institutionen, Ereignisse, Orte, Personen und Repertoires, deren Zusammentreffen ein lineares Verständnis von Geschichte für sich genommen schon in Frage stellt. Um solche Dokumente auch über die Grenzen unterschiedlicher Sammlungen und Dokumententypen hinaus aufeinander beziehen zu können, werden für ihre Sedimentierung, also das Erfassen ihrer einzelnen Bestandteile, Methoden der Oral History, der Medien- und Filmwissenschaft, der Musikanalyse und der Performance-Studies miteinander kombiniert.

Drei Dinge sind für das Projektdesign charakteristisch: 1.) getragen vom Gedanken einer (musik)historischen Auswertung von digitalisierten, online verfügbaren audio(visuellen) Aufnahmen, werden in konkreten Fallstudien deren methodische Konsequenzen genutzt – beispielsweise für eine a-chronologische, der digitalen Vernetzung entsprechende Darstellung von mit Musiken zu verschiedenen Zeiten verbundenen Kontexten (Bedeutungen, Vorstellungen), oder auch bezüglich unterschiedlicher Repertoires in den diversen Medien. 2.) Die Clips werden nicht direkt aufgenommen, sondern nur deren jeweils (z.B. im jeweiligen Sammlungs-Katalog) verfügbare Metadaten. Die Erfassung und Darstellung der von ihnen gebildeten - etwa (musik)historischen bzw. soziokulturellen - Kontexte erfolgt über zusätzliche Annotationen. 3.) das dafür verwendete Tool LAMA (Linked Annotations for Media Analysis) ist eine im Rahmen des Projekts eigens entwickelte Anwendung (Application).

Ein wichtiges Projektziel von Telling Sounds war bzw. ist demnach die Entwicklung des sogenannten LAMAs ("Linked Annotations for Media Analysis"), einer digitalen Forschungsumgebung für die kollaborative Arbeit mit audio(visuellen) Clips. Digital verfügbare Clips aus verschiedenen Archiven und Plattformen (Österreichischen Mediathek, Phonogrammarchiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften oder Archivio Luce) werden zunächst mit ihren Metadaten erfasst, wobei die Mediendateien selbst nicht übernommen, sondern lediglich referenziert werden. Die Clips werden dann mit zusätzlichen, inhaltlichen Metadaten angereichert, die sich oft erst durch Anschauen oder Anhören einer Quelle ergeben. Das ist beispielsweise welche Personen, Orte oder Sounds (verschiedenste Arten von Klängen, Musiken oder Geräuschen) in ihnen vorkommen und in welcher Weise (etwa ob jemand spricht oder zu sehen ist, oder ob ein ein Sound erklingt oder erwähnt wird) und, falls von Interesse, an welcher Stelle (Timecode). Die Entitäten (Personen/Sounds/Orte etc.) werden – im Gegensatz zu rein textbasierten Metadaten – mit einem entsprechenden Datensatz verknüpft, um sie eindeutig identifizieren zu können und wiederum von weiteren, mit diesen Entitäten verbundenen semantischen Daten (im Sinn von Linked Open Data) zu profitieren. Zusätzlich zu “objektiven” Feststellungen (wer oder was vorkommt und wie), können auch daraus abgeleitete Bedeutungen und Konnotationen festgehalten werden – in Form von sogenannten “Themen”, bei denen es sich etwa um (historische) Zeiten, Ideologien, Topoi oder Erinnerungsorte handeln kann. Mehr zu diesem Tool finden Sie hier.

Als Massnahme der Nachwuchsförderung finanziert die mdw in den Studienjahren 2019 bis 2021 ein gemeinsam mit dem Archiv der mdw durchgeführtes Spezialprojekt unter dem Titel Klingende Zeitgeschichte, das den medialen Wirkungen und Auftritten der mdw gewidmet ist. Dazu begrüßen wir herzlich zwei Mitglieder im Team: Eva Schörkhuber und Haruki Noda.

 

Neuigkeiten

 

Konferenzbeiträge

Julia Jaklin und Peter Provaznik präsentierten am 28.7 im Rahmen der Konferenz der Digital Libraries for Musicology das vom Projekt Telling Sounds entwickelte Tool LAMA. Einen Einblick in den Entwicklungsprozess gibt das bei der Konferenz vorgestellte Poster:

LAMA: Annotating and connecting audio(visual) sources for musicological research and media analysis

 

 

Am 2. Juni präsentierten Julia Jaklin und Peter Provaznik das Projekt Telling Sounds bei der Poster Session der internationalen Tagung Data for History. Modelling Times, Places, Agents.

 

Zuwachs

Das Team von Telling Sounds hat sich vergrößert! Wir freuen uns, unsere neuen Mitarbeiterinnen Neva Klanjscek, Meike Wilfing-Albrecht und Sophie Bitter-Smirnov willkommen zu heißen.

 

Termine

November 2021

  • LAMA: Der Clip

Oktober 2021

  • Präsentation Klingende Zeitgeschichte
    Eva Schörkhuber und Haruki Noda gemeinsam mit Lehrenden und Studierenden der Institute 01, 07 und 10: Drei Podcasts zur Geschichte der mdw

Juli 2021

  • DLfM21 Digital Libraries for Musicology conference (28–31.7.)
    Posterpräsentation: Telling Sounds LAMA: Annotating and Connecting Au-dio(visual) Sources for Musicological Research and Media Analysis

Juni 2021

  • Präsentation LAMA (Linked Annotation for Media Analysis) für Kolleg*innen und Kooperationspartner*innen (21.06., 14:00 - Anmeldung erbeten)
  • Posterpräsentation von Julia Jaklin und Peter Provaznik bei der Konferenz Data for History. Modelling Time, Places, Agents (2.Juni.2021)

Mai 2021

  • Slovenska akademija znanosti in umetnosti (SAZU)
    Matej Santi: Prilaščanje glasbene kulturne dediščine v ideološke namene (12.5.)

November 2020

  • „Hearing is Believing“: Radio(-Programme) als strategisches Propagandainstrument, Wien (26–28.11.)
    Matej Santi: Jimmy Bergs Interviews aus New York und die Imagination des Österreichischen
    Elias Berner, Julia Jaklin: Die Musik und ihre Kontexte in den Sendern Rot–Weiß–Rot und RAVAG: Das Digitale Analysewerkzeug "Linked Annotations for Media Analysis"
    Cornelia Szabó-Knotik, Kriegsgefangene kehren heim

Mai 2020 (verschoben auf Frühjahr 2021)

Januar 2020

Dezember 2019

Oktober 2019

  • Am 1. und 2. Oktober 2019 hat das Team gemeinsam mit Stefan Szepe (ZID) die Struktur des Datenmodells skizziert, das dem Forschungstool zugrunde liegt. Einleitend hat David Weigl (IWK) das Datenmodell vom TROMPA vorgestellt.
  • Workshop: Data Modeling mit Franziska Diehr, Freie Universität Berlin (1.–3.10.)

September 2019

  • Projektpräsentation bei der Jahrestagung der Gesellschaft für Musikforschung, Detmold - Paderborn (23.9.)
    Cornelia Szabó-Knotik, Matej Santi, Elias Berner, Peter Provaznik, Julia Jaklin: "Musikgeschichte anders erzählen?"

August 2019

  • Digital Humanities at Oxford Summer School (22.–26.8.)
    Linked Data for Digital Humanities (Weiterbildung: Matej Santi, Elias Berner, Julia Jaklin)

April 2019

  • Doktoratskolleg Austrian Studies, Universität Innsbruck (1.4.)
    Matej Santi: "Hier spricht Jimmy Berg aus New York", oder vom transnationalen Nation-building im Radio

März 2019

Februar 2019

  • Klausur der Wissenschaften (27.2.)
    Posterpräsentation

Jänner 2019

  • Überblicksvorlesung Tendenzen des Faches (16.1., 9.00–10.30, IMI)
    Team Telling Sounds: Projektpräsentation

Dezember 2018

  • Musik Quellen Denken (ÖGMw Jahrestagung)
    Panel M. Santi und E. Berner: Wie klingt die 2. Republik. Oder welche Musik hat wen wovon befreit?

September 2018