Foto von Hannah Lena Rebel © privat

Mag. Hannah Lena Rebel ist eine österreichische Komponistin, Dirigentin und Tonmeisterin.

Ihre Ausbildung führte sie durch mehrere Disziplinen – von der Ballettakademie der Wiener Staatsoper über ein Tanzstudium an der MUK, ein Tonsatz- und Dirigierstudium am Prayner Konservatorium bis zu einem Kompositionsstudium an der MDW, das sie 2024 im Studienzweig Medienkomposition und Angewandte Musik mit dem Magistergrad abschloss. Parallel dazu realisierte sie u.a. Musiktheaterprojekte mit Schulklassen, für die sie eigene Stücke komponierte, probte und vollständige Aufführungen einstudierte.
Neben der kompositorischen Arbeit entwickelte sich ein wachsendes wissenschaftliches Interesse an technischen und wahrnehmungsbezogenen Aspekten des Musiktheaters. Seit Jänner 2025 ist sie in der Abteilung für Ton- und Medientechnik an der Volksoper Wien festangestellt. Aus diesen Erfahrungen entstand ihr Dissertationsprojekt unter der Betreuung von Uni.-Prof. Dr. BSc. MSc. George Sioros:

Temporale Synchronisation und Wahrnehmungskohärenz im Musiktheater: Rhythmischkognitive und medientechnologische Untersuchung der Interaktion zwischen Dirigent*in und Tonmeister*in

Das Dissertationsprojekt untersucht die komplexe, wechselseitige Interaktion zwischen Dirigent*in und Tonmeister*in im Musiktheater, insbesondere deren Einfluss auf Timing, Koordination und Wahrnehmungskohärenz. Der wissenschaftliche Ansatz verbindet Erkenntnisse aus Rhythmus- und Musikkognition mit medientechnologischer Analyse, um zu erforschen, wie dirigentische Gestik und tonmeisterliche Klanggestaltung zusammenwirken und die Wahrnehmung von zeitlichen Abläufen, musikalischer Präzision und Ausdruck in Live-Performances prägen. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass musikalische Prozesse wesentlich durch rhythmische Struktur, verkörperte
Wahrnehmung und kommunikative Interaktion bestimmt sind und dass technische Prozesse, sofern sie direkt in diese Abläufe eingebunden sind, deren zeitliche, räumliche und kommunikative Logik mitgestalten.
Dabei wird deutlich, dass tonmeisterliche Entscheidungen weit über die technische Umsetzung hinausgehen: Sie tragen aktiv zur Gestaltung von Spannungsbögen, Antizipation und emotionaler Wirkung bei und unterstützen die kohärente Wahrnehmung sowie dramaturgische Gestaltung von Live-Performances. Darüber hinaus soll die Untersuchung aufzeigen, wie Tonmeister*innen und Dirigent*innen in Echtzeit interagieren und wie sich diese Interaktion auf musikalisch-technische Synchronisation und Wahrnehmungskohärenz im Publikum auswirkt. Auf dieser Basis lassen sich praxisnahe Empfehlungen für Proben- und Aufführungsabläufe ableiten, um die Abstimmung von
musikalischer Interpretation und technischer Umsetzung zu optimieren und die zeitliche, räumliche und emotionale Kohärenz im Musiktheater zu stärken.
Die Arbeit ist praxisorientiert konzipiert und basiert auf systematisch erhobenen Beobachtungen aus Proben- und Aufführungssituationen sowie aus der beruflichen Tätigkeit der Autorin in der Abteilung für Ton- und Medientechnik der Volksoper Wien, die als empirische Grundlage der Untersuchung dienen.