Felix Dieterle studierte Musikwissenschaft und Oboe an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Folkwang Universität der Künste Essen und der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. Er schloss sein Studium 2022 mit einer Masterarbeit zur Vergleichbarkeit von Opern im 18. Jahrhundert am Beispiel von Carl Heinrich Grauns ‚Cleopatra e Cesare‘ und Georg Friedrich Händels ‚Giulio Cesare in Egitto‘ ab. Von Februar bis Dezember 2022 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsprojekt »textklang«. Mixed-Methods-Analyse von Lyrik in Text und Ton am Deutschen Literaturarchiv Marbach tätig und zeichnete für das Teilprojekt DH-Forschungsdesign für multimodale Archivbestände verantwortlich. Seit Jänner 2023 ist er Prae-Doc-Mitarbeiter im Forschungsprojekt Musikerfamilien: Konstellationen und Konzepte unter der Leitung von Prof. Dr. Melanie Unseld.
 

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Perspektiven einer familienhistorischen Musikforschung am Beispiel der Musikerfamilie Schuncke

Die Musikerfamilie Schuncke, einst in Gustav Schillings Encyklopädie der gesammten musikalischen Wissenschaften (1838) als „eine der größten und merkwürdigsten Virtuosenfamilien der Welt“ gefeiert, ist heute nahezu vergessen – ein Schicksal, das sie mit unzähligen Musikerfamilien der Musikgeschichte teilt. An Bedeutung offenbar nicht verloren hat hingegen das biographische Label „…stammt aus einer Musikerfamilie“, das im Sinne einer positiv konnotierten Zuschreibung auf die Herkunft von Musiker:innen verweist. Dabei ist die Frage danach, was eigentlich unter ,Musikerfamilie‘ verstanden werden kann, weder von der Musikwissenschaft noch von der geschichtswissenschaftlichen Familienforschung bisher kaum gestellt  oder nur ungenügend beantwortet worden. 

Dieser definitorischen Grundlagenfrage möchte ich mich im Rahmen meines interdisziplinär konzipierten Dissertationsprojekts aus unterschiedlichen Perspektiven nähern: Ausgehend von Erkenntnissen der neueren historisch-kritischen Familienforschung zur Wandelbarkeit von familialen Modellen und Lebensformen, die sich im Spannungsfeld von Idealvorstellungen, Inszenierungspraktiken und gelebten Alltagsrealitäten bewegen, sollen sowohl Strategien der Selbst- und Fremdinszenierung, als auch Formen der öffentlichen Wahrnehmung als Musikerfamilie in den Blick genommen werden. Im Fokus stehen dabei u.a. historische Lexika und ihr spezifisches familiales (normatives/biographisches/musikalisches) Wissen über die Musikerfamilie Schuncke. Die Studie verfolgt zudem das Ziel, die performative Dimension der ,Virtuosenfamilie‘ Schuncke zu reflektieren, indem sie vor der Folie der musikwissenschaftlichen Virtuositätsforschung Fragen nach der Verflechtung von Virtuositäts- und Familiendiskurs, nach dem familienspezifischen Repertoire und nach der Beziehung der Familie zum Instrumentenbau stellt.