Foto von Christoph Marty © privat

Christoph Marty studierte Klarinette und Schulmusik in Luzern. Er unterrichtete an Musikschulen sowie auf den Sekundarstufen I und II. Derzeit ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Pädagogischen Hochschule Luzern und in geringem Umfang als freischaffender Musiker tätig. Christoph lebt mit seiner Familie in der Zentralschweiz.

christoph.marty@students.mdw.ac.at


Emotionskultur im Musikunterricht: Eine Ethnografie an Deutschschweizer Gymnasien

Musik und Gefühle sind eng miteinander verbunden: Darüber herrscht breiter Konsens. Umstrittener ist die Frage, wie diese Verbindung beschaffen ist. Denn wie die beiden zusammentreffen, hängt in hohem Maß vom Kontext ab, und je nach Kultur werden sie unterschiedlich miteinander verknüpft.

Eine Kultur zeichnet sich durch Wissen aus, das mehrere Menschen teilen und das ihnen ermöglicht, untereinander verständlich zu handeln. In meinem Dissertationsprojekt betrachte ich Musikunterricht als Kultur: Gewisse Praktiken sind als Musikunterricht zu verstehen, vielleicht das konzentrierte Einstudieren eines Kanons, andere nicht, wie möglicherweise das ausgelassene Abfeiern einer Playlist, bei der eine Mitschülerin mitgemischt hat. Wie im Musikunterricht Gefühle mit Musik verwoben werden, ist zum einen deshalb interessant, weil dieses Gewebe sowohl die Entwicklung der Lernenden als auch die Bedeutung von Musik in der Gesellschaft maßgeblich prägt. Zum anderen auch, weil sich in meiner Exploration herausgestellt hat, dass der Unterrichtsgegenstand Musik im Feld auf besondere Weise emotional markiert wird: Musizieren ist emotional, und das ist gut so.

Mit einer ethnografischen Forschungsstrategie untersuche ich die Emotionskultur im Musikunterricht an Deutschschweizer Gymnasien. Mittels einer Analyse von Beobachtungsprotokollen, Interviews und natürlichen Dokumenten ergründe ich, wie dort Gefühl und Musik miteinander vernetzt sind.