Menschenrechtstag 2020

 

Rechtfertigt jede Krise eine Krise der Menschenrechte? Krisenbedingte Überlegungen
 

Menschenrechtstag 2020 Vortrag von Ruth Wodak Krisenbedingte Überlegungen


Vortrag von em. Univ.-Prof.in Ruth Wodak
em. Distinguished Professor of Discourse Studies, Lancaster University (UK)
Univ.-Prof.in i.R. für Angewandte Linguistik, Universität Wien

Anlässlich des Jahrestags der Deklaration der Menschenrechte veranstaltet die mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien am 10. Dezember 2020 einen Vortragsabend zum Thema Menschenrechte im Spannungsverhältnis der aktuellen Krisen.

Inhalt 

Angesichts der vielen rezenten globalen Krisen (wie die Finanzkrise 2008, Euro-Krise 2010, Griechenlandkrise 2015, Flüchtlingsbewegungen 2015/16, „Corona-Krise“ und „Klimakrise“ 2020) müssen wir uns fragen, wie unsere diversifizierten Gesellschaften mit so großen Herausforderungen umgehen, wie über Krisen kommuniziert und berichtet wird, und vor allem, welche Folgen sich in Krisenzeiten für die Einhaltung der Menschenrechte im Einzelnen ergeben. In solchen Ausnahmezeiten werden häufig - nach ersten Solidaritätsbekundungen - Eigeninteressen vor Gemeinschaftsinteressen, nationale oder sogar lokale vor europäische oder internationale Interessen gestellt und die Gültigkeit der Menschenrechte immer öfter angezweifelt.

Dabei wird häufig vergessen, dass die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte am 10. Dezember 1948 im Palais de Chaillot in Paris als Reaktion auf den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust verkündet wurde - also als eine Antwort auf den größten „Zivilisationsbruch“ (@Dan Diner). Seit 2009 ist sie als Charta der Grundrechte der Europäischen Union auch Teil der Europäischen Verträge.

Mit Blick auf die historische und soziale Bedingtheit von Krisen lohnt es sich zu fragen, welche Antworten Wissenschaft und Wissenschaftler_innen bereithalten und geben können. Insbesondere gilt es zu überlegen, in welcher Weise eine „reflektierte Entschleunigung“ uns dabei behilflich sein könnte: Lernen wir also aus Krisen?

Seit 2018 gestaltet die mdw auf Initiative der Rektorin anlässlich des Jahrestags der Deklaration der Menschenrechte eine Abendveranstaltung zu einer spezifischen Themenstellung. Als internationale Universität mit Studierenden aus über 70 Nationen ist es erklärtes Ziel der mdw, Transkulturalität und eine gelebte Kultur der Gleichbehandlung im Alltag zu verankern. Demokratie, die Freiheit der Kunst, der Wissenschaft und der Lehre sind als leitende Grundsätze in mdw-Leitbild eingeschrieben.


Programm

  • Begrüßung: Ulrike Sych, Rektorin
     
  • Impulsvortrag: Ruth Wodak
     
  • Einleitung und Gespräch: Andrea Glauser, mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
  • Anschließend Publikumsdiskussion


Anmeldung

Eine aktive Teilnahme im Rahmen der anschließenden Diskussion ist über Zoom möglich. Bitte melden Sie sich aus organisatorischen Gründen bis spätestens Montag, 7.12.2020 an, um den Zoom-Link zu erhalten.

Sie können die Veranstaltung auch als Livestream über die mdwMediathek verfolgen. Die Veranstaltung ist danach dort abrufbar.

 

Über die Teilnehmerinnen

Ruth Wodak

Ruth WodakRuth Wodak

em. Distinguished Professor of Discourse Studies (Diskursforschung), Lancaster University (UK) und Univ. Professorin i.R. für Angewandte Linguistik, Universität Wien.

Ruth Wodak hat 1974 subauspiciis an der Universität Wien promoviert, sich 1980 habilitiert, und wurde 1991 als ordentliche Professorin an die Universität Wien berufen. Von 2004 bis 2016 Personal Chair als Distinguished Professor for Discourse Studies an der Lancaster University tätig.

Neben einer Vielzahl von Preisen, erhielt Ruth Wodak 1996 den österreichischen Wittgenstein-Preis. 2010 wurde ihr ein Ehrendoktorat der University Örebro, Schweden, und 2020 ein Ehrendoktorat der University Warwick, UK, verliehen. 2009-2011 war sie Präsidentin der Societas Linguistica Europaea, 2011 wurde ihr das Große Silberne Ehrenkreuz für Verdienste um die Republik Österreich verliehen. 2018 erhielt Ruth Wodak den Lebenswerk-Preis des österreichischen Frauenministeriums. Sie ist Mitglied der Academia Europaea und der British Academy of Social Sciences und seit 2020 Ehrensenatorin der Universität Wien.

Ruth Wodak hatte zahlreiche Gastprofessuren inne, darunter 1992/3 den Austrian Chair, Stanford University, 2003/4 eine Leverhulme Visiting Professorship an der University of East Anglia, Norwich UK; 2008 den Kerstin Hesselgren Visiting Chair of the Swedish Parliament, Örebro University, 2014 den Royden J. Davis Chair for Interdisciplinary Studies, Georgetown University, Washington DC; 2016 war Wodak Distinguished Schuman-Fellow am European University Institute und 2017 wurde sie als Willy Brandt Chair an die University Malmö (für eine einjährige Gastprofessur) berufen. 9/2018-6/2019 und 2/2020 – 9/2020 Senior Visiting Fellow am Institut für die Wissenschaften vom Menschen, Wien. 

Zu den Forschungsschwerpunkten zählen: kritische Diskursforschung, Sprache und Politik (Populismusforschung), Identitäts- und Vergangenheitspolitik, Gender Studies, Migrationsforschung, und linguistische Vorurteilsforschung zu Rassismus und Antisemitismus.
Zahlreiche Publikationen (10 Monografien; über 80 (mit-)herausgegebene Bücher und special issues; mehr als 400 Aufsätze und Buchkapitel) in all diesen Gebieten, die u.a. ins Englische, Französische, Italienische, Polnische, Spanische, Portugiesische, Hebräische, Russische, Koreanische, Japanische, Arabische, Griechische und ins Chinesische übersetzt wurden.

Rezente Buchpublikationen: Sociolinguistic Perspectives on Migration Control (mit M. Rheindorf), Multilingual Matters 2020; Europe at the Crossroads. (mit P. Bevelander), Nordicum 2019; Kinder der Rückkehr. Geschichte einer marginaliserten Jugend (mit E. Berger), Springer 2018; Handbook of Language and Politics (mit B. Forchtner), Routledge 2018; Politik mit der Angst. Zur Wirkung rechtspopulistischer Diskurse, Konturen 2016 (2017 als Wissenschaftsbuch des Jahres in der Sparte Sozialwissenschaften ausgezeichnet).

Foto: privat

www.lancaster.ac.uk/linguistics/about-us/people/ruth-wodak

Andrea Glauser

Andrea GlauserAndrea Glauser

Glauser studierte Soziologie, Kunstgeschichte, Philosophie und Volkswirtschaftslehre in Bern und New York. 2008 promovierte sie mit einer Arbeit zur Wechselbeziehung zwischen Kulturpolitik und künstlerischer Praxis am Beispiel des “Artist-in-Residence” an der Universität Bern. 2017 habilitierte sie sich an der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Luzern mit einer Untersuchung zu Hochhaus- und Stadtbilddebatten in europäischen Metropolen.

Sie arbeitete als wissenschaftliche Assistentin am Institut für Soziologie der Universität Bern (2003-2010) und war Visiting Scholar an der Columbia University in New York (2006; 2011-12) sowie am Institut Français d’Urbanisme, Université Paris-Est (2010-11). Zwischen 2015 und 2017 war sie Oberassistentin am Soziologischen Seminar der Universität Luzern und vertrat 2017/2018 die Professur für Soziologische Theorie und Allgemeine Soziologie. Zudem lehrte sie an der Hochschule Luzern qualitative Forschungsmethoden.

Seit Oktober 2019 ist sie Professorin für Kulturwissenschaft an der mdw. Forschungsschwerpunkte: Kunst- und Kultursoziologie, Stadtforschung, Soziologie der Weltgesellschaft, Kultur- und Sozialtheorien, Methoden der qualita­tiven Sozialforschung

Foto: Nelly Rodriguez

 

Projektteam: Andrea Glauser, Therese Kaufmann, Julia Kordina


 

Vortrag  Ruth Wodak: Rechtfertigt jede Krise eine Krise der Menschenrechte? Krisenbedingte Überlegungen

Donnerstag 10. Dezember 18.00 bis 19.30 Uhr
mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien 
Joseph Haydn-Saal 
Anton-von-Webern Platz 1
1030 Wien