Work Package 6 in der europäischen Universitätenallianz IN.TUNE

Seit Anfang 2024 ist die mdw Teil der European Universities Alliance IN.TUNE – Innovative Universities in Music and Arts in Europe. Noch im selben Frühjahr traf sich das Komitee des IN.TUNE Work Package 6 „Strengthening our Engagement with Society“ zum ersten Mal mit Kolleg_innen aller acht Partneruniversitäten. Geleitet wird das Work Package von der mdw und durch die Vizerektorin für Organisationsentwicklung und Diversität Gerda Müller. Als Chair ist sie nun seit über zwei Jahren für die Umsetzung eines breiten Themenportfolios verantwortlich, das in Form von fünf Working Groups (WG) bearbeitet wird: WG „Lifelong Learning“, WG „Sustainable Careers“, WG „Artistic Citizenship, Audience- and Community Engagement“, WG „Belonging, Diversity, Equity & Inclusion“ und WG „Sustainability“. Die Expert_innen dieser institutionsübergreifenden Arbeitsgruppen werden durch das Work-Package-Komitee inhaltlich begleitet. Die Ergebnisse ihrer Kollaboration werden die Grundlage für insgesamt fünf Policies bilden, die das Komitee bis Ende 2027 verfassen wird, um die Förderung der genannten Themen auf Allianzebene voranzutreiben.

Das erste WP6-Komitee-Treffen in Präsenz an der mdw, Juni 2024 © Stephan Polzer

Halbzeit für die erste Phase von IN.TUNE: Es lohnt sich daher, einen Blick zurück auf die intensive Arbeit des Work Packages 6 zu werfen.

Von Anfang an mit dabei ist die Working Group „Lifelong Learning“ (mit Alicja Rybkowska als mdw-Mitglied), die sich mit dem Konzept des lebenslangen Lernens für Musiker_innen oder generell, für Expert_innen aus dem Musikbereich, beschäftigt. „Lifelong Learning“ verfolgt einen holistischen Ansatz und fördert eine stete Lern- und Anpassungsfähigkeit der Individuen im Austausch mit der Gesellschaft, mit gesellschaftlichen Institutionen und in ihren Privatleben. Obwohl es an allen Partneruniversitäten eine Vielzahl von Angeboten zur persönlichen und beruflichen Weiterbildung gibt, ist Lifelong Learning bei den meisten Partnern weder strategisch konzipiert worden noch institutionell verankert. Nun testet die Working Group Maßnahmen, wie etwa gemeinsame Kurse, die an der Idee ansetzen, geteiltes Wissen und Kenntnisse aller Partnerinstitutionen für Fachpersonen aus der Musikbranche verfügbar zu machen. Einen ersten Erfolg verzeichnete die Working Group mit ihrem Online-Pilotkurs The Lifelong Healthy Musician, für den sich knapp 600 Interessierte aus ganz Europa registrierten. In sieben Sitzungen hielten Lehrende aus der IN.TUNE-Allianz Vorträge aus den Bereichen des körperlichen, kognitiven und psychologischen Wohlbefindens (z. B. in Hearing Loss Prevention von Enric Guaus, Quality Practice – Managing Your Resources von Susan Williams oder Mindful on Stage and Beyond von Angelica Postu). Aufbauend auf den Erfahrungen des ersten Kurses soll ein weiterer zu einer neuen Thematik entwickelt und 2027 umgesetzt werden. Auf Basis der bisherigen Ergebnisse der Working Group startete die mdw Anfang des Jahres einen universitätsübergreifenden Strategieprozess zur „universitären Weiterbildung“ mit dem Ziel, die Sichtbarkeit des Angebots zu stärken und es strukturell klar an der mdw zu verankern.

Die Working Group „Sustainable Careers“ an der mdw, Mai 2025 © Stephan Polzer

Genau zwei Jahre arbeitete die Working Group „Sustainable Careers“ – mit Dagmar Abfalter für die mdw – an der Fragestellung, welche Fähigkeiten im Sinne von Entrepreneurship oder Careers Skills für eine langfristige Karriereentwicklung der Allianz-Studierenden gefördert werden müssen. Alle Partneruniversitäten bieten vielerlei Angebote für Bachelor-Studierende – mit Schwerpunkt auf grundlegenden Fähigkeiten wie Kommunikationsarbeit, Basiskompetenzen im Projektmanagement oder Personal Branding – oder auf Master-Level an, wo der Fokus auf fortgeschrittenen unternehmerischen Qualitäten wie Führung, betriebswirtschaftliche Kenntnisse und Flexibilität gegenüber den Dynamiken des Arbeitsmarkts liegt. Indem Studierende lernen, Problemen mit Kreativität zu begegnen, bereiten sie sich darauf vor, mit immer komplexeren globalen Herausforderungen bzw. den Anforderungen der modernen Musikindustrie selbstständig umzugehen. Im Sinne des Leitmotivs „gesellschaftliches Engagement“, erarbeitete die Working Group ein Konzept für einen gemeinsamen Blended-Learning-Kurs Social Innovation Through Music: Community-Driven Practice. Dieser kann von einer digitalen Vortragsreihe, über ein BIended-Intensive-Programm an einer Partneruniversität und in Kollaboration mit einer lokalen NGO, bis zu der tatsächlichen Umsetzung eines zuvor entworfenen, von Studierenden geleiteten Projekts reichen. Es ist angedacht, einen konkreten Vorschlag auf Basis dieses Konzeptes bis Sommer zu präsentieren, mit dem Ziel einen ersten Pilotversuch noch in dieser Allianzphase durchführen zu können.

© Stephan Polzer

Seit Anfang 2025 setzt sich die Working Group „Artistic Citizenship, Audience- and Community Engagement“ mit Transformationsprozessen auseinander, innerhalb derer neu gedacht wird, wie Musiker_innen und Publikum in Beziehung gesetzt werden. Dabei setzen Axel Petri-Preis, vertretend für die mdw, und die Working Group das Konzept Artistic Citizenship in den Fokus, das eine Haltung von Musiker_innen beschreibt, die künstlerisches Streben mit sozialem Engagement verbindet. Aus der Vielfalt des sozialen Potenzials der Musik Programme zu entwickeln, wird seit Jahren in der Musikvermittlung immer wichtiger, wodurch sich auch die Curricula der Studierenden verändern. Dabei schließt die Arbeit in innovativen, community-orientierten Formaten die aktive Einbindung traditionellerer Publikumsgruppen nicht aus. Die Working Group sammelte zunächst bestehende Angebote aller Partneruniversitäten aus diesen Bereichen und erweiterte das Inventar um eine vergleichende Studie. Diese wurde durch die Frage nach Möglichkeiten einer stärkeren Verankerung sozial relevanter Musikpraktiken in der Ausbildung von Musiker_innen angeleitet. Als Ergebnis stehen der Allianz elf Empfehlungen zur Verfügung – von kohärenten Lernpfaden zur Kompetenzentwicklung für Bachelor-, Master- und Postgraduiertenstudiengänge, über kontinuierliche berufliche Weiterbildungsangebote (z. B. zur Konzipierung partizipationsorientierter Projekte) für Fakultätsmitglieder, bis hin zur verstärkten Zugänglichkeit regelmäßiger Konzertaktivitäten an den Partneruniversitäten, um so die Verbindung zum lokalen und regionalen Publikum zu stärken. In Zusammenarbeit mit assoziierten Allianzpartnern, wie etwa Musethica und Superar, startet die Working Group dieses Jahr mit der Entwicklung neuer Trainingsmodule für Mitarbeitende in Konzertproduktionen und Studierende.

Das WP6-Komitee erkundet die mdw, Juni 2024 © Stephan Polzer

2025 startete ebenso die Working Group „Belonging, Diversity, Equity & Inclusion“ mit Ulli Mayer, Repräsentantin der mdw. Gleich zu Beginn führte die Gruppe das Konzept „Belonging“ für ihre Arbeit in der Allianz ein. Im Sinne des Belonging, arbeiten Institutionen und Individuen zusammen, um Gemeinschaften zu fördern, in denen sich alle Menschen anerkannt und geschätzt fühlen. Im Kontext der Partneruniversitäten umfasst dies Studierende, Mitarbeitende und Alumni, die im Austausch mit weiteren Gemeinschaften die Universität gesamtgesellschaftlich vernetzen. Die Working Group definierte fünf Handlungsfelder, die den inhaltlichen Rahmen ihrer Analyse bildeten – „Zugang & Aufnahmeprüfung“, „Lehre & Lehrpläne“, „Organisationsstruktur“, „Mitarbeitende & Studierende“ sowie „Organisationskultur“ – und sammelte detaillierte Informationen aus allen Partneruniversitäten. Diese verdeutlichen einerseits die Reichhaltigkeit an diversitäts- und inklusionsfördernden Maßnahmen in den genannten Bereichen, heben aber andererseits auch reale Herausforderungen oder Lücken in der Umsetzung hervor, mit denen sich es im weiteren Verlauf der Allianz zu beschäftigen gilt. Gerade weil die Partneruniversitäten in den fünf Handlungsfeldern unterschiedliche Schwerpunkte setzen (z. B. auf die Sichtbarkeit traditionell ausgegrenzter Gruppen, auf Forschungs- und Kunstprojekte, oder auf die Förderung einer Kultur des Belonging), wird angestrebt, kontinuierlich unter der Prämisse des gegenseitigen Lernens zu arbeiten.

Seit diesem Jahr ist auch die Working Group „Sustainability“ im Work Package 6 aktiv. Birgit Huebener, nominiert für die mdw, und die Kolleg_innen der Partneruniversitäten werden laufende Initiativen und Maßnahmen aus dem Bereich der ökologischen Nachhaltigkeit dokumentieren und analysieren. Diese können von studentischen Aktivitäten bis hin zu strukturell implementierten Verfahren variieren. Als Orientierungsrahmen dienen die 17 Sustainable Development Goals (SDGs) der UN-Agenda 2030 sowie weitere auf europäischer Ebene entwickelte Empfehlungen wie z. B. die „Play Green! Recommendations for Green Transition in Higher Music Education“ der AEC.

So herausfordernd das kollaborative Arbeiten von acht Partnerinstitutionen mit unterschiedlichen politischen, ökonomischen, gesellschaftlichen oder technologischen Rahmenbedingungen sein kann, so dankbar ist am Ende der Austausch, wenn aus der gegenseitigen Inspiration neue Programme entstehen, mit denen die Studierenden auf die multiplen Herausforderungen unserer Zeit vorbereitet werden können. Das Work Package 6 setzt sich für die Förderung von Werten wie Vielfalt, Pluralismus, Gleichstellung, Demokratie und Solidarität ein. Gerda Müller ist es dabei ein großes Anliegen, Studierende zu befähigen, kritische und reflektierte Persönlichkeiten zu werden, die in der Lage sind, Veränderungen voranzutreiben. Diese Ziele fließen in die agile Arbeitsweise des Work Package 6 ein: Sie basiert auf transparenter Kommunikation, gemeinsamem Engagement für den Lernprozess und gegenseitigem Vertrauen während des gesamten Entwicklungsprozesses. Mit großer Vorfreude blickt das Team daher auf den IN.TUNE Summit im Mai an der mdw, der Raum für Austausch, neue Perspektiven und die nächsten gemeinsamen Schritte bieten wird.

Die veröffentlichten Ergebnisse und Outputs des IN.TUNE Work Package 6 „Strengthening our Engagement with Society“ finden sich online unter intune-alliance.eu/achievements-and-outputs.

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