Eine Woche, die nachklingt
Mit der zweiten Edition der isaCommunity am Campus der mdw sowie im Musik im Dialog-Saal (MiD-Saal) im Gasometer brachte die isa im Juli 2026 erneut junge Musiker_innen aus zahlreichen Ländern in Wien zusammen. Sechzehn Teilnehmende aus Europa, Nord- und Südamerika sowie Vorderasien arbeiteten eine Woche lang an der Schnittstelle von künstlerischer Praxis und gesellschaftlichem Engagement. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie Musik Begegnungen schaffen und gesellschaftliche Relevanz entfalten kann. Gemeinsames Experimentieren, Reflexion und kollaborative Entscheidungsprozesse prägten den Arbeitsalltag. Workshops zu Socially Engaged Musicking, Dramaturgie, Improvisation und Partizipation eröffneten neue Perspektiven auf die eigene künstlerische Praxis und luden dazu ein, gewohnte Denk- und Arbeitsweisen zu hinterfragen.

Ein zentraler Bestandteil der Woche war die Entwicklung neuer Konzertformate. Gemeinsam mit den Coaches Kian Jazdi (Liedstadt Festival), Ana Đorđević (framed.berlin), Hannah Baumann (mdw) und Axel Petri-Preis (mdw), sowie Partnerinstitutionen wie dem Wiener Konzerthaus (Sophie Löschenbrand) und dem Beethovenfest Bonn (Lydia Kappesser und Julia Klein) entstanden Ideen, die kontinuierlich weiterentwickelt, diskutiert und erprobt wurden. Design-Sprints, Feedbackrunden und Reflexionsphasen im Wiener Konzerthaus machten deutlich, dass künstlerische Prozesse selten geradlinig verlaufen. Vielmehr entstand Qualität aus dem gemeinsamen Aushandeln, dem Vertrauen in unterschiedliche Perspektiven und der Fähigkeit, produktiv mit Komplexität umzugehen.

Besondere Aufmerksamkeit galt dabei dem Verhältnis zwischen Musiker_innen und Publikum. Immer wieder wurde erprobt, wie Konzerte zu Orten der Begegnung werden können – insbesondere durch Formate, die direkten Austausch ermöglichen und unterschiedliche Zugänge zu Musik eröffnen. Diese Überlegungen fanden ihren Ausdruck sowohl bei den intimen Wohnungskonzerten von Wiener Gastgeber_innen als auch bei Pop-up-Konzerten im Gasometer und im gemeinsam entwickelten Abschlusskonzert im MiD-Saal, bei dem Raum, Dramaturgie und musikalische Beiträge zu einer zusammenhängenden Erzählung verschmolzen. Schon im Eingangsbereich begann das Konzerterlebnis, denn musikalische Performances begleiteten die Besucher_innen und luden sie dazu ein, den Weg in den Saal gemeinsam mit den Musiker_innen anzutreten. Der Übergang in den Konzertsaal wurde somit selbst zum Teil der Aufführung.

Aus der Perspektive der Projektassistenz war es für mich besonders eindrucksvoll zu beobachten, wie sich innerhalb weniger Tage aus einer zunächst heterogenen Gruppe mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen, musikalischen Erfahrungen und künstlerischen Zugängen eine Community entwickelte. Gleichzeitig stellte auch die Besetzung eine besondere Herausforderung dar: Drei Sänger_innen, sechs Pianistinnen und drei Flötist_innen, eine Panflötistin und eine Gheychak-Spielerin – eine ziemlich ungewöhnliche Konstellation. Gerade diese Vielfalt erwies sich jedoch als großer Mehrwert. Sie eröffnete neue klangliche Möglichkeiten, förderte einzigartige Arrangements und machte deutlich, wie bereichernd unterschiedliche Perspektiven für den gemeinsamen künstlerischen Prozess sein können.
Das Ende der intensiven Arbeitswoche markierte nicht den Abschluss des Projekts, sondern den Ausgangspunkt für dessen Fortsetzung: Die während der isaCommunity entwickelten Konzertformate werden im Herbst unter professionellen Bedingungen in Kooperation mit dem Fachbereich Musik im Dialog weitergeführt – am 13. und 14. September im Rahmen des Beethovenfestes Bonn, am 7. und 8. Oktober in einer Kooperation des Liedstadt Festivals mit TONALi in Hamburg sowie am 22. Oktober im Wiener Konzerthaus. So reicht die isaCommunity weit über eine Sommerwoche hinaus und schafft nachhaltige Verbindungen zwischen künstlerischer Entwicklung, institutioneller Praxis und internationalem Austausch.