Ein Abend für die Musik von morgen
Am 15. Mai 2026 feierte der Singer-Songwriting- und Bandcontest Alle Neun in Contest seine Premiere am mdw-Campus. Nominiert von allen neun Musikuniversitäten und Musikhochschulen Österreichs traten Singer-Songwriter_innen und Smallbands gegeneinander an und gaben einen vielseitigen Einblick in die aktuelle Popmusikszene. Eine hochkarätige Jury bestehend aus Hubert von Goisern, Ina Regen, Missy May, David Buder und Christian Kolonovits kürte die besten Acts mit Preisen von bis zu 6.000 Euro.

Bunte Outfits statt klassischer Konzertkleidung, Open-Air-Bühne und Foodtrucks statt Konzertsaal und jede Menge neue Musik: Obwohl sich der 15. Mai von seiner kühlen Seite zeigte, wurde der Innenhof der mdw schnell mit guter Stimmung aufgeheizt. Rund 300 Besucher_innen – Studierende, Musikbegeisterte und Menschen aus der Nachbarschaft – waren gekommen. Ein Abend, an dem nicht nur um Geldpreise gespielt wurde, sondern vor allem eines im Mittelpunkt stand: jungen Musiker_innen eine große Bühne zu geben.

Für den erstmals ausgetragenen Bandcontest nominierten die neun österreichischen Musikuniversitäten und Musikhochschulen jeweils einen Act. Nach einer kurzfristigen Absage der Privathochschule für Musik Stella Vorarlberg gingen acht davon ins Rennen. Das Konzept: zwei Runden, zwei Herausforderungen. Zunächst präsentierten die Musiker_innen einen Coversong, bevor sie mit einer Eigenkomposition zeigen konnten, was musikalisch in ihnen steckt. – Und das ist ganz schön viel. Von Jazz über Funk und Soul bis hin zu Britpop und Shoegaze trafen unterschiedlichste Genres, Stimmen und Persönlichkeiten aufeinander. Für manche Musiker_innen war es eine der ersten Gelegenheiten, die eigenen Songs auf einer Bühne dieser Größe zu präsentieren – inklusive professionellem Soundcheck, Stagehands und allem, was zu einem großen Live-Auftritt dazugehört.
Wie unterschiedlich Bühnenpräsenz aussehen kann, zeigte sich im Laufe des Abends. Nael Kim von Nael Kim Electronic Symphony sang, spielte – zeitweise auf dem Boden liegend – Gitarre und machte die Bühne mit seiner Performance zu seiner eigenen. Gemeinsam mit Gitarrist Fu Ping Ryu sorgte Neža Okorn mit ihrer jazzigen Stimme für einen der ruhigeren Gänsehautmomente. Sängerin Chrissi Schmolmüller brachte mit ihrem Soloprojekt KRALL eine Energie auf die Bühne, der man sich nur schwer entziehen konnte. Laut, kompromisslos und mitreißend präsentierte die mdw-Band Sick Boi von Ren und die Eigenkomposition Madonna.

Zwischen den Auftritten blieb Zeit, sich bei den Foodtrucks durchzukosten oder sich an der Bar in der Aula mit Getränken zu versorgen. Die Mischung aus Contest und Campusabend funktionierte: Während auf der Bühne um die Aufmerksamkeit der Jury gespielt wurde, feuerten Freund_innen, Familien und weitere Besucher_innen die Acts an. Die fünf Musikexpert_innen der prominent besetzten Jury bewerteten die Acts nach festgelegten Kriterien. Dabei ging es nicht nur um technische Perfektion. „Es geht nicht darum, der oder die Beste zu sein, es geht um eine Einzigartigkeit, etwas Unverwechselbares“, brachte Hubert von Goisern seinen Blick auf den Wettbewerb auf den Punkt. Am Ende durfte sich die mdw über einen Heimsieg freuen: KRALL holte den ersten Preis, gefolgt von Livin’ Vintage von der KUG – Universität für Musik und darstellende Kunst Graz und Neža Okorn von der MUK – Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien. Der Sideman Award ging an Michael Bauer, Bassist bei Christos Kavazis und Band vom Jam Music Lab Vienna.

Im Anschluss an die Preisverleihung nahm sich die Jury Zeit, den Teilnehmenden detailliertes Feedback zu ihren Auftritten zu geben. Damit wurde der Wettbewerb zugleich zu einer Gelegenheit, Erfahrungen mitzunehmen, die weit über eine Platzierung hinausreichen. Oder, wie Christian Kolonovits es den jungen Musiker_innen mitgab: „Bitte nicht nach dem Sieg, nur nach dem Weg greifen. Ich glaube, wir Musiker_innen brauchen nur einen Weg und keinen Sieg.“ Nach dieser ersten Ausgabe geht der Weg weiter: Alle Neun in Contest soll im kommenden Jahr fortgesetzt werden. Wer den ersten kühlen, aber musikalisch umso heißeren Maiabend im mdw-Innenhof verpasst hat, bekommt damit die nächste Gelegenheit, live dabei zu sein.