Ferdinand Breitschopf, Fachinspektor für Musik der Bildungsdirektion Wien und Karl-Gerhard Straßl, Juryvorsitzender beim diesjährigen Wettbewerb an der mdw, geben Einblick das Wiener Landesjugendsingen, das von 21. bis 23. April 2026 zum ersten Mal an der mdw stattfand.

© WIENXTRA/Kajetan Koren

Das Wiener Landesjugendsingen ist Teil eines gesamtösterreichischen Chorwettbewerbs, dem Österreichischen Jugendsingen. In allen Bundesländern finden alle drei Jahre im April und Mai die jeweiligen Landesjugendsingen statt, bei denen jene Jugendchöre ermittelt werden, die das Bundesland dann in Linz beim Bundesjugendsingen vertreten. Die Darbietungen unterliegen dabei einem Reglement, das fünf Alterskategorien und ein österreichweit identes Bewertungsschema umfasst. Bewertet wird von einer Jury, die aus einem Vorsitzenden und vier Juror_innen besteht. Im konkreten Fall waren dies Karl-Gerhard Straßl als Juryvorsitzender, Angelika Berrini, Verena Doublier, Katja Kalmar und Johannes Hiemetsberger. Die Beurteilung der Darbietungen erfolgte nach technischen Kriterien (Intonation, Chorklang, Dynamik, Rhythmik), musikalisch-künstlerischen Kriterien (Interpretation, Stil), Programmauswahl (Vielfalt und Schwierigkeit der gesungenen Stücke) sowie dem künstlerischen Gesamteindruck (Gesamtkonzept, Präsentation).

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Den Abschluss des Landesjugendsingens bildete das Festkonzert im Großen Rathaussaal mit rund 1.000 Teilnehmer_innen. Bei diesem Anlass wurden dann auch die Urkunden und verschiedene Preise überreicht. Das Bundesjugendsingen gibt es seit 1948.

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Als Fachinspektor für Musik in der Bildungsdirektion Wien bin ich hauptverantwortlich für die künstlerisch-pädagogische Leitung des Wiener Landesjugendsingens. Für die organisatorische Seite ist der Verein WienXtra-Schulevents verantwortlich. Diese Zusammenarbeit funktioniert seit vielen Jahren sehr gut und wir können mit einem gewissen Stolz berichten, dass wir seit 2010 die Anzahl an Teilnehmer_innen beim Wiener Landesjungendsingen massiv gesteigert haben.

Ferdinand Breitschopf © WIENXTRA/Kajetan Koren

Auch dieses Jahr gab es mit 69 Chören und 2.100 singenden Kindern und Jugendlichen wieder einen neuen Teilnehmendenrekord. Besonders schön daran ist zu sehen, dass vor allem aus dem Bereich der Volksschulen besonders viele Chöre angetreten sind. Da hat sich in den letzten Jahren wirklich etwas bewegt. Dies ist besonders schön, weil natürlich in diesem Alter ein Grundstein für den Zugang zur eigenen Stimme, zur eigenen Musik und zum gemeinsamen Musizieren gelegt werden kann. Ein Grundstein, der die gesamte musikalische Bildung und persönliche Entwicklung positiv beeinflusst.

© WIENXTRA/Kajetan Koren

Dass wir dieses Event 2026 zum ersten Mal an der mdw veranstalten durften, ist ein wahrer Glücksfall. Hier konnten wir auf eine perfekte Infrastruktur für den Wettbewerb zurückgreifen und fanden auch ein hervorragendes Konzertsetting vor. Technik, Instrumente, Einsingräume – all das stellt die mdw vor keine großen Herausforderungen. Die Idee an die mdw zu gehen kam von Johannes Hiemetsberger, der bereits beim letzten Landesjugendsingen vor drei Jahren eine Art Einladung aussprach. Natürlich konnte diese Entscheidung nur auf höherer Ebene getroffen werden und so soll dem gesamten Haus, allen voran Frau Rektorin Ulrike Sych sowie Wilhelm Spuller und seinem gesamten Institut Dank ausgesprochen sein. Von Anfang an war klar, dass das auch für die mdw eine schöne Veranstaltung sein würde, speziell, weil es eine fantastische Gelegenheit ist, Kindern und Jugendlichen Zugang zu einer wesentlichen Ausbildungsstätte für Musik und Musikpädagog_innen zu ermöglichen. A perfect match.

© WIENXTRA/Kajetan Koren

Abschließend darf berichtet werden, dass die gesamte Veranstaltung in äußerst angenehmer und entspannter Konzertatmosphäre stattgefunden hat: strahlende Kinderaugen, feurige Auftritte, bezaubernde Klänge, berührende Momente und mitfieberndes Publikum haben drei Tage lang den Joseph Haydn-Saal beseelt. Vielen Dank allen Beteiligten und Teilnehmenden.

© WIENXTRA/Kajetan Koren


„Im Chor singt man nicht nebeneinander, sondern miteinander“
Juryvorsitzender Karl-Gerhard Straßl im Gespräch mit dem mdw-Magazin

Interview: Astrid Meixner

Welche persönliche Bedeutung hat Chorsingen für Sie?
Chorsingen begleitet mich schon beinahe mein ganzes Leben lang, da ich seit der Volksschulzeit durchgehend in Chören gesungen habe. Im Chor singt man nicht nebeneinander, sondern miteinander. Dabei hat jeder Chor seine eigene Kultur und seine spezifische Ausdrucksweise. Auch in meiner langjährigen Tätigkeit als Leiter mehrerer Chöre – wie z.B. beim VerwaltungsChor der mdw – merke ich immer wieder, wie besonders es ist, mit einer Gruppe gemeinsam zu musizieren. Dabei ist es faszinierend, dass ein Chor mehr ist als die Summe der Einzelnen. Zudem engagiere ich mich sehr im Chorverband Österreich, dem Dachverband der Chorverbände und Chöre Österreichs inkl. Südtirol, und war bis 2024 für 8 Jahre Präsident dieses großen Verbands. Ich kann also mit Freude sagen, dass Chorsingen mein Leben prägt und unglaublich bereichert.

Karl-Gerhard Straßl © Sabine Hauswirth

Was macht für Sie einen guten Chor aus? Worauf haben Sie als Jurymitglied beim diesjährigen Wettbewerb besonders geachtet?
Die Qualität eines Chors zeigt sich an der Umsetzung künstlerischer und singtechnischer Aspekte. Wichtig ist mir dabei, dass gut musiziert wird und die Musik erlebbar wird. Allerdings möchte ich betonen, dass für mich auch die konkreten Umstände zu berücksichtigen sind. Beispielsweise kann ein ambitionierter Amateurchor mit einer gelungenen Präsentation eines leichteren Stücks in einem Konzert für mich genauso überzeugend sein wie ein Leistungschor bei einem schwierigen Chorwettbewerb. Als Juryvorsitzender ist mir wichtig, dass in den Kinder- und Jugendchören gemeinsam lebendig musiziert und ein buntes Programm präsentiert wird. Die vertonten Emotionen, und hier insbesondere die Freude, möchte ich erleben.

Warum ist gemeinsames Singen aus Ihrer Sicht wichtig?
Dazu könnte ich ganz viel sagen, da ich dies als ehemaliger Präsident des Chorverband Österreich gegenüber den politischen Stellen täglich argumentieren musste. Kurz gesagt untermauern zahlreiche wissenschaftliche Studien vielfältige positive Wirkungen des gemeinsamen Singens: Gemeinsames Singen ist die niederschwelligste Form des Interagierens und somit gelebte Inklusion, es schafft Verbindung und Vertrauen. Singen ist gesund, schafft gute Stimmung durch das Ausschütten von Glückshormonen und erleichtert das Erlernen fremder Sprachen. Wer singt, findet eine Brücke zum und zur Nächsten.

Welche Bedeutung haben Veranstaltungen wie das Landesjugendsingen an der mdw?
Das heurige 26. Landesjugendsingen, das nur alle drei Jahre stattfindet, ist Teil des österreichweiten Jugendsingens, das in drei Stufen (Bezirks-, Landes- und Bundesjugendsingen) schulische und außerschulische Chöre in allen Bundesländern zu einem wertschätzenden Wettbewerb zusammenführt. Dies ist das größte Jugendchorfestival Europas! Dabei erhalten die Chöre ein Prädikat und die Chorleiter_innen auf Wunsch ein persönliches Feedback der Juror_innen. Dass dies heuer erstmals an der mdw stattgefunden hat, ist für mich eine perfekte Symbiose: Die singenden Kinder und Jugendlichen sind ein Pool an möglichen künftigen Studierenden oder möglicherweise sogar bald Schüler_innen unserer musikpädagogischen Absolvent_innen. Wann gibt es sonst die Gelegenheit, dass rund 2.100 Kinder und Jugendliche aus Wien (inkl. zahlreichen Lehrenden und zuhörenden Eltern) unser Haus in dieser besonderen Atmosphäre kennenlernen?

Was ist Ihnen beim heurigen Landesjugendsingen besonders in Erinnerung geblieben?
Mir sind einige Aspekte besonders in Erinnerung geblieben: die bisher größte Anzahl teilnehmender Chöre und Sänger_innen aus Wien (68 Chöre, 2.100 Sänger_innen), die musikalische Einheit der Chöre (sogar wenn sie bis zu 120 Sänger_innen hatten), die Diversität der Chöre als Abbild unserer Gesellschaft, die gemeinsame Musizierfreude, das fruchtbare Zusammenwirken von engagierten Pädagog_innen und ihren Schüler_innen, die hohe Anzahl an Klassenchören, das zunehmend verschiedensprachige Programm und die positive Energie. Es war ein großartiges Zeichen, wie wichtig Chorsingen ist und wie cool es ist, wenn Kinder bzw. Jugendliche gemeinsam singen!

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