Ein Impuls für die Cello-Studierenden der mdw
Als Ende Jänner 2026 erstmals der Heinrich-Schiff-Wettbewerb an der mdw stattfand, markierte dies einen wichtigen Schritt für die Förderung des cellistischen Nachwuchses der Universität. Benannt nach dem herausragenden Cello-Solisten, Dirigenten und langjährigen mdw-Professor Heinrich Schiff, setzte der Wettbewerb ein Zeichen für künstlerische Exzellenz und institutionelle Unterstützung – und schloss zugleich eine Lücke im internen Wettbewerbsangebot der mdw, in dem für die Violoncello-Studierenden bisher kein eigenes Format existierte.
Für Institutsleiter Anton Sorokow, der Schiff sowohl als Konzertmeister der Wiener Symphoniker als auch als Kollegen erlebt hat, war die Wahl des Namensgebers naheliegend: „Heinrich Schiff war ein außergewöhnlicher Musiker mit internationaler Strahlkraft. Er war großzügig, unterstützend und seinen Studierenden stets mit großem Herzen zugewandt.“ Sein Name stehe weltweit für Qualität, Integrität und musikalische Tiefe – und genau diese Haltung solle auch der Wettbewerb verkörpern. Die Idee zu einem eigenen Cello-Wettbewerb entstand aus mehreren Impulsen. Innerhalb der mdw gibt es für Geigenstudierende mit dem Stefanie-Hohl-Wettbewerb seit Jahrzehnten ein etabliertes Format, das nicht nur hohe künstlerische Standards setzt, sondern auch ein wichtiges Motivationsinstrument im Studienalltag ist. Dieses erfolgreiche Modell diente nun als Inspiration. Gleichzeitig eröffnete die Kooperation mit dem Verein für Internationale Musik- und Kulturförderung unter Direktor Soondeog Kwon die Möglichkeit, den Gewinner_innen künftig einen Soloauftritt mit einem renommierten Orchester zu ermöglichen. Zusätzlich unterstützt der Komponist und Musikmäzen Alfred Huber das Projekt durch die Finanzierung der Preisgelder sowie durch seine künstlerische Beteiligung in Form eines Pflichtwerks. Die Zusammenführung institutioneller, künstlerischer und organisatorischer Kräfte gab letztlich den Anstoß zur Gründung dieses neuen, langfristig angelegten Wettbewerbsformats.
Die Zielsetzung des Wettbewerbs ist breit gefächert und klar definiert. Er soll die Studierenden künstlerisch fordern und fördern, ihnen zusätzliche Motivation bieten, neue Werke zu erarbeiten, und ihnen einen professionellen Rahmen eröffnen, in dem sie sich präsentieren können. Ein wesentliches Anliegen ist dabei der pädagogische Mehrwert: Wettbewerbserfahrung, ein konkretes Ziel im Semesterverlauf und die Chance, die eigene künstlerische Entwicklung sichtbar zu machen. „Ein Wettbewerb kann Herausforderung und Bestätigung zugleich sein“, betont Sorokow. „Er soll unsere Studierenden ermutigen, ihr Potenzial sichtbar zu machen.“
Ein Blick auf das Wettbewerbsformat zeigt diese Ausrichtung deutlich: Die erste Runde fand am 22. Jänner 2026, das Finale am 23. Jänner 2026 – jeweils im Franz Liszt-Saal – statt. Das Programm der Vorrunde verband ein Pflichtstück von Alfred Huber mit klassischen und virtuosen Werken; das Finale widmete sich Robert Schumanns Cellokonzert in a-Moll op. 129 – einem emotional wie technisch anspruchsvollen Eckpfeiler des Repertoires. Die Teilnahme steht allen Studierenden der Studienrichtung Violoncello (Vorbereitungslehrgang, Bachelor und Master) offen – sowohl im Konzertfach als auch im Bereich Instrumental(Gesangs)pädagogik. Damit richtet sich der Wettbewerb an Studierende aus zwei Instituten: dem Fritz Kreisler Institut für Konzertfach Streichinstrumente, Gitarre und Harfe sowie dem Alma Rosé Institut für Streichinstrumente, Gitarre und Harfe in der Musikpädagogik. Auch die Vorbereitungslehrgänge sind ausdrücklich inkludiert. Diese breite Zielgruppe unterstreicht den integrativen Anspruch des Wettbewerbs, der das gesamte cellistische Spektrum der mdw einbeziehen möchte und als verbindendes Format zwischen den Instituten fungieren soll.
Da der Wettbewerb erstmals stattfand, bewegten sich Organisator_innen und Fachgruppen naturgemäß auf einem neuen Terrain. Von „Herausforderungen“ will Sorokow dennoch nicht im klassischen Sinne sprechen – vielmehr handle es sich um typische Überlegungen, die mit der Einführung eines neuen Formats einhergehen: effiziente Abstimmung zwischen den Instituten, präzise Zeitplanung, klare Kommunikation und eine Juryzusammensetzung, die fachlich wie menschlich überzeugt. Besonders wertvoll war dabei die Orientierung an jahrzehntelangen Best Practices des Stefanie-Hohl-Wettbewerbs, dessen Struktur und Erfahrungsschatz eine natürliche Referenz darstellen. Als Jury wirkten Mitglieder der Cello-Fachgruppe sowie externe Expert_innen mit, darunter eine international tätige Cellistin. Sorokow übernahm als Institutsleiter die organisatorische Gesamtleitung. Die operative Koordination lag bei Julia Ostroverkhova vom künstlerischen Betriebsbüro des Fritz Kreisler Instituts, die Abläufe verantwortete und zusammenführte. Ziel war es, ein Umfeld zu schaffen, das gleichermaßen professionell, fair und inspirierend ist.
Attraktive Preise sollten zusätzlich motivieren: Die Preisgelder von insgesamt 3.500 € wurden von Alfred Huber gestiftet. Der 1. Preis umfasste 1.500 € sowie einen Konzertauftritt mit dem North Czech Philharmonic Orchestra im Juni 2026. Der 2. und 3. Preis waren mit 1.000 € bzw. 500 € dotiert; ein weiterer Sonderpreis prämierte die beste Interpretation von Hubers Sonate.
Für die erste Ausgabe wünschte sich Sorokow ein möglichst hohes künstlerisches Niveau und zahlreiches Publikum, insbesondere für das Finale. Obwohl es keine familiäre Stiftung oder offiziellen Nachlass zum Wettbewerb gibt, soll Heinrich Schiffs Name lebendig bleiben: als Orientierung, Inspiration und künstlerischer Anspruch. „So wie der Stefanie-Hohl-Wettbewerb über Jahrzehnte ein Fixpunkt für die Geigenstudierenden geworden ist“, sagt Sorokow, „soll der Heinrich-Schiff-Wettbewerb zukünftig eine ebenso bedeutende Rolle für unsere Cellistinnen und Cellisten einnehmen.“