Interaktionen von Kunst und Wissenschaft


Die vielfältigen Dimensionen künstlerisch-wissenschaftlicher Methoden und Ansätze werden in einer Reihe unterschiedlicher Projekte und Publikationen ausgelotet.

Hier finden Sie einige exemplarische Projekte.

Wissenskulturen im DialogFoto: ©Florian Tanzer


Kunst und Wissenschaft im Dialog – Theoretische Reflexion und experimentelle Versuchsanordnungen


Kunstuniversitäten verstanden als Organisationen professioneller Erkenntnis- und Wissensproduktion sind in besonderem Maße mit den Herausforderungen der Wissensgesellschaft in der Zweiten Moderne konfrontiert. Es gibt zwar das Bedürfnis, doch kaum Modelle, die differenten Wissenskulturen von Künsten und Wissenschaften miteinander ins Gespräch zu bringen. Denn jeder dieser Bereiche hat seine eigene Sprache, seine hochkomplex definierten Felder und Grenzverläufe. Um hier eine Kommunikation bzw. Interaktion in Gang zu setzen, bedarf es anderer Überlegungen als der Replikation des in den hegemonialen Wissenskulturen vertretenen Habitus, der sich an hierarchisch-linearem Denken orientiert. Inter- bzw. transdisziplinäre Kommunikationsprozesse setzen ein anderes Denken voraus und verstehen sich als kritische Reflexions- und Lernprozesse. Doch was heißt das in der Praxis? Wie werden solche Prozesse erlebt? Was fördert sie und was bringt sie zum Erliegen?

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Dieses Projekt ist als Impuls konzipiert, Wissenschaft und Kunst über den Fokus der Dimension Gender in einen Dialog zu bringen. Dies in der Vorabannahme, dass speziell der in den Gender Studies gegebene Rahmen Inspiration dazu liefert, unsere westlichen Wissens- und Denkverhältnisse freizulegen und ein neues Denken anzuregen. Gender Studies in ihrer Eigenschaft als offene und kritische Herangehensweise bieten dementsprechend ein adäquates Forum, die mit unterschiedlichen Wahrnehmungs- und Erkenntnismodi ausgestatteten künstlerischen Praktiken und akademische Wissenskulturen zur Begegnung und Reflexion miteinander anzuregen.



Denken des Unzeitgemäßen (Thinking the Untimely)


Seit den Anfängen der Europäischen Philosophie bei den Griechen ist das Verhältnis von Philosophie und den Künsten höchst prekär. Einerseits stoßen wir auf "Künstlerphilosophen" wie Platon und Nietzsche, die in ihren philosophischen Untersuchungen selbst von künstlerischen Darstellungspraxen Gebrauch machten; andererseits entwickelte gerade Platon ein äußerst problematisches Verhältnis zu den Künsten, indem er eine Reihe von künstlerischen Praxen aus seinem idealen Philosophenstaat verbannte. Gerade seit Platon gibt es eine mächtige (sokratische) Tendenz in der Philosophie, in der die Philosophie immer mehr darauf Wert legt, Wissenschaft, und nicht Kunst, sprich Dichtung, zu sein.

Thinking the Untimely

Vielleicht hat Nietzsche diese sokratische Tradition des Philosophierens mit der Konzeption des "Künstlerphilosophen" am radikalsten in Frage gestellt. Verlangt diese neue Denkfigur doch einen neuen Typus von Philosoph – "PhilosophInnen der Zukunft" – die bereit sind, die beiden Disziplinen "Philosophie" und "Kunst" miteinander zu kreuzen. Nicht, um ihre Differenz aufzuheben, sondern um in ein neues (post-sokratisches) Verhältnis von Philosophie und Kunst zu finden.

Im Rahmen dieses historischen Kontextes entwickelt unser Forschungsprojekt eine ForschungsPerformance, in der Philosophie, methodisch und konzeptuell, als eine Form künstlerischer Forschungspraxis begriffen und vollzogen wird, die den Anspruch aufgibt, "reine" Wissenschaft zu sein.

Dieses Ziel wird im Zuge der Komposition eines mehrtätigen Forschungsfestivals "SCORES No 10 // PHILOSOPHY ON STAGE #4" am Tanzquartier Wien realisiert, in dem KünstlerInnen, PhilosophInnen und WissenschaftlerInnen ihre Theorien zu Zarathustra. Der Künstlerphilosoph auf wissenschaftliche und künstlerische Art und Weise "on stage" demonstrieren werden. Dabei werden sie Forschungsfragen nachgehen wie: "Was passiert mit der Philosophie und den Künsten, wenn PhilosophInnen und KünstlerInnen Philosophie als eine künstlerische Praxis lesen und auch aufführen lernen? Kann uns Nietzsches Konzept der "KünstlerphilosophIn" helfen, in ein neuartiges Verhältnis von Philosophie und Kunst zu kommen, in dem wir den Vollzug des Philosophierens selbst als eine Art künstlerische Forschung begreifen lernen?"

Das Projekt wird im Rahmen einer engen Ko-operation zwischen der Universität für angewandte Kunst Wien, der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (MRS), der Universität Bremen, University of Surrey, Universität für angewandte Kunst Zürich und dem Tanzquartier Wien realisiert.


The new call for applications for a residential scholarships will be open in spring/summer 2017. For detailed information in English and German see our Website:



Tacit Knowing


"Was tun KomponistInnen, wenn sie arbeiten? Auf welches Wissen greifen sie zurück, um künstlerische, emotionale, technische oder organisatorische Herausforderungen zu bewältigen?"

Das Forschungsprojekt (2013 – 2015) befasste sich mit dem bisher in der Musikwissenschaft wenig beforschten Kompositionsprozess. Der Projekttitel "Tacit Knowing" (stummes Wissen) deutet an, dass das künstlerische Handeln von praktisch angelegten, sinnlichen und erfahrungsbasierten Wissensformen bestimmt wird. Dabei spielen sowohl materielle Gegenstände (z.B. Instrumente, Computer, Schreibutensilien) als auch die Interaktion und der Austausch mit anderen Personen eine wesentliche Rolle.

An diesem vom FWF und dem Jubiläumsfonds der Stadt Wien geförderten Forschungsprojekt arbeitete ein interdisziplinäres Team der mdw. Verschiedene soziologische, epistemische und materielle Parameter von Schaffensprozessen wurden anhand von Interviews und der in actu-Dokumentation von Kompositionsprozessen empirisch herausgearbeitet.

Die Ergebnisse wurden in einer Monografie veröffentlicht:
Tasos Zembylas/Martin Niederauer: Praktiken des Komponierens. Soziologische, wissenstheoretische und musikwissenschaftliche Perspektiven. Wiesbaden: Springer-VS, 2016.

Eine englische Buchversion ist in Bearbeitung und wird voraussichtlich im Sommer 2017 beim Routledge Verlag erscheinen.


Projektteam:
Tasos Zembylas, Annegret Huber, Andreas Holzer, Rosa Reitsamer, Martin Niederauer;



Performing Translation


Ausgehend von der Erfahrung beim literarischen Übersetzen, dass derselbe Sinn in unterschiedlichen Sprachen immer mit anderen Worten ausgedrückt werden muss (vgl. Eco 2003), stand im Zentrum der mdw-Initiative "Performing Translation" die Untersuchung von Prozessen der "Translation" im Hinblick auf die Kernbereiche Musik, Theater, Film, Pädagogik und Wissenschaft. In mehreren künstlerisch-wissenschaftlichen Teilprojekten und Publikationen wurden performative Übersetzungs- und Übertragungsformen zwischen den genannten Disziplinen ebenso wie zwischen unterschiedlichen Ausdrucksweisen und Medien, Gestaltungsformen, ästhetischen Positionen und gesellschaftlichen Kontexten beleuchtet und neu inszeniert.


Projektteam:
Werner Hasitschka (Rektor der mdw von 2002 bis 2015, Vorsitz), Alfred Smudits (Institut für Musiksoziologie), Annegret Huber (Institut für Analyse, Theorie und Geschichte der Musik), Harald Huber (Institut für Popularmusik) und Peter Tschmuck (Institut für Kulturmanagement und Kulturwissenschaft).



Weitere Projekte und Veranstaltungen