Gastvortrag | Horst Weber – Neue Musik in Zeiten des Krieges. Italien zwischen Faschismus und Resistenza

Die Resistenza war, wenn nicht militärisch, so doch politisch ein Erfolg für Italien; sie gab dem Land nach dem Krieg seine Selbstachtung zurück. In diesen Prozess waren auch Komponisten involviert, nicht nur durch die Vertonung von Texten, die Metaphern des Widerstands waren, sondern auch durch die Technik des Komponierens selbst. Den Wechsel vom kanonischen zum reihengebundenen Tonsatz trieben vor allem Luigi Dallapiccola, Bruno Maderna und Luigi Nono voran und lieferten damit ein zentrales Narrativ für die Musik der Nachkriegszeit: die Parallele von politischem und musikalischem Fortschritt, letztlich von Sozialismus und Dodekaphonie. Wie der Mythos der 'Resistenza' seit den neunziger Jahren auf dem Prüfstand steht, so ist auch die 'Meistererzählung' der italienischen Avantgarde kritisch zu hinterfragen.

Horst Weber, geboren 1944 in Koblenz, studierte 1962–68 in Wien Theaterwissenschaft, Musikwissenschaft und Dirigieren an der Universität bzw. an der heutigen MDW. 1975–78 war er Assistent an der Universität Bonn, 1978–2010 Professor für Musikwissenschaft an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Schwerpunkte seiner Forschung sind die Musik der Mozart-Zeit und der Wiener Moderne sowie Musik in der Emigration. 2011–12 hatte er eine Gastprofessur an der MDW inne.
Publikationen (Auswahl): Alexander Zemlinsky. Eine Studie, Wien 1977; Alexander Zemlinsky. Briefwechsel mit Schönberg, Webern, Berg und Schreker, Darmstadt 1995; Quellen zur Geschichte emigrierter Musiker 1933–1950, Bd. 1: Kalifornien, München. 2003, Bd. 2: New York, München 2005; „I am not a hero, I am a composer“. Hanns Eisler in Hollywood, Hildesheim 2012.



 

 

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