Komponistinnen und Werke
Anlässlich des Konzertes "Musikalische Revolutionen - Ein Fest für Komponistinnen", einer Kooperation von mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien & MUK - Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien in Zusammenarbeit mit ORF III, mit Musik von Emilie Mayer, Fanny Hensel, Florence Price, Amy Beach, Lili Boulanger, Cécile Chaminade sowie Maria Theresia Paradis befassten sich Studierende und Young Researchers beider Universitäten mit der Lebensgeschichte und den Werken dieser beeindruckenden Frauen:
- Emilie Mayer von Delilah Rammler
- Fanny Hensel von Diána Fuchs
- Florence Price von Damján Büki
- Amy Beach von Simeon Ohlsen
- Lili Boulanger von Delilah Rammler
- Cécile Chaminade von Nejla Žunić
- Maria Theresia Paradis von Nejla Žunić
Kontakt & Projektleitung: Mag. Angelika Dorfer MA, mdw Orchesterbüro, dorfer@mdw.ac.at
Emilie Mayer: Ouvertüre Nr. 2
Emilie Mayer wurde 1812 in Friedland in eine wohlhabende Apothekerfamilie geboren. Bereits mit fünf Jahren erhielt sie Klavierunterricht. Nach dem Tod ihres Vaters war sie finanziell unabhängig und zog 1840 nach Stettin, wo sie bei dem Balladenkomponisten Carl Loewe Unterricht nahm. Unter seinem Einfluss beschäftigte sich Mayer intensiv mit Haydn, Mozart und Beethoven und wandte sich zunehmend der Instrumentalmusik zu. Ihre ersten beiden Sinfonien wurden bereits 1847 in Stettin aufgeführt.
Vermutlich auf Loewes Anregung zog Mayer anschließend nach Berlin, wo sie ihre Studien bei dem Musiktheoretiker und Komponisten Adolph Bernhard Marx und dem Dirigenten Wilhelm Wieprecht fortsetzte. 1850 veranstaltete die Komponistin erstmalig ein Konzert im Königlichen Schauspielhaus und brachte fortan regelmäßig ihre Orchesterwerke selbst zur Aufführung.
Mayer reiste zu Konzerten ihrer Werke nach Wien, Brüssel, München, Leipzig und weiteren europäischen Städten und nahm damit ihr musikalisches Wirken selbstbewusst in die Hand. Insgesamt komponierte Mayer acht Sinfonien und mindestens fünfzehn Konzertouvertüren sowie zahlreiche Kammermusikwerke, von denen eine Vielzahl auch verlegt wurde. Nach ihrem Tod 1883 geriet ihr Werk weitgehend in Vergessenheit und wird erst seit einigen Jahrzehnten wiederentdeckt.
Von Emilie Mayers zahlreichen Konzertouvertüren sind heute nur wenige vollständig erhalten. Die zweite Ouvertüre in D-Dur entstand um 1850 und erklang am 21. April desselben Jahres im Königlichen Schauspielhaus am Gendarmenmarkt – in jenem ersten selbst veranstalteten Konzert, mit dem Mayer ihre Berliner Konzerttätigkeit begann. Dirigiert wurde das Konzert von ihrem Lehrer Wilhelm Wieprecht.
Einer Maestoso-Einleitung in d-Moll folgt ein dreiteiliger Hauptteil in D-Dur. Die Ouvertüre zeichnet sich vor allem durch die Verbindung verschiedener Stilelemente aus – auf dramatische Gesten folgen lyrische, barock anmutende sowie pastorale Passagen, die sich im weiteren Verlauf immer wieder abwechseln.
Zur Autorin: Delilah Rammler studiert Musikwissenschaft im Master an der mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien mit den Schwerpunkten Musikphilosophie und Genderforschung und steht zugleich als Songwriterin und Popmusikerin auf der Bühne.
Fanny Hensel: Streichquartett Es-Dur
„Die Musik wird … für Dich stets nur Zierde, niemals Grundbaß Deines Seins und Tuns werden.“ Fanny Hensel, geb. Mendelssohn Bartholdy, wuchs in einem bildungsorientierten Elternhaus auf, das der musikalischen und intellektuellen Erziehung seiner Kinder – unabhängig vom Geschlecht – hohe Priorität einräumte. Wie ihr jüngerer Bruder Felix erhielt sie eine umfassende musikalische Ausbildung bei renommierten Lehrern und komponierte bereits früh eigene Werke, die ein außergewöhnliches Talent erkennen ließen.
Fanny Hensel wirkte zeitlebens im engen musikalischen Austausch mit ihrem Bruder Felix, blieb dabei jedoch lange Zeit abseits des öffentlichen Rampenlichts. Felix, der sie „immer für ein ganz verständiges Frauenzimmer gehalten“ hatte, lehnte eine aktive Unterstützung der öffentlichen Karriere seiner Schwester ab. Dennoch nutzte Hensel den ihr verbliebenen musikalischen Handlungsspielraum: Mit Sonntagsmusik, Konzertveranstaltungen in ihrem Haus, prägte sie das Berliner Musikleben und schuf sich zugleich einen halböffentlichen Raum, in dem sie als Komponistin und Pianistin hervortreten konnte. Darin zeigt sich ein Streben nach selbständiger Gestaltung des eigenen Lebens.
Hensel schuf ein Œuvre von über 460 Werken, darunter Lieder, Klavierzyklen und Kammermusik. Zu Lebzeiten blieb ihr für dieses Schaffen jedoch weitgehend die öffentliche Anerkennung vorenthalten; erst die spätere musikwissenschaftliche Wiederentdeckung verhalf ihr zur Aufnahme in den Kanon – heute gilt sie als eigenständige kompositorische Stimme der Romantik.
Das Streichquartett von Fanny Hensel entstand im Jahr 1834 gegen einen doppelten Widerstand: einem gesellschaftlichen, bei dem die Macht des Vaters Moses Mendelssohn – der ihr eine musikalische Karriere zeitlebens verwehrte – die stärkste Kraft war, und einem musikästhetischen, bei dem die Zeitgenossen nach Ludwig van Beethovens späten Quartetten vor der Gattung eher scheuten als Neues zu wagen. Der vom Bruder Felix kritisierte „formlose" erste Satz, ein Adagio, das nie ganz zur Ruhe kommt, bricht bewusst mit der Erwartung eines energiegeladenen Beginns. Der zweite Satz dagegen verleiht dem Werk mit harmonischen Überraschungen einen lebendigen, schwungvollen Charakter. Ein Werk, das seinen eigenen Weg geht – und genau darin seine Kraft findet.
Zur Autorin: Diana Fuchs ist Doktorandin an der mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, Konzertpianistin, Instrumentalpädagogin an der Musikschule der Stadt Wien und Lehrbeauftragte an der mdw.
Florence Price: Violinkonzert Nr. 2
Florence Price wurde 1887 in Little Rock, Arkansas, als eines von drei Kindern des einzigen afroamerikanischen Zahnarztes der Stadt und einer Musiklehrerin geboren. Ihre Mutter unterrichtete sie bereits in jungen Jahren. Mit 15 Jahren zwang sie ein auf Rassentrennung basierendes Bildungssystem dazu, ihre musikalische Ausbildung in der Ferne am New England Conservatory in Boston fortzusetzen.
Trotz zahlreicher Hindernisse aufgrund von Rassismus und Sexismus schuf Price mehr als 300 Werke, darunter vier Sinfonien, Konzerte sowie Kammer- und Klaviermusik. Sie war die erste afroamerikanische Komponistin, deren Musik von einem großen US-amerikanischen Orchester aufgeführt wurde: eine Mäzenin ermöglichte die Aufführung ihrer ersten Symphonie durch das Chicago Symphony Orchestra im Rahmen der Weltausstellung 1933.
Price war zweimal verheiratet und hatte drei Kinder aus ihrer ersten Ehe. Die Uraufführung ihres zweiten Violinkonzertes konnte sie nicht mehr miterleben, da sie zwei Monate vor der Premiere 1953 im Alter von 66 Jahren in Chicago unerwartet an einem Schlaganfall verstarb.
Sie verband in ihrem Werk europäische Kompositionstraditionen mit afroamerikanischen Einflüssen wie Spirituals und Tanzrhythmen. Der größte Teil von Prices Musik blieb zu ihren Lebzeiten unveröffentlicht, wurde aber in großem Umfang aufgeführt und im Rundfunk gesendet.
Das zweite Violinkonzert entstand 1952, nur ein Jahr vor Florence Prices Tod. Sie widmete das Konzert ihrer Freundin, der Geigerin Minnie Cedargreen Jemberg, die es als Teil eines Konzerts des Musical Club of Women uraufführte. Das einsätzige Konzert verbindet romantische Klangsprache mit Elementen afroamerikanischer Musiktraditionen. Das Stück ist durch spieltechnische Virtuosität, einen kantablen, volkstümlichen Geigenton, rhythmische Vielfalt und die typischen Ruf-und-Antwort-Motive afroamerikanischer Musik geprägt. Erst im Jahr 2009 wurde das Werk wiederentdeckt und zählt heute zu den bedeutendsten Beiträgen des amerikanischen Violinkonzert-Repertoires.
Zum Autor: Damján Büki stammt aus Ungarn. Seit dem Wintersemester 2026/27 studiert er im Masterstudiengang Musikwissenschaft an der mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien.
Amy Beach: Gaelic Symphony & Variationen für Streichquartett und Flöte
Die 1867 in New Hampshire geborene Pianistin und Komponistin Amy Beach zählt zu den bedeutendsten US-amerikanischen Komponistinnen der Jahrhundertwende.
Schon als Kind komponierte sie und galt u.a. durch ihre ausgeprägte Fähigkeit zur Harmonisation und Transposition als Wunderkind. Ihr kompositorisches Œuvre reicht von bekannten Songs und Klavierwerken über Kammermusik bis hin zu sinfonischen Werken. Beach erhielt Klavierunterricht von Carl Baermann, einem Schüler Liszts, und reüssierte schon früh als Konzertpianistin.
Als Beach mit 18 Jahren ihren 24 Jahre älteren Mann heiratete, limitierte die Eheschließung ihre pianistische Tätigkeit drastisch, wodurch sie sich stattdessen auf ihre Kompositionstätigkeit fokussierte. Da gesellschaftliche Konventionen einen Kompositionsunterricht bei einem männlichen Lehrer erschwerten, studierte sie Kontrapunkt anhand ausgewählter Werke autodidaktisch. Nach dem Tod ihrer Mutter und ihres Mannes unternahm Beach eine dreijährige Europatournee, auf der sie als Pianistin und Komponistin internationale Anerkennung erlangte. Sie engagierte sich ab 1925 als Mitbegründerin und Präsidentin der Society of American Women Composers und erhielt 1928 einen Ehrenmagister der University of New Hampshire.
Beachs Werk wurde im späten 20. Jahrhundert nicht nur wiederentdeckt, sondern durch musikwissenschaftliche Arbeit rehabilitiert. Als erste US-amerikanische Komponistin veröffentlichte sie eine Sinfonie und leistete bedeutende Beiträge zum klassischen Repertoire.
Die Gaelic Symphony basiert auf irischen Volksliedern, die Amy Beach in einer irischen Zeitschrift von 1841 fand. Angeregt von ihrer unmittelbaren emotionalen Kraft verwendete sie diese Melodien nicht nur als direkte Zitate, sondern entwickelte aus ihnen großräumige symphonische Strukturen. Mit großem Erfolg wurde das Werk am 31. Oktober 1896 vom Boston Symphony Orchestra unter Emil Paur uraufgeführt. Auch auf ihrer Europatournee wurde die Komponistin für ihre Symphonie gefeiert, wodurch Beachs Ansehen in den USA weiter wuchs. George Whitefield Chadwick, ein führender Komponist Bostons, bezeichnete die Sinfonie als ein „feines Werk“, das ebenso viel Anerkennung verdiene wie eines von „one of the boys“.
Die Variationen für Streichquartett und Flöte von Amy Beach entstanden 1916 und basieren thematisch auf einer mehrstimmigen Frauenchorkomposition der Komponistin. Nach der Einleitung, in der das Streichquartett das Chorthema vorstellt, übernimmt die Flöte die Rolle einer idealisierten „Native American“-Stimme. In den Variationen verbindet Beach kontrapunktische Elemente, einen düster gefärbten Walzer und spätromantische Stilmittel. Das Werk lässt sich als musikalische Gegenüberstellung westlicher
Kompositionstechniken und einer idealisierten „Native American“-Perspektive interpretieren, wobei die westliche Tonsprache den strukturellen Rahmen bestimmt.
Zum Autor: Simeon Ohlsen, MA BMus arbeitet musikalisch, tänzerisch und vermittelnd mit Chören und Tanzgruppen sowie administrativ-assistierend im PhD-Programm der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien (MUK).
Lili Boulanger: D´un soir triste
Lili Boulanger wurde 1893 in Paris in eine musikalische Familie geboren. Schon als Kind kam sie mit der Pariser Musikszene in Berührung und wurde früh in ihrem musikalischen Weg gefördert. Aufgrund ihrer fragilen Gesundheit erhielt Boulanger zunächst vor allem Privatunterricht, bevor sie 1912 in Paul Vidals Kompositionsklasse am Pariser Conservatoire aufgenommen wurde.
Ein Jahr später gelang Lili Boulanger, was vor ihr keiner Frau gelungen war: Mit der Kantate Faust et Hélène gewann sie den Premier Grand Prix de Rome. Den mit diesem Preis verbundenen Aufenthalt in der Villa Medici in Rom musste sie jedoch krankheitsbedingt frühzeitig unterbrechen. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs kehrte die Komponistin nach Frankreich zurück, wo sie neben karitativen Tätigkeiten trotz zunehmender gesundheitlicher Einschränkungen ihre kompositorische Arbeit fortsetzte.
Ihre Musik verbindet eine ausgeprägte Sensibilität für Klangfarbe und Atmosphäre mit zunehmend kraftvollem, monumentalem Stil. Boulanger starb 1918 im Alter von nur 24 Jahren. In ihrem kurzen Leben hinterließ sie ein bemerkenswert vielseitiges Werk, das von Liedern und Kammermusik bis zu großen geistlichen und orchestralen Kompositionen reicht.
D’un soir triste zählt zu Lili Boulangers letzten Werken und entstand 1917/18 in Fassungen für Violoncello und Klavier, Klaviertrio sowie großes Orchester. Mit D’un matin de printemps bildet es ein musikalisches Gegenpaar: Beide Stücke stehen im ¾-Takt, teilen eine modale Klangfarbe und thematisches Material, entfalten daraus jedoch gegensätzliche Stimmungen. D’un soir triste ist von klagend-düsterem und teilweise monumentalem Charakter – eine Richtung, in die sich Boulangers Stil in ihren letzten Lebensjahren von einem eher intimen Ausdruck hin entwickelte. In den Manuskripten zeigen sich Spuren ihrer zunehmenden gesundheitlichen Einschränkungen unter anderem in kleinen, kaum lesbaren Noten.
Zur Autorin: Delilah Rammler studiert Musikwissenschaft im Master an der mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien mit den Schwerpunkten Musikphilosophie und Genderforschung und steht zugleich als Songwriterin und Popmusikerin auf der Bühne.
Cécile Chaminade: Concertino für Flöte Op. 107
Cécile Chaminade wurde 1857 in Paris geboren. Musik prägte bereits ihre Kindheit: Ihr Vater war Violinist, ihre Mutter Pianistin und Sängerin, diese erteilte ihr auch den ersten Klavierunterricht. Schon früh begann Chaminade zu komponieren; La Pastorale Enfantine soll laut ihrer Nichte Antoinette Lorel bereits mit sieben Jahren entstanden sein. Félix Le Couppey erkannte ihr Talent und empfahl eine Ausbildung am Pariser Konservatorium, die ihr Vater jedoch ablehnte. Stattdessen erhielt sie privaten Unterricht bei angesehenen Professoren des Konservatoriums. Ab 1878 gab Chaminade eigene Recitals und führte dabei ihre Kompositionen selbst am Klavier auf.
Ihr umfangreiches Oeuvre umfasst über 200 Klavierstücke, mehr als 100 Lieder sowie einige Bühnenwerke. Während sie zunächst auch Opern und Ballette komponierte, wandte sich Chaminade später vor allem kleineren Formen zu; eine Ausnahme bildet das Concertino für Flöte.
Ihre Konzerttätigkeit führte Chaminade weit über Frankreich hinaus. Sie trat in England und Deutschland auf, konzertierte regelmäßig in Wien und unternahm später Konzertreisen nach Osteuropa, auf den Balkan und in die Vereinigten Staaten, wo ihre Auftritte auf große Resonanz stießen. 1913 wurde Chaminade als erste Komponistin zum Chevalier de la Légion d'honneur ernannt.
Das Concertino für Flöte wurde ursprünglich für Flöte und Klavier komponiert und später von Cécile Chaminade selbst für Soloflöte und Kammerorchester arrangiert. Das Werk entstand als Prüfungsstück für die Flötenschüler von Paul Taffanel am Pariser Konservatorium.
Hinter der scheinbar einfachen Rondoform des Concertinos verbirgt sich eine ungewöhnlich komplexe harmonische und formale Gestaltung, durch die Chaminade traditionelle Erwartungen unterläuft und die dramatische Wirkung des Werkes verstärkt. Charakteristisch sind zudem technisch anspruchsvolle Passagen in verschiedenen Registern der Flöte. Das Concertino zählt zu den bekanntesten Kompositionen Chaminades und ist zugleich ein fester Bestandteil des Flötenrepertoires.
Zur Autorin: Nejla Žunić studiert Musiktheorie im Diplomstudium und Musikwissenschaft im Masterstudium an der mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien.
Maria Theresia Paradis: Sicilienne für Streicher und Flöte
Maria Theresia Paradis, die 1759 geboren wurde, war eine berühmte österreichische Pianistin, Sängerin, Komponistin und Pädagogin. Bereits als Kind verlor sie ihr Augenlicht und blieb zeitlebens blind. Eine außergewöhnliche musikalische Begabung zeigte sich bereits im Alter von sieben Jahren und entwickelte sich auf dem Spinett und später am Flügel rasch weiter.
Ihre musikalische Ausbildung erhielt Paradis bei bedeutenden Musikpersönlichkeiten ihrer Zeit. Diese und umfasste Klavier, Gesang, Musiktheorie und Komposition. Auch mit Wolfgang Amadeus Mozart stand Paradis in Verbindung: In einem Brief erwähnt Leopold Mozart ein Werk mit dem Titel Für die Paradis nach Paris, das Wolfgang für sie komponiert hatte.
Neben ihrer erfolgreichen Konzerttätigkeit und ihren zahlreichen Konzertreisen als Pianistin war Paradis auch pädagogisch tätig. Insbesondere in ihren späteren Lebensjahren widmete sie sich intensiv der musikalischen Ausbildung und erhielt mit ihren Klavierschüler_innen reichlich Anerkennung.
Auch als Komponistin trat Paradis hervor. Sie notierte ihre Musik mithilfe einer eigens für sie entwickelten Notensetzmaschine und hinterließ Werke verschiedener Gattungen, darunter die Opern Der Schulkandidat und Rinaldo und Alcina, Vokalkompositionen wie Lenore sowie Instrumentalwerke, darunter die Klavierkonzerte in g-Moll und C-Dur.
Die Sicilienne gilt als das bekannteste und meistaufgeführte Werk, das Maria Theresia Paradis zugeschrieben wird. Während die Komposition lange als Werk von Paradis galt, stellte der japanische Musikwissenschaftler Hidemi Matsushita diese Zuschreibung infrage und führte Samuel Dushkin als möglichen Urheber an. Dushkin veröffentlichte das Werk als Herausgeber, während die Urheberschaft weiterhin umstritten bleibt. Die Sicilienne wird zudem mit dem Larghetto aus Carl Maria von Webers Violinsonate in F-Dur in Verbindung gebracht.
Das Werk wurde bereits für zahlreiche Besetzungen arrangiert. Es verbindet kantable Melodik und transparente Begleitung mit einem lyrisch-tänzerischen Gestus. In der vorliegenden Fassung erklingt es in einer Bearbeitung von Silvia Spinnato für Streicher und Flöte.
Zur Autorin: Nejla Žunić studiert Musiktheorie im Diplomstudium und Musikwissenschaft im Masterstudium an der mdw - Universität für Musik und darstellende Kunst Wien.
